Gut verdaulich - und dann doch innovativ

Von: Axel Borrenkott
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Mit dabei in Masstricht: Jazzlegende Wayne Shorter. Foto: Harald Krömer

Maastricht. Musikfestivals sind toll, weil man so viel auf einmal hören kann. Musikfestivals sind hart, weil man so viel auf einmal hört. Nach Wayne Shorter noch Pee Wee Ellis, das geht nicht.

Nach Wayne Shorter geht eigentlich gar nichts mehr. Aber dazu später.

Das Jazzfestival Maastricht versuchte am Wichenende eine Renaissance im Kongresszentrum MECC. Vor zwölf Jahren war es nach drei Auflagen an Erfolglosigkeit eingegangen. Ob die Bilanz diesmal stimmt, wird die Abrechnung zeigen, die angegebenen Besucherzahlen schwanken, irgendwas unter 10.000 jedenfalls.

Das Programm war, im Großen und Ganzen, gefällige bis gehobene Unterhaltung, zu dem man auch einen Longdrink konsumieren konnte, ohne von innovativen Eruptionen auf den insgesamt acht Bühnen geschüttelt zu werden.

Regionale Gruppen hatten die Gelegenheit, in den etwas kleineren Räumen doch ein stattliches Publikum zu finden, während in den großen Sälen einige große Namen lockten.

Joe Jackson zum Beispiel, ein Superstar, gemessen jedenfalls an den Erwartungen von Veranstalter und einer beträchtlichen Zahl textfester Fans, ist Joe Jackson, der inzwischen im Trio mit seinen Urkumpanen Graham Maby (Bass) und Dave Houghton (Schlagzeug) zu knallig lautem Klavier die Superhits von damals rockt („Steppin out”, „Another Girl”) und die Lücken mit Songs aus dem Trioalbum „Rain” füllt.

Seine ungelenke Stimme und die Sperrigkeit seiner Songs kann man ja ertragen, weil der Mann so authentisch und britisch rüberkommt, doch das anrührendste Stück war noch eine Soloversion von John Lennons „Girl”.

Zuvor hatten sich das Publikum im Bourbon Street genanntem Saal vollständig von den Sitzen erhoben, um den mittlerweile 88j-ährigen Toots Thielemans zu ehren, der mit seiner Mundharmonika altersgemäß zum sanften Quartett-Swing zurückgekehrt ist.

Jede Menge gut verdaulich Funkiges gab´s noch, Pee Wee Ellis, Nils Landgren, Monty Alexander. Und es gab zum Glück noch einen, der gar nicht in diesen Rahmen passte, was heißt einer: Das Quartett um Wayne Shorter ist ein Gesamtkunstwerk von vier Persönlichkeiten, die zusammen heute das bilden, was das Miles Davis Quintett (mit Shorter) in den 60ern Jahren war: die kreativste, innovativste Form, in der Jazz als eigenständige Gattung seine Berechtigung hat - gerade weil er über dessen Strukturrepertoire hinausgeht und zu so etwas wie existenzieller Musik vorstößt.

Shorter selbst, unglaubliche 77 Jahre alt, spielt dabei noch weniger als Davis damals, und nur genau dann, wenn die Musik um ihn herum gerade auf die nächste Galaxis zutreibt. Da wurde Maastricht richtig nachhaltig.
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