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Harry Potter und „Twilight” aus eigener Feder

Von: Nina Jerzy, ddp
Letzte Aktualisierung:

Berlin. Nach sieben Bänden „Harry Potter” oder vier Romanen über die „Twilight”-Vampire muss für Fans das Lesevergnügen nicht vorüber sein. Per Internet verbreiten mittlerweile Millionen Menschen weltweit selbstgeschriebene Geschichten über ihre Lieblingshelden aus Büchern, Filmen, Mangas oder auch Videospielen.

In der Welt der sogenannten Fanfiction sind die von Erfolgsautoren wie J.K. Rowling oder Stephenie Meyer erdachten Handlungsstränge aufgehoben: Da kann Vampir Edward ein menschlicher Westernheld werden, Harry Potter doch seine beste Freundin Hermine lieben oder die „Twilight”-Blutsauger gegen TV-Vampirjägerin Buffy kämpfen. Aber auch die Band Tokio Hotel regt die Fantasie ihrer Anhänger an.

Wenn am Donnerstag (16. Juli) „Harry Potter und der Halbblutprinz” in den Kinos anläuft, haben die Fans schon acht Monate auf den Film gewartet, der ursprünglich im November starten sollte. Fanfiction sei da eine gute Möglichkeit, derartige Zwangspausen zu überbrücken, meint Saskia Preissner, Gründerin der nach eigenen Angaben größten deutschsprachigen Potter-Fanclubs im Internet.

Die 23-jährige Berlinerin und ihre Mitstreiter von „hp-fc.de” hatten vor zwei Jahren mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, die offiziell beendete Reihe fortsetzen zu wollen. Dabei musste Preissner aber auch feststellen, dass allzu viel künstlerische Freiheit von einigen Nutzern nicht gern gesehen ist.

„Ich hatte vorgeschlagen, (Harrys Patenonkel) Sirius wieder auferstehen zu lassen”, erzählt sie. Das hätten viele Mitstreiter aber als ein Affront gegen J.K. Rowling empfunden.

Die Bestseller-Autorin selbst fühlt sich nach eigenem Bekunden von der Begeisterung ihrer schreibenden Fans geschmeichelt - wenn auch mit Einschränkung. „Ich gebe offen zu, dass Fanfiction für den Autor des Originalwerks unangenehm ist”, hat die Britin im jüngst erschienenen Buch „Das Phänomen Harry Potter” über die „verdrehten” Versionen ihrer Romanwelt gesagt.

Die mächtige Autorin lässt die Fans dennoch gewähren, solange die Aktivitäten nicht-kommerziell bleiben. Eingegriffen wird auch, wenn unautorisierte Fanartikel verkauft oder Pornografie ins Spiel kommt. „Bis(s)”-Autorin Stephenie Meyer bietet auf ihrer Internetseite Extra-Kapitel zu den Büchern und hat sogar inkognito an dem Schreibwettbewerb einer Fanfiction-Seite teilgenommen. Leider ging ihr Beitrag in den Weiten des Internets verloren.

Anne Rice („Interview mit einem Vampir”) hat Fanfiction hingegen untersagt, Marion Zimmer Bradley („Die Nebel von Avalon”) wurde gar verklagt, weil sie angeblich die Idee einer Fanschreiberin gestohlen hatte. US-Autorin Jessica Bird, die auch unter dem Pseudonym J.R. Ward schreibt, will ebenfalls keine Fanfiction zu ihren Werken, wie Helge Thiessen per Anwaltsschreiben erfahren hat.

Für den Betreiber der nach seinen Angaben größten deutschsprachigen Seite zum Thema dürfte der Verlust aber bei 56.000 Besuchen und 3000 Rezensionen pro Tag zu verschmerzen sein.

Während die ersten „Star Trek”-Fans ihre Geschichten noch per Druckerpresse verbreiten mussten, führt die multilinguale Internetseite „FanFiction.net” mittlerweile allein über 400.000 Geschichten zu Harry Potter, oft mit jeweils Dutzenden von Kapiteln und Tausenden Leserkritiken.

Auch auf Thiessens Seite „FanFiktion.de” führt Rowlings Zauberer mit Abstand die Liste der beliebtesten Rubriken an. Die „Bis(s)”-Reihe folgt erst auf Rang vier. Noch davor liegen die Manga-Serie „Naruto” und Geschichten zu Tokio Hotel.

Sehr viel freizügiger als in den deutschen Foren geht es auf US-Seiten vor allem zu den „Twilight”-Büchern zu. Das musste auch der Hauptdarsteller der Verfilmungen, Robert Pattinson, feststellen. Der bekennende Fanfiction-Leser urteilte in einem Interview: „Es ist überraschend Hardcore. Und sehr gut geschrieben.” Eine Aussage, die Fans umgehend zu weiteren Geschichten über Pattinson inspiriert hat.
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