Aachen - Grüne: „Kooperation statt Rückforderung”

Grüne: „Kooperation statt Rückforderung”

Von: Eckhard Hoog
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Verschollene Aachener Kunstschätze im Museum Simferopol: Als erste haben jetzt die Grünen in Aachen politisch Stellung genommen. Sie sehen in der Kooperation das entscheidende Modell für die Zukunft. Foto: Hoog

Aachen. Seit Kriegsende verschollene Aachener Kunstschätze in der Ukraine ausgestellt - die erste politische Stellungnahme wagt jetzt die Fraktion der Grünen im Aachener Stadtrat: „Kooperation statt Rückforderung” lautet das Credo.

„Ich meine, dass wir vorwärts schauen sollten”, sagt Hermann-Josef Pilgram, kulturpolitischer Sprecher der Grünen, und verweist darauf, dass das Museum in Simferopol die eigene Sammlung durch die Schuld der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs verloren hat.

Die Konsequenz lautet für ihn, in Zukunft eine solche Kooperation zwischen dem Suermondt-Ludwig-Museum und dem Kunstmuseum Simferopol anzustreben, wie dessen Museumsdirektorin sie vorgeschlagen hat (wir berichteten). „Beide Institute würden davon profitieren.” Zwar trage nicht Aachen die Verantwortung für die schlimmen Vorgänge in den 40er Jahren, aber es sei „akzeptabel, dass das Museum Simferopol die Bilder aus Aachen als âWiedergutmachungÔ dieser Verluste sieht”.

Verwaltung soll prüfen

Aachen soll, so die Vorstellung auch von Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne), auf seinen städtischen Besitz in diesem Fall verzichten. Ob allerdings damit tatsächlich ausgeschlossen ist, dass die Bilder aus Simferopol bei einem zeitweiligen Austausch sogleich beschlagnahmt werden können, sobald sie sich auf deutschem Boden befinden, das soll juristisch geprüft werden.

In einem Ratsantrag soll die Verwaltung mit dieser Aufgabe betraut werden. Grundsätzlich soll darüber hinaus untersucht werden, inwieweit es möglich ist, auf „Restitutionsansprüche” zu verzichten oder sie zumindest auszusetzen.

Einen Verzicht sehen die Grünen als wesentliche Voraussetzung für eine Zusammenarbeit der Museen an. Pilgram geht noch weiter und plädiert dafür, den „historischen Zufall” als Chance zu begreifen, eine Partnerschaft nicht nur zwischen den beiden Museen, sondern auch zwischen den Städten Aachen und Simferopol einzugehen.

Er wertet diesen Vorschlag zugleich als ein wichtiges Signal für die Museumsdirektorin Larina Vladimirovna Kudryashova. Und als ein wichtiges politisches Zeichen: „Aachen setzt darauf, heute und in Zukunft in Europa kulturell zusammenzuarbeiten und nicht darauf, das Rad der Geschichte zurückzudrehen.”

Für Pilgram liegen die Verhältnisse klar: „Die Sammlung war städtisches Eigentum, deshalb kann die BRD darauf keinen Anspruch erheben.”
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