Aachen - „Grenzkunstroute 011” öffnet: Zwei Kilometer Inspiration im Wald

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„Grenzkunstroute 011” öffnet: Zwei Kilometer Inspiration im Wald

Von: Tonia Haag und Eckhard Hoog
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Letzte Vorbereitungen für die
Letzte Vorbereitungen für die „Grenzkunstroute 011”: Der belgische Künstler Daniele Del Grande sägt an seinem Kunstwerk, das am Aachener Grenzübergang „Köpfchen” steht, und dort die knapp zwei Kilometer lange Route ab Sonntag einleitet. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Normalerweise ist die Eupener Straße 420 in Aachen ein Ort, an dem die Autos schnell vorbeifahren. Ab Sonntag, 19. Juni, soll sich das jedoch ändern. Dann verwandelt sich das ehemalige deutsche Zollhaus am deutsch-belgischen Grenzübergang „Köpfchen” in den Ausgangspunkt für eine ganz besondere Ausstellung: die „Grenzkunstroute 011”.

Fast 20 Wochen lang können Besucher dann durch den Wald entlang der Grenze streifen und dabei zahlreiche Kunstwerke entdecken.

Die Zeit drängt. Noch stehen nicht alle der 16 vorgesehenen Kunstobjekte an der knapp zwei Kilometer langen Strecke, doch Kurator Benjamin Fleig bleibt gelassen. „Es wird immer fünf vor zwölf, bis alles fertig ist”, sagt er und lacht. Der 38-Jährige spricht aus Erfahrung. Seit etwa zehn Jahren plant er Ausstellungen. Die Grenzkunstroute ist für ihn jedoch eine Premiere. Eine so große Landart-Ausstellung hat er noch nie konzipiert.

Fremdartige Duschkabine

Es ist bereits die dritte Grenzkunstroute, die der belgisch-deutsche Kunstverein Kukuk, der seit dem Jahr 2000 sein Domizil im alten „Köpfchen”-Zollhaus hat, veranstaltet. Beim zweiten Mal, 2008, ließen sich immerhin 19.000 Besucher auf dem künstlerischen Waldspaziergang inspirieren.

An einer Weggabelung stehen Andreas Hetfeld und Suus Baltussen. Die beiden Künstler aus Nijmegen machen sich an einem silbern glänzenden, sonderbar anmutenden Objekt zu schaffen: Auf der Außenverkleidung kleben Computertastaturen, auf dem Dach thront ein silbriger Fahrradreifen wie eine Antenne. Waschmaschinen-Bullaugen geben den Blick ins Innere frei und zeigen - eine Duschkabine. „Refreshment” heißt das Gebilde, das eine Zeitmaschine sein könnte: Wer sich hineinbegibt, kommt womöglich um Jahre verjüngt wieder heraus - zumindest, was sein ästhetisches Wahrnehmungsvermögen angeht. „Es soll überraschend sein”, sagt Suus Baltussen, die das Werk eigens für die Kunstroute geschaffen hat. „Viele Leute konsumieren heute nur noch, was sie sehen, ohne weiter nachzudenken. Das Kunstwerk soll dazu anregen, mit frischem Blick die Welt zu sehen.”

Auch Andreas Hetfeld hofft, mit seinem Kunstwerk - einem begehbaren überdimensionalen Nistkasten, der auf einem Baumstumpf steht - etwas zu erreichen. „Ich versuche, durch meine Kunst den Menschen die Natur wieder näherzubringen”, sagt der 46-Jährige. Denn während er in seiner Kindheit noch viel draußen gespielt habe, säßen heute viele nur noch vor dem Computer. Ein Stück weiter ist Helge Hommes damit beschäftigt, alte Türen, Bettgestelle, Polster, Stühle und Regale zusammenzuzimmern. „Das soll ein Sperrmüllbaum werden”, erläutert Fleig. „Es ist Kritik an der Wegwerfgesellschaft - wenn die Möbel nicht mehr gefallen, werden sie eben weggeschmissen, obwohl sie noch brauchbar sind.” Zehn Meter hoch soll das Mahnmal werden.

Konzerte, Lesungen, Theater

Doch für ihre Grenzkunstroute haben die Organisatoren nicht nur Kunstwerke zusammengestellt. Auch mit ihrem umfangreichen Rahmenprogramm wollen sie Besucher anlocken. „Wir haben Konzerte, Lesungen und Theaterstücke vorbereitet”, erklärt Helga Korthals, die Geschäftsführerin des Kunstvereins Kukuk. Gut 70 Programmpunkte umfasst das Angebot. Und waldpädagogische Führungen für alle Altersklassen entlang der Route mit den Experten Michael Zobel und Ute Reifferscheidt gehören auch dazu. Die umfangreiche Website gibt umfassend Auskunft.

Ab August beginnen am „Köpfchen” die mit 550 000 Euro von der Euregio geförderten Bauarbeiten zur ansprechenden Umgestaltung des ehemaligen Grenzübergangs - mit schmaleren Fahrspuren und ausgeweiteten Geh- und Radwegen. Damit bekommt auch die Kultur-Initiative Kukuk eine „Heimat”, die ihr zusteht.
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