Harmonisches Miteinander mit großer Klangfülle

Von: unserer Mitarbeiterin Eva-Maria Rüdiger
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Aachen. Ein seltenes Kleinod aus der reichen Schatzkammer der Kirchenmusik präsentierte die Cappella Aquensis an Allerheiligen.

Mit Bruckners e-Moll-Messe hatte Chorleiter Thomas Beaujean ein ebenso ungewöhnliches wie feierliches Werk in den Mittelpunkt des Konzerts in der Aachener Kirche St. Michael gestellt, noch dazu in der in Vergessenheit geratenen Originalversion von 1882.

Bruckners zweite Messe nimmt mit ihrer eigenwilligen Besetzung einen besonderen Rang in der Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts ein: Ein vier- bis achtstimmiger Chor verbindet sich mit einem fünfzehnköpfigen Bläserensemble zu einem Klangkörper von teilweise dramatischer Wucht. Dabei unterstreicht die Instrumentierung insbesondere den sinfonischen Charakter, der sich in Bruckners liturgischen Kompositionen mit religiösen Aussagen verbindet, geht aber mit eigenständigen Themen und Melodieführung weit über eine schlichte Begleitfunktion hinaus.

Unter Beaujeans souveräner Leitung fanden der Chor und das eigens formierte „Anton-Bruckner-Bläserensemble” aus Instrumentalisten des Sinfonieorchesters und der Musikhochschule Aachen dabei zu einem harmonischen Miteinander, in dem beide Seiten sich gegenseitig zu großer Klangfülle beflügelten.

Sichere Intonation

Mit sicherer Intonation bewährten sich die Sänger in den teils komplexen polyphonen Sätzen, wobei sie Bruckners plastische Tonsprache überzeugend umsetzten: Ob im klagenden „Crucifixus”, dem fanfarenartigen „Et resurrexit” oder dem majestätischen „Sanctus” - stets führte Beaujean seinen Chor mit engagiertem Dirigat und exzellenter Unterstützung durch die Instrumentalisten zu großer Ausdruckskraft.

Diese stellte die Cappella Aquensis auch im rein vokalen Teil des Konzertprogramms mit Motetten von Bruckner und Julius van Nuffel unter Beweis. Bei Bedarf entfalteten die Sänger wie in Bruckners Gründonnerstagsgraduale „Christus factus est” mit kontrollierter Dynamik eine leuchtende Fülle, ohne dabei in einen zu dicken, schweren Klang abzugleiten.

Auch in den sich teils ekstatisch steigernden Klangwellen, teils innig-schlichten Melodieführungen der moderneren Tonsprache van Nuffels überzeugte die Flexibilität des Chores. Insgesamt ein thematisch wie musikalisch gelungenes Konzert, für das sich die Zuhörer in der gut gefüllten Kirche mit minutenlangem Applaus bedankten.

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