Aachen - Grenzlandtheater: Da weiß der Zuschauer wieder, was er hat

Grenzlandtheater: Da weiß der Zuschauer wieder, was er hat

Von: Jenny Schmetz
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So leer ist ihr Zuschauerraum
So leer ist ihr Zuschauerraum sonst nie: Grenzlandtheater-Intendant Uwe Brandt (r.), Dramaturgin Anja Junski und der kaufmännische Geschäftsführer Hermann Fuchs. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Da weiß der Zuschauer, was er hat. Auch für seine vierte Saison am Aachener Grenzlandtheater hat Intendant Uwe Brandt wieder eine ausgewogene Stück-Mischung aus Klassikern, Komödien und Kammerspielen zusammengepuzzelt. Warum sollte er seine Strategie auch ändern? So erfolgreich war das Grenzlandtheater noch nie!

Hervorragende Zahlen:Das Wort „Rekord” rutscht dem kaufmännischen Geschäftsführer Hermann Fuchs bei der Spielplanvorstellung aber nur ganz beiläufig über die Lippen. Publikumsflops kennt man am Grenzlandtheater offenbar nicht. Daher präsentiert Fuchs die wieder einmal überragenden Zahlen wohl mit so viel Understatement. Aber man sollte noch einmal - ganz unabhängig von der künstlerischen Bewertung - betonen: Was das kleine Theater in der Elisen-Galerie mit rund 40 festen Mitarbeitern plus freien Kräften und Zuschüssen von 922.000 Euro leistet, ist der Wahnsinn!

Mit mehr als 94.000 Besuchern in 426 Vorstellungen im Aachener 218-Plätze-Haus und auf den Abstechern in der Region wurde 2011 ein neuer Zuschauerrekord erzielt. Die Auslastung in der Elisen-Galerie lag bei rund 98 Prozent. Zum Vergleich: Im Vorjahr kamen gut 92 000 Zuschauer in 420 Aufführungen.

Auch das Einspielergebnis ist spitze: Die Einnahmen decken fast 63 Prozent der Ausgaben. Bundesweit liegt diese Quote im Schnitt unter 20 Prozent, sagt Fuchs. Damit betrage der Zuschuss pro Karte nur 9,50 Euro.

Start: Der Rückblick auf die Erfolgzahlen bietet genauso wenig Überraschungen wie der Ausblick auf die Stücke der kommenden Saison. Los geht es Mitte August mit dem Krimi „Gaslicht”. Die geheimnisvolle Geschichte über eine Frau, die an ihrem Verstand zweifelt, kennen sicherlich viele durch den Film „Das Haus der Lady Alquist” (1944) mit Ingrid Bergman.

Komödien:Shakespeares „Sommernachtstraum” leitet einen Komödien-Reigen ein, der mit dem Ehestreit-Klassiker „Offene Zweierbeziehung” von Dario Fo und seiner Frau Franca Rame sowie Peter Shaffers „Komödie im Dunkeln” zu weiteren Lachern einlädt. Shaffers Stück ist mit vielen Stromausfällen eine besondere Herausforderung für Schauspieler: Wenn es auf der Bühne hell ist, müssen sie „dunkel” spielen - und umgekehrt. „Das wird wohl mit verbundenen Augen geprobt”, vermutet der Intendant.

Klassiker:Neben Shakespeare bietet sich Max Frischs „Biografie: Ein Spiel” als Schullektüre an: Ein Verhaltensforscher bekommt die Chance, sein Leben noch einmal zu beginnen - was wäre, wenn.

Kein Stück vom „echten” Ibsen führt diesmal in seelische Abgründe, aber die Enkelin des alten Henrik hat auch geschrieben: Und Irene Ibsen-Bille (1901-1985) enthüllt in ihrem Zweipersonenstück „Ohne Gesicht” ebenso gerne eine schlimme Lebenslüge.

Musical:Einen „Käfig voller Narren” öffnet die musikalische Produktion: „La Cage aux Folles” - auch ein Klassiker - offeriert Nachtclubatmosphäre, tolle Songs und eine gar nicht dumme Geschichte rund um ein alterndes Homosexuellen-Paar. Angesichts der Anmerkungen des Papstes zur Homo-Ehe oder „unsäglicher Schützenverein-Diskussionen” hält Brandt das Musical nach wie vor für aktuell. Übrigens ist es schon über 20 Jahre her, dass „La Cage aux Folles” im Aachener Stadttheater zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Neueres Stück: Frischere Dramatik bietet nur die 2009 im Grillo-Theater uraufgeführte „Nachtgeschichte” von einem alten Bekannten: Vielschreiber Lutz Hübner, von dem zuletzt „Frau Müller muss weg” im Grenzlandtheater zu sehen war, beschreibt ein Familientreffen. Fünf Frauen, ein Mann, viele Reibereien.
Regisseure: Brandt setzt wieder auf bewährte Namen. Nach „Die Drei von der Tankstelle” und „Der Mann von La Mancha” kümmern sich Ulrich Wiggers (Regie) und Stephan Ohm (musikalischer Leiter) auch um den Narren-Käfig. Wiggers inszeniert zudem den „Sommernachtstraum” - „mit Elfenromantik”, verspricht der Intendant. Dramaturgin Anja Junski dreht das „Gaslicht” an, und Frank Voß machts bei Shaffer zappenduster. Ob Uwe Brandt wieder selbst Regie führt, lässt er noch offen - wahrscheinlich aber im Kinder- und Jugendtheater.

Junges Theater:Erneut sind zwei Produktionen für Kinder und Jugendliche geplant, die in Schulen und anderen Spielstätten der Region gezeigt werden. Genaueres wird noch bekanntgegeben.

Karten: Das Haus leide unter seinem Image, meint Brandt. „Da kriegst du eh keine Karten”, heiße es oft. Aber: „Abend für Abend gibt es freie Plätze”, etwa wenn Abonnenten im Urlaub sind. „Maximal zwei Drittel aller Karten gehen an unsere Abonnenten, der Rest in den freien Verkauf”, betont Brandt. So mische sich das Publikum stärker. Auch der neue Online-Ticketservice mache sich bemerkbar: „Wir sind dabei, unser Publikum peu à peu zu verjüngen.”

Trotz aller Rekorde gibt der Intendant zu: „Auch wir kämpfen mit dem Geld.” Seit Jahren seien die Landesmittel nicht erhöht worden, aber Gehälter und Kosten gestiegen. Daher bleibt eines nicht beim Alten: Die Tickets werden im Schnitt 4,5 Prozent teurer. Die Premierender Spielzeit 2012/2013

„Gaslicht”, Krimi von Patrick Hamilton (Premiere: 13. August, Laufzeit in Aachen und der Region bis Ende September)

„Ein Sommernachtstraum”, Komödie von William Shakespeare (19. September bis Anfang November)

„Ohne Gesicht”, Schauspiel von Irene Ibsen-Bille (28. Oktober bis Mitte Dezember)

„La Cage aux Folles”, Musical von Jerry Herman und Harvey Fierstein (10. Dezember bis Anfang Februar)

„Offene Zweierbeziehung”, Komödie von Dario Fo und Franca Rame (28. Januar bis Mitte März)

„Komödie im Dunkeln”, Komödie von Peter Shaffer (12. März bis Ende April)

„Biografie: Ein Spiel”, Schauspiel von Max Frisch (20. April bis Anfang Juni)

„Nachtgeschichte”, Schauspiel von Lutz Hübner (28. Mai bis Anfang Juli)
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