Monschau - Große Künstler fühlen sich in Monschau wohl

Große Künstler fühlen sich in Monschau wohl

Von: Eckhard Hoog
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„I loved being on your walls“ (Ich liebte es, an Euren Wänden zu hängen): Diese Widmung schenkte der Fotograf und Regisseur Anton Corbijn Nina Mika-Helfmeier am Ende seiner Ausstellung 2011 im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion (KuK) in Monschau. Das Haus feiert jetzt sein zehnjähriges Bestehen mit der Ausstellung „Ausbruch aus der Provinz“ (bis 7. April). Foto: Eckhard Hoog

Monschau. „Ich liebte es, an Euren Wänden zu hängen!“ Schöner kann ein Künstler seine Liebeserklärung an ein Museum, eine Ausstellungshalle oder Galerie wohl kaum formulieren – immerhin war es kein Geringerer als der große Fotograf und Filmregisseur Anton Corbijn, der mit diesen Worten seine Zuneigung zu einer Kunst-Institution im verträumten Monschau ausdrückte.

Das Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau – kurz: KuK – ist eine Einrichtung, wie es sie kein zweites Mal in der ganzen Bundesrepublik gibt. Jetzt feiert das Haus zehn Jahre Bestehen, am Samstag wird um 16 Uhr die Jubiläumsausstellung eröffnet. Ihr Titel könnte genauso gut das Motto des KuK sein: „Ausbruch aus der Provinz“.

Zwölf Künstler markieren dabei zwölf unterschiedliche aktuelle Positionen in den acht Ausstellungsräumen. Dem bundesweiten Aufruf, sich an dieser Schau zu beteiligen, waren 111 Kreative gefolgt, 52 kamen in die engere Auswahl. Die beiden Kuratoren, Nina Mika-Helfmeier, die das KuK von Anfang an leitet, und Roland Nachtigäller, Direktor des Museums Marta in Herford, entschieden sich am Ende für zwölf überwiegend junge Künstler, die mit ihren Werken ein denkbar breites Spektrum abbilden.

Das reicht von fotografischen Licht-Bildern des NRW-Staatspreisträgers Florian Beckers (Jahrgang 1971), der Videoinstallation „Train B“ von Felix Burger (Jahrgang 1982) über Objekte aus Alufolie der Düsseldorfer Kunststudentin Christine Moldrickx (Jahrgang 1984) bis zu einer Installation aus 1000 Prinzenrollen von Thomas Rentmeister (Jahrgang 1964).

Der Titel der Ausstellung versteht sich dabei nicht als Versuch der beteiligten Künstler, eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Provinz“ zu suchen, sondern eher als eine Art von Aufforderung an das Publikum, für sich neue Betrachtungsweisen und Wahrnehmungen zu gewinnen. Mit den Worten der KuK-Direktorin, die ihr Haus rein auf ehrenamtlicher Basis führt: „Es ist der zum Reflektieren anregende Versuch, dem zu entfliehen, was in vielen Köpfen als Provinz verankert ist.

Damit ist nicht unbedingt Monschau oder die Region Aachen gemeint, sondern die geografische und mentale Ferne zu den Orten, wo sich das abspielt, was viele Menschen als ‚Hochkultur‘ huldigen.“ Dieser „Ausbruch aus der Provinz“ erfolgt mehrteilig als eine Präsentationsreihe, die als NRW-Landesprojekt gefördert wird.

83 Ausstellungen fanden in den zehn Jahren statt; ein „Gedächtnisraum“ erinnert zum Jubiläum daran. Die Höhepunkte waren sicher Anton Corbijn (2011), Jürgen Klauke (2012) und Jim Rakete (2012), der dem KuK mit 18.000 Besuchern einen Rekord bescherte. „70 Prozent des Publikums kommt aus Aachen, ganz stark ist auch die Grenzregion vertreten“, erzählt Nina Mika-Helfmeier und freut sich darüber, dass es sich dabei keineswegs um Monschauer „Laufkundschaft“ handelt, sondern um Kunstfreunde, die ganz gezielt das KuK ansteuern.

