Berlin - „Ihr Name ist Sabine” zeigt das Leben einer Autistin

„Ihr Name ist Sabine” zeigt das Leben einer Autistin

Von: Wolf von Dewitz, dpa
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Sabine
Sabine Bonnaire in einer Szene von "Ihr Name ist Sabine" (undatierte Filmszene). Kaum jemand weiß von Sandrine Bonnaires Schwester Sabine, die an Autismus leidet und in einem Heim in der Provinz lebt. In einer sehr persönlichen und leisen Dokumentation zeigt ihre berühmte Schwester den Alltag in der Psychiatrie, deren Methoden der einst musisch begabten Schwester jedes Talent genommen haben. Denn unter der Wirkung starker Medikamente ist Sabine reduziert auf ihre dahinsiechende Existenz. Der Film kommt am 15. Januar in die deutschen Kinos. Foto: dpa

Berlin. Zwei Schwestern, wie sie ungleicher kaum sein können: Die Französin Sandrine Bonnaire steht als Filmstar in der Öffentlichkeit, ihre autistische Schwester Sabine hingegen lebt abgeschieden in einem Heim. In dem Dokumentarfilm „Ihr Name ist Sabine” holt Sandrine Bonnaire als Regisseurin ihre Schwester aus der Isolation auf die Leinwand.

Sie zeigt mit schonungslosen Bildern das Leben der Autistin. Die konnte als junge Frau noch ein zwar zurückgezogenes, aber doch recht normales Leben führen. Ein jahrelanger Psychiatrie-Aufenthalt verschlechterte ihren Zustand dann dramatisch. Der aufrüttelnde und äußerst sehenswerte Dokumentarfilm hinterfragt den Umgang der westlichen Gesellschaft mit Autisten.

Die 41-jährige Sandrine Bonnaire ist besonders in Frankreich mit Filmen wie „Biester” (1995) oder „Der Hals der Giraffe” (2004) bekanntgeworden. Ihr Regiedebüt „Ihr Name ist Sabine” lief unter anderem bei der letztjährigen Berlinale und in Cannes 2007.

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa übte Bonnaire scharfe Kritik am Umgang der Ärzte mit Autisten und an den Zuständen in geschlossenen Einrichtungen. „Sabine wurde in der Psychiatrie mit Medikamenten vollgepumpt.” Dies sei auch deshalb geschehen, weil das Pflegepersonal unterbesetzt und überfordert gewesen sei - „auf 25 Kranke kamen nur zwei Pfleger”, erinnert sich die Regisseurin. „Sabine wurde ruhiggestellt - und dabei hat sich ihr Zustand dramatisch verschlechtert.” Heute lebt die 40 Jahre alte Sabine in einem Heim und bekommt dort intensive Betreuung. „Es geht ihr Tag für Tag besser”, erklärt ihre Schwester.

Angemessene Heime für Autisten, in denen sich die Patienten entwickeln könnten, gebe es viel zu wenige. Wie sehr die Medikamente die Entwicklung von Sabine behinderten, verdeutlicht der Film: Handkamera-Aufnahmen aus den 1980-er Jahren zeigen eine junge, schlanke Frau, die fröhlich in die Kamera lacht. Nach dem Psychiatrie-Aufenthalt in den 1990-er Jahren hingegen ist Sabine aufgedunsen und apathisch: Mit stumpfem Blick begegnet sie der Kamera, unterbrochen von aggressiven Ausfällen. „Als sie aus der Psychiatrie kam, war sie kaum wiederzuerkennen”, sagt Bonnaire.

Die Filmemacherin setzt sich für ein generelles Umdenken ein: Das Anderssein der Autisten müsse von der Gesellschaft akzeptiert werden, „denn das gehört zu ihrer Therapie dazu”. Das Wort Krankheit lehnt sie ab. „Autisten sind behindert und nicht krank, denn es wird niemals eine Heilung geben.”
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