Köln - Herbert Grönemeyer: Prima Colonia statt 4630 Bochum

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Herbert Grönemeyer: Prima Colonia statt 4630 Bochum

Von: Susanne Schramm
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Tanzen kann er immer noch nich
Tanzen kann er immer noch nicht: Herbert Grönemeyer im E-Werk. Foto: Thomas Brill

Köln. Fast jeder kann eine Geschichte erzählen. Und alle fangen mit „Damals” an. Damals, als wir Abi gemacht haben und Flugzeuge im Bauch hatten. Damals, als ein U-Boot-Fahrer sich anschickte, singen zu wollen, und ein Fan ihm schrieb: „Sie sehen im Film wirklich sehr gut aus, aber Ihre Texte sind eine Katastrophe.”

Ganz so schlimm scheint es mit den Texten dann aber doch nicht gewesen zu sein, denn Herbert Grönemeyer landete seit 1984 mit all seinen deutschsprachigen Studioalben punktgenau auf Platz 1 der Charts, hat über 13 Millionen Tonträger verkauft und steht seit drei Dekaden auf der Bühne. Nun ist der inzwischen 56-Jährige mit „Blick zurück - 30 Jahre: Halbzeit” unterwegs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Kölner E-Werk war die vierte Station und - wie alle Konzerte davor und fast alle Konzerte danach - restlos ausverkauft.

Zu seiner Halbzeit gönnt sich „Gröni” eine Clubtour, die er äußerst demokratisch gestaltet: Die Fans dürfen auf seiner Homepage entscheiden, was gespielt wird. In Köln heißt das: keine „Flugzeuge im Bauch” und kein „Gib mir mein Herz zurück”, dafür aber Stücke aus den letzten drei Jahrzehnten von „Total egal” (1982) über „Deine Liebe klebt” (1990) bis hin zu „Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht” (2002). So haben auch lange nicht gespielte Lieder eine Chance. Wobei es ohne Lieblinge - „Ich dreh mich um dich”, „Kaufen” oder „Kinder an die Macht” - dann doch nicht abgeht.

Der Mann mit dem dunklen Sakko, dem dunklen T-Shirt und der dunklen Jeans, der mit seiner Band aus dem Vollen schöpft, ist zwar längst nicht mehr rank und schlank und auch das Blondhaar lichtet sich deutlich, aber dafür blendend gelaunt.

Auch Herbert Grönemeyer hat viel „Damals” im Gepäck. Was er sichtlich genießt und mit viel Selbstironie ans Publikum weitergibt. Er erzählt von Zeiten, als es hinter der Bühne Käsebrötchen und Bier gab - und davor nur zwei Zuhörer. Als sich jener Fan über seine katastrophalen Texte beklagte. Und eine Rundfunk-Redakteurin ihm etwas bescheinigte, was er selbst noch nicht wusste: Dass „Letzte Version” das traurigste Lied sei, das er je geschrieben habe.

Zum „Damals” gehören auch definitiv die elf Jahre, in denen Grönemeyer in Köln zu Hause war. Statt 4630 Bochum preist der Jubilar umfänglich „Prima Colonia” und outet sich als Rheinländer im Geiste: „Ich bin ja ein Westfale, aber vom Wesen her bin ich extrem lustig.” Soviel gute Laune wirkt ansteckend, da verzeiht man sogar den Versuch, sich der kölschen Sprache anzunähern. Bei 17 Stücken und sieben Zugaben gibt es ohnehin kaum etwas zu bemängeln, zumal sich viele der alten Stücke, dank neuer Arrangements, wie gerade erst geschlüpft anhören. Die Gesten und die Tanzbewegungen des Frontmanns sind hingegen so wie immer - auch das ein Stück vom „Damals”, mitten drin im Heute. Die zweite Halbzeit hat begonnen.
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