Dabei hat alles 1998 auf völlig unvorhergesehene Weise begonnen – mit einer „Studie über die Situation von Künstlerinnen in ländlichen Regionen“. Nina Mika-Helfmeier leitete zu dieser Zeit noch beim Kreis Aachen das Amt für Projektentwicklung – heute bei der Städteregion das Amt für Kultur und empirische Forschung. 2001 lag die Studie vor. „Dabei kam heraus, dass Künstlerinnen einen enormen Bedarf an Beratung haben, zum Beispiel wenn es um Urheberrechte geht oder den Sozialversicherungsschutz. Außerdem fehlt es an Atelierräumen und Ausstellungsmöglichkeiten.“

Aus der Studie erwuchs ein Konzept – und letztlich auch das KuK. Aus der Taufe gehoben wurde 2003 das bundesweit erste „Gründerzentrum für Künstlerinnen und Künstler“, das den Kreativen alles unter einem Dach bieten konnte: sechs Ateliers, Präsentationsräume und ein Beratungszentrum. Das alles in einem Haus in der Monschauer Altstadt, unmittelbar an der Rur gelegen, das früher ein Finanzamt und später Asylbewerber beherbergte, dann jahrelang leer stand und schließlich zum KuK umgebaut wurde.

Konzept umgestellt

„Im Umfeld von Aachen wurden den Künstlern auch Ateliers angeboten“, erinnert sich Nina Mika-Helfmeier. „Dabei beobachteten wir, dass sich der Bedarf über die Netzwerke der Künstler verlagert hatte. Sie bevorzugten eher die größeren Städte als Standorte für ihre Ateliers. Deshalb stellten wir das Konzept um.“ Der Bereich Atelier wurde eingeschränkt, Beratung und Ausstellungen bildeten fortan den Schwerpunkt. Rund 300 Künstler – mittlerweile auch aus dem Kölner und Düsseldorfer Raum – suchen pro Jahr das KuK auf, um hier über den Background zu mehr Professionalität aufgeklärt zu werden.

Das Konzept des Ausstellungsprogramms lebt davon, noch jungen, aufstrebenden Künstlern ebenso ein Forum zu bieten wie den bereits arrivierten. Selbst bei internationalen Größen ist das KuK zu einer beliebten Adresse geworden: Im September 2013 wird die Kalifornierin Dana Gluckstein hier ihre Fotos präsentieren, und in diesem April stellt sich die dritte Generation der Leipziger Schule vor.

Dabei erscheint die Konstruktion des KuK als geradezu abenteuerlich. Träger ist die KuK GmbH, wichtigster Gesellschafter die Städteregion Aachen. Doch lediglich 5000 Euro von der Städteregion und 4500 Euro von der Stadt Monschau bilden den festen jährlichen Etat. Das Gros der Mittel besorgt Nina Mika-Helfmeier über Finanzierungsanträge für Einzelprojekte – bei Privatfirmen, dem Land Nordrhein-Westfalen, dem Landschaftsverband Rheinland, Kunst- und Kulturstiftungen, der EU, bei Energieversorgern und, und, und. „Das ist schon ganz schön viel Arbeit“, gibt die KuK-Chefin zu, „aber es macht unheimlich viel Spaß“. In der Kunst, Finanzierungsmittel für Kunstprojekte aufzutreiben, dürfte Nina Mika-Helfmeier absolut unerreicht sein.

Künstler fühlen sich hier wohl

Die Künstler fühlen sich hier ausgesprochen wohl. „Es geht absolut entspannt zu“, meint Thomas Rentmeister, der gerade dabei ist, seine 1000 Prinzenrollen zu einer fast zwei Meter hohen Mauer aufzubauen. „Kein Stress, keine Konkurrenz – es ist toll in der Provinz.“ Und für die Hausherrin des KuK findet der in Berlin lebende Künstler Worte der höchsten Anerkennung: „Sie ist supernett. Das ist auch ein Grund, sich hier zu engagieren.“ In der Tat: Wer Nina Mika-Helfmeier einmal begegnet ist, der hat die Herzlichkeit in Person erlebt.

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