Grenzlandtheater: Humor und Ernst halten sich die Waage

Von: Eckhard Hoog
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Die richtige Strategie ist wichtig: Im Bühnenbild von „Biografie: Ein Spiel“ präsentieren Uwe Brandt (Mitte), Intendant des Aachener Grenzlandtheaters, Dramaturgin Anja Junski und Hermann Fuchs, kaufmännischer Geschäftsführer, den Spielplan 2013/14 – wiederum eine ausgewogene Mischung, die unterschiedlichstes Publikum erreichen dürfte.

Aachen. Glücklich, wen diese Sorgen plagen – da würde mancher Theater-Chef vor Neid erblassen: „Wir leiden unter dem Image, immer ausverkauft zu sein“, klagt allen Ernstes Uwe Brandt, der Intendant des Aachener Grenzlandtheaters gestern bei der Vorstellung des Spielplans 2013/14. Karten, sagt er, gibt es für die Vorstellungen in seinem Haus am Abend fast immer noch – es lohnt sich also anzufragen.

Allerdings ist das Angebot offenbar doch sehr begrenzt – das sagen zumindest die Zahlen: Das Grenzlandtheater ist zu 96,8 Prozent ausgelastet. Das Publikum verteilt sich dabei auf zwei Drittel Abonnenten und ein Drittel Einzelbesucher.

Auch in der kommenden Saison dürfte sich an dem großen Zuspruch kaum etwas ändern: Eine ausgewogene Mischung aus Komödie und Drama, Klassiker und Zeitgenössischem, Musical und aktuell brisanten Themen wird die gewohnt gute Resonanz wieder garantieren. „Wir sind guter Dinge“ sagt Uwe Brandt angesichts zahlreicher Stimmen aus dem Publikum, die sich über die Qualität der Schauspielerleistungen ebenso gefreut haben wie über den munteren Wechsel unterschiedlicher Regiehandschriften.

Zahlen des Erfolgs

Zunächst die Zahlen: 2012 sahen 85 137 Menschen insgesamt 381 Vorstellungen, davon 59 939 Besucher allein 284 Aufführungen in der Elisen-Galerie, was die besagte Auslastung von 96,8 Prozent ergibt. Oder anders gerechnet: Von 218 Plätzen sind pro Vorstellung durchschnittlich 211 immer besetzt. Das schlägt voll auf der Einnahmenseite durch: 1,555 Millionen Euro spielte das Grenzlandtheater 2012 ein. Das sind laut Hermann Fuchs, dem kaufmännischem Geschäftsführer, 62,3 Prozent der Gesamtausgaben. Besonders beachtlich: Mit seinen Schulaufführungen erreichte das Grenzlandtheater 7429 zusätzliche Zuschauer.

Das Musical – naturgemäß immer die aufwendigste Produktion auf dieser kleinen Bühne: Ab Dezember 2013 ist es das Stück „Into the woods“ von Stephen Sondheim. Eigentlich unspielbar für das Grenzlandtheater: Die Rechtevergabe ist mit der Auflage verbunden, mindestens ein 16-köpfiges Orchester einzusetzen. Entsprechend stolz ist Uwe Brandt, trotzdem „Into the woods“ spielen zu dürfen. Die gelungenen Grenzland-Musicals der letzten Jahre mit den Mini-Orchesterbesetzungen gaben bei der Vergabe den Ausschlag. Das Stück selbst versammelt all die bekannten Helden der Gebrüder-Brimm-Märchen und erzählt auf amüsante Weise, was sich nach dem Schlusssatz „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ im Märchenwald so alles noch getan hat.

Komödien: Die traditionell starke Seite des Grenzlandtheaters wird eröffnet mit „Harold und Maude“ – bekanntermaßen ein Vergnügen, das gespeist wird aus schwarzem Humor, wobei die Erkenntnis, dass jede Generation vor Lebenslust nur so sprühen kann, nicht zu kurz kommt. Satirisch-bissig geht es zu in „Der Vorname“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patallière. Der Plan, den noch ungeborenen Sohn ausgerechnet auf den Namen „Adolphe“ taufen zu wollen, bringt die Gemüter einer ganzen Familie samt Freunden in Wallung. Ein Bruder Leichtsinn kommt dann mit amourösen Eskapaden in Oscar Wildes „Bunbury“ zum Zuge.

Zum Auftakt Goethe

Schauspiel: Das etwas tiefergehende Genre bestreitet den Saisonauftakt: mit der Bühnenversion von Goethes „Wahlverwandtschaften“ – ein Klassiker-Angebot, das sich besonders auch an die Schulen richtet. Regie führt Jens Pesel, der ehemalige langjährige Intendant des Theaters Krefeld/Mönchengladbach. „Packend“, verspricht Uwe Brandt, wird es bei „Tief in einem dunklen Wald“ von Neil LaBute. Zwei Geschwister, ganz auf sich selbst zurückgeworfen, klären ihre schwierige Beziehung. Brisant: „Das Interview“ von Theodor Holman. Das Stück basiert auf dem Film von Theo van Gogh. Darin treffen ein Journalist und ein scheinbar unscheinbares Soap-Sternchen aufeinander – das Ganze entwickelt sich zu einem hochspannenden psychologischen Duell.

Die Familienproblematik, ungleich verteilte Sympathien und Zuneigungen bestimmen den Kern des Stücks „Absalom“ der jungen amerikanischen Schauspielerin und Autorin Zoe Kazan. Das Grenzlandtheater bringt es als deutschsprachige Erstaufführung heraus.

Greta: Das junge Grenzlandtheater präsentiert zwei Stücke. „Cyrano“ von Edmond Rostand, Jo Roets und Greet Vissers richtet sich an Zuschauer ab 14 Jahren. Cyrano de Bergerac, der Typ mit der übermäßig langen Nase, ist verliebt, mag seine Gefühle aber nicht offenbaren . . . Das Thema Vorurteile, die auf puren Äußerlichkeiten beruhen, ist sicher nicht nur für Heranwachsende interessant.

Für Menschen ab zehn Jahren ist das Stück „Hast du ein Bild von dir“ von Till und Niel Beckmann gedacht. Darin spielt der Umgang mit dem Internet und den damit verbundenen Gefahren die zen-trale Rolle: Lara lernt im Chatroom einen netten Jungen kennen . . .

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