Aachen - „Hans von Aachen ist lebendiger denn je”

„Hans von Aachen ist lebendiger denn je”

Von: Eckhard Hoog
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Feierliche Begrüßung des letzten Besuchers der Hans-von-Aachen-Ausstellung im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum: Der Schweizer Hans-Christoph von Imhoff (2. von rechts) wurde begrüßt von Museumsdirektor Peter van den Brink (2. von links), Irit Tirtey vom Kulturbetrieb Aachen und von Hans-Josef Thouet, dem Vorsitzenden des Museumsvereins. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Unser Ziel war es, Hans von Aachen nach 400 Jahren wieder lebendig werden zu lassen, auszuprobieren, ob es gelingt, international Interesse für einen unbekannten Künstler zu wecken, ihn zu entstauben. Jetzt können wir sagen: Hans von Aachen ist lebendiger denn je.”

So formuliert Kurator Thomas Fusenig die Bilanz einer Ausstellung, die nicht nur in die Aachener Stadtgeschichte, sondern überhaupt in die Kunstgeschichte eingehen wird. Am Sonntagabend schlossen sich die Pforten der Schau im Suermondt-Ludwig-Museum.

Das Ergebnis in Zahlen: 25.000 Besucher ergötzten sich in den letzten dreizehneinhalb Wochen am Werk des Renaissancemalers und Diplomaten am Prager Hofe Rudolfs II. Eine Hälfte kam aus Aachen, die andere aus ganz Europa und den USA.

Am Sonntag wurde der letzte Besucher begrüßt und beglückwünscht mit einem Präsentkorb: der Schweizer Hans-Christoph von Imhoff, einer der führenden Restauratoren in Europa. Er hatte eigens einen Konservatoren-Kongress in Maastricht einige Stunden früher verlassen, um die letzte Chance zu nutzen, die Ausstellung in Aachen zu sehen.

„Viele Menschen haben begriffen, wie wertvoll es ist, ins Museum zu gehen”, freut sich Hans-Josef Thouet, der Vorsitzende des Museumsvereins über die riesige Resonanz. „Leute, die sonst nie hierherfinden, waren jetzt zum dritten Mal da.” Und Peter van den Brink, der Museumsdirektor, sieht sein Konzept angesicht des Erfolgs vollkommen aufgegangen: „Die großen Ausstellungen mit den bekannten Namen bringen nichts Neues. Zuletzt war es Rembrandt und seine Frauen, demnächst folgt bestimmt Rembrandt und seine Hunde.”

Da ist ein Hans von Aachen doch von einem ganz anderen Kaliber, mit dem Potenzial der großen Überraschung, wie die Feuilletonisten in Frankreich, Spanien, Italien, den Niederlanden und den USA rundum in ihren Berichten festgestellt haben - und eben auch die reichlich erschienen Museumsbesucher.

Das Allerneueste: Nach dem Bericht der Süddeutschen Zeitung und der Abbildung des Porträts der Erzherzogin Anna hat sich bei Thomas Fusenig ein Krefelder Bürger gemeldet, dem aufgefallen war, dass ein weibliches Porträt, das er 1968 in Budapest erworben hatte, exakt den gleichen Kragen und Schmuck aufweist wie das der Anna. Sollten Konservatoren die Echtheit bestätigen, wäre das das zweite bekannte Prinzessinen-Porträt von insgesamt fünf, die Hans von Aachen in den letzten beiden Monaten des Jahres 1603 in Graz, Mantua, Turin, Innsbruck und Modena im Auftrag Rudolfs IIl. angefertigt hatte.

Der Mann ließ sich seine Heiratskandidatinnen damals malen. Hans von Aachen - nicht dumm, wie sich jetzt herausstellte - hielt bei den Sitzungen vor Ort nur die Gesichter fest, und verpasste den blaublütigen Damen erst zu Hause den textilen Unterbau. Möglicherweise allen fünfen den gleichen. Genutzt hat die so gewährte Chancengleichheit den Kandidatinnen indessen nicht: Rudolf heiratete keine einzige von ihnen.

Auch wissenschaftlich war die Aachener Schau ein großer Gewinn: Zahlreiche Kunstwissenschaftler und Museumsleiter haben sich in den letzten Monaten bei Peter van den Brink gemeldet, eine Doktorarbeit wird über Hans von Aachen verfasst, in Heidelberg außerdem eine Magisterarbeit. Und im September finden einschlägige Experten in Prag zu einem Symposium zusammen.

Den schönen Nebeneffekt betrachtet Fusenig so: „Der Name Aachen wird kulturgeschichtlich nur noch mit den letzten Krönungen wahrgenommen, nun bekommt er auch für die Zeit um 1600 neues Licht. Dieser Anknüpfungspunkt schließt eine Lücke in der Stadtgeschichte.”

Alle zogen an einem Strang

Apropos Stadt: „Die stand kopf”, sagt Irit Tirtey vom Kulturbetrieb und nennt all jene aus der Verwaltung, die für das Projekt Hans von Aachen so erfolgreich an einem Strang gezogen haben: Vom Kulturservice über Marketing, Stadtmarketing bis zum Touristikbüro haben viele Abteilungen dafür gesorgt, dass der Name Hans von Aachen in aller Munde ist.

Nicht zuletzt die ausgezeichnete professionelle Arbeit von Presse-Mitarbeiter Peter Motz hat dafür gesorgt, dass die Ausstellung in allen wichtigen überregionalen Tages-, Wochenzeitungen und Magazinen in ganz Europa und den USA besprochen wurde. Eine Investition, die sich offensichtlich besonders ausgezahlt hat. Nach dem Bericht der „Süddeutschen” zum Beispiel strömten die bayerischen und Schweizer Kunstfreunde nach Aachen.

Nun wandert die Schau erst einmal nach Prag weiter (Burggalerie, 1. Juli bis 3. Oktober), später nach Wien (Kunsthistorisches Museum, 19. Oktober bis 9. Januar 2011). Dort, in der ersten Liga der Kunstwelt, rechnet man mit mindestens 100.000 Besuchern.
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