Aachen - Grenzen lustvoll überschreiten

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Grenzen lustvoll überschreiten

Von: Andreas Gabbert
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Zwischen Computer, Synthesizer und Konzertflügel: Marijn Simons in seinem Arbeitszimmer in Aachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am liebsten arbeitet Marijn Simons in der Nacht. Wