Aachen - Herman van Veen: All diese kostbaren Augenblicke

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Herman van Veen: All diese kostbaren Augenblicke

Von: Bernd Büttgens
Letzte Aktualisierung:
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Gefeierter Auftritt im ausverkauften Aachener Eurogress: Der niederländische Liedermacher Herman van Veen - hier neben Jannemien Cnossens - verzauberte sein Publikum am Samstagabend. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Augenblicke nur, zu schnell vorbei, um sie festzuhalten, auch wenn man sich das noch so sehr wünschen würde. Herman van Veen hat seine Tournee, die ihn derzeit wie auf einem Triumphzug durch die Heimat führt, für einen kurzes Sprung über die Grenze unterbrochen.

Im restlos ausverkauften Aachener Eurogress legten der niederländische Liedermacher und seine formidablen musikalischen Mitstreiter, Edith Leerkes (Gitarre), Jannemien Cnossens (Geige) und Erik van der Wurff (seit 47 Jahren van Veens Pianist), ein gefeiertes Gastspiel ein.

„Im Augenblick” heißt die Tournee und sie schreibt die so wunderbar lange schon währende Erfolgsgeschichte des Musikclowns fort, der eine künstlerische Spannbreite hat, die ihresgleichen sucht - und nicht finden wird.

Van Veens Themen kreisen um das Leben, um die Familie, um die Gesellschaft, die er mit dem milden Lächeln des Clowns feinsinnig analysiert.

Sein Programm ist keine Nostalgiekuschelecke, kein Best-of-Gesülze, er ist wach, am Puls der Zeit, der Erfahrungsschatz, aus dem er schöpft, ist sein eigener. Und so wundert es nicht, dass das Älterwerden inzwischen im Schaffen des überaus vitalen, tanzenden, hüpfenden, tobenden 66-Jährigen einen immer größeren Raum einnimmt. Die Enkel auf der einen Seite, der demente Freund auf der anderen, dazwischen das Leben, „jede Menge Getue zwischen zwei Phasen der Bettnässerei”.

Brillant ist dieses Bühnenprogramm, weil es immer die Konventionen sprengt, weil dieser Sängertextergeigerphilosoph sich nicht in eine Schublade packen lässt.

Kaum hat er einen flammenden Appell für eine kulturell wie religiös tolerante, offene Gesellschaft intoniert, da klinkt er über Minuten in einem urkomischen Anfall, schreiend, tobend irre aus.

Das Leben des „Pfiffisten” wird erzählt, der in einer „subnatalen Phase drei Jahre durch den Wald irrte, um schließlich Rumpfelstilzchen zu treffen”, pure Bühnenanarchie, leicht befremdlich, sie endet am Flügel: virtuos.

Van Veen erzählt Witze, von seinen Enkeln, von seinen Eltern, von Menschen, die ihm etwas bedeuten. Er zitiert mit einer augenzwinkernden Leichtigkeit Ideen alter Programme, lässt wieder Pingpongbälle vom Himmel regnen, diesmal sind auch Plastikbecher dabei, er duelliert sich an der Geige mit Jannemien Cnossens, räumt Edith Leerkens wie auch Erik van der Wurff Raum ein für ihre Soli, alle andere sitzen dabei, hören zu, zollen der Arbeit des jeweils anderen Respekt.

Dem Aachener Publikum wurde am Samstag ein besonderes Programm geschenkt. Nie war der Anteil niederländischer Stücke höher, selten gab es so viele taufrisch ins Deutsche übersetzte Lieder.

Nach über drei Stunden ist Schluss. Man geht heim mit einem Lied auf den Lippen, besser: e Liedje dat je kunt fluiten op straat.
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