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Heikle Hängepartie: Das Haus für Musik, das Spielcasino, die Finanzen

Von: js
Letzte Aktualisierung:
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So sollte die Bochumer Symphonie mal aussehen: ein Entwurf des Kölner Architekturbüros van den Valentyn aus dem Jahr 2005. Nun wird umgeplant, denn die Marienkirche wird in das Musikzentrum einbezogen.

Aachen. Wird dem Haus für Musik neues Leben eingehaucht? Zuletzt lag das Aachener Vorhaben im Tiefschlaf. Doch nach der Förderzusage von sieben Millionen Euro für Bochum (wir berichteten) sehen sich die Unterstützer für ein Aachener Konzerthaus wieder ermutigt. „Wir freuen uns sehr für die Bochumer”, sagt die Vorsitzende des Fördervereins Haus für Musik, Ruth Crumbach-Trommler.

Und die Aachener FDP-Ratsfrau meint, dass die gute Botschaft aus Bochum dem Aachener Projekt „neuen Schwung” verleiht. Allerdings zeige das Bochumer Beispiel auch, dass man „Geduld haben muss”. In der Ruhrgebietsstadt gab es bereits in den 60er Jahren erste Pläne für eine eigene Symphonie. Der Aachener Förderverein ist dagegen erst seit Juli 2003 aktiv.

Um in den Genuss öffentlicher Gelder zu kommen, hat Bochum einige Vorleistungen erbracht - für die sich Aachen erst noch ins Zeug legen muss. Die 6,5 Millionen Euro aus EU-Mitteln und 500.000 Euro aus dem NRW-Kulturetat sind also „kein Geschenk”, wie man im NRW-Wirtschaftsministerium betont. So werde besonders die sehr große private Spendenbereitschaft unterstützt. 14,3 Millionen Euro sind in Bochum durch Unternehmen, viele Bürger und Stuhlpaten zusammengekommen.

Es fehlt ein „Anker-Sponsor”

Solch eine Summe ist in Aachen noch Zukunftsmusik. Dort fehlt bisher vor allem ein „Anker-Sponsor” wie Faber Lotto in Bochum, gibt Ruth Crumbach-Trommler zu. Sie spricht zwar von einem „guten Grundstock” an Spenden-Zusagen, will aber - da das Aachener Projekt länger ruhte - zurzeit keine Zahlen nennen.

„Ein ganz besonderes Konzept” hat Bochum nach Angaben des NRW-Kultusministeriums vorgelegt. Nicht nur eine Spielstätte für die Bochumer Symphoniker werde entstehen, sondern ein umfassendes „Musikzentrum” in einem neuen „Kreativquartier”. Das hört sich gut an, soll Arbeitsplätze bringen und zudem 9,6 Millionen Euro aus dem Städtebautopf des Landes. Beim NRW-Minister für Wirtschaft, Bau und Verkehr wollen nun auch die Aachener Konzerthausfreunde anklopfen. Vielleicht ein Vorteil: Harry Voigtsberger war zwei Jahrzehnte Aachener SPD-Ratsherr, kennt das Musikleben der Stadt und wohnt weiterhin in der Nähe. „Außerdem hat er gesagt, dass Aachen noch einen städtebaulichen Leuchtturm benötigt”, sagt Ruth Crumbach-Trommler. Ob in Bochum letztlich solch ein Leuchtturm strahlen wird, daran zweifeln manche noch. Denn das Land erwartet, dass die Stadt selbst einen Anteil des 33-Millionen-Euro-Projekts stemmt - was ihr mit einem Nothaushalt nicht leicht fallen wird. Zusätzlich wird ihr als Gegenleistung für die Förderung noch die Trägerschaft der Jahrhunderthalle aufgehalst. Finanzielle Zusagen der Stadt sind im ebenfalls klammen Aachen nicht absehbar, aber dort ist zunächst eine ganz andere heikle Hängepartie zu überstehen: Denn das Haus für Musik ist eng mit der Zukunft des Aachener Spielcasinos verknüpft.

Schon seit Jahren ist es ein offenes Geheimnis, dass es den Betreiber Westspiel wegen sinkender Besucher- und Umsatzzahlen nach Köln zieht. Das Neue Kurhaus an der Monheimsallee stünde dann für eine Eurogress-Erweiterung und einen neuen Konzertsaal zur Verfügung. Bisher aber ist noch immer keine Entscheidung über den Spielbank-Standort gefallen. Der neuen Landesregierung, die einen Umzug genehmigen muss, liegt noch kein Antrag von Westspiel vor. Auch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp rechnet erst mittelfristig mit Verhandlungen. Obwohl er die Konzerthaus-Pläne grundsätzlich „klasse” findet, hat er ein Interesse daran, das Casino in Aachen zu halten - wegen der Arbeitsplätze, des Renommees und der jährlich noch knapp einer Million Euro Einnahmen durch die Spielbank-Abgabe.

„Wir wollen keine Arbeitsplätze vertreiben”, betont Ruth Crumbach-Trommler. „Daher warten wir ab, was beim Spielcasino passiert.” Erst danach werde der Förderverein eine Werbekampagne starten. So lange ist Geduld gefragt. Der Spielbank-Pachtvertrag läuft noch bis Ende Juni 2016, die Lizenz sogar bis 2018. Selbst wenn Westspiel im Laufe des Jahres noch einen Umzug beantragt, ist dieser fristgemäß frühestens Ende 2013 möglich.

Trotz der aktuellen Durststrecke hat die Aachener Musikfreundin, die zurzeit 337 Vereinsmitglieder hinter sich weiß, eine Vision: Das Haus für Musik steht zum Maastrichter Kulturhauptstadtjahr 2018. Auch dieses ist bekanntlich noch eine Vision.

Der Neubau: Mehr als nur Wunschvorstellung?

Als zweite Option hält Ruth Crumbach-Trommler weiterhin einen Konzerthaus-Neubau an der Monheimsallee für eine realistische Wunschvorstellung. Mit maximal 32 Millionen Euro sollte er nicht sehr viel teurer werden als der Spielcasino-Umbau mit Übergang zum Eurogress, für den sie bestenfalls 25 Millionen Euro veranschlagt.

Auch eine Einbeziehung von Ludwig Forum, Neuem Aachener Kunstverein und Musikschule in ein „Kreativquartier” sei denkbar.

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