Harry Potter und die globalen Folgen für Kinderbücher

Von: Thomas Maier, dpa
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Zauberlehrling Harry Potter umnd Eisbär Knut werden die großen Stars im Karneval werden. Foto: dpa

Frankfurt/Main. In Deutschland hat es Harry Potter als erstes englischsprachiges Buch auf die nationale Bestseller-Liste geschafft. Und in Brasilien wurde Harry Potter noch in der Nacht des Erscheinens im Internet ins Portugiesische übersetzt: Der globale Erfolg von Joanne K. Rowlings Zauberlehrling steht für die weltweite Dominanz der angelsächsischen Kinder- und Jugendbücher.

Umgekehrt finden Bücher aus anderen Ländern nur selten den Weg in die USA. Eine „Einbahnstraße”, wie der der Literaturwissenschaftler Hans-Heino Ewers am Freitag in Frankfurt beklagte.

Ewers, Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung an der Universität Frankfurt, ist Gastgeber eines Kongresses von 400 Literaturwissenschaftlern. Bis zum Dienstag diskutieren sie unter anderem über die Auswirkungen der globalen Mediengesellschaft auf die Literatur für Kinder und Jugendliche.

Das Phänomen Harry Potter gilt zwar international als Ausnahmeerscheinung. Und auch die Situation in den einzelnen Ländern ist je nach allgemeinem Wohlstand und dem Zugang zu Büchern sehr unterschiedlich. Dennoch wächst der Einfluss der angloamerikanischen Literatur weltweit schon deshalb, weil Englisch immer mehr zur „lingua franca” wird.

Eine Wissenschaftlerin aus Indonesien berichtete, dass dort in den großen Städten die Kinder der reichen Elite die Bücher am liebsten gleich in Englisch lesen. Übersetzungen werden dadurch überflüssig. Dies wiederum kann die Spaltung von Gesellschaften weiter vertiefen. Die einen sprechen und lesen in der Business-Sprache, während die anderen ihrem lokalen Idiom treubleiben.

Eine andere Entwicklung, die ebenfalls mit der Globalisierung zusammenhängt, gibt es in Deutschland: Weil Kindern inzwischen schon in der Früherziehung Englisch beigebracht wird, hat sich für deutsche Verlage ein neuer Markt aufgetan. So werden sogar bekannte deutsche Kinderbuch-Autoren ins Englische übersetzt, damit die ganz Kleinen den nötigen „Drive” zum Englischlernen kriegen, wie Ewers erläuterte.

Rund 30 Prozent der Kinder- und Jugendbücher in Deutschland sind Übersetzungen aus dem Englischen. In vielen Ländern ist dieser Anteil aber oft noch höher, weil es keine etablierte nationale Literatur gibt. Die einheimischen Verlage lassen dann Bücher aus den USA einfach in Lizenz übersetzen.

Eine erstaunliche Vielfalt an Literatur für die Jüngeren gibt es dagegen in Brasilien, wie die Schriftstellerin und renommierte Wissenschaftlerin Anna Maria Machado berichtete. Geholfen habe dabei, dass Brasilien eine lange Tradition von Kinderbuchautoren habe. Zwei weitere Punkte sind für Machado, deren eigene Kinderbücher eine Auflage von 80 Millionen erreicht haben, aber wichtig. Fast jedes Kind geht inzwischen in Brasilien zur Schule. Und fast jede Schule hat eine eigene Bibliothek, wie die Autorin sagte.
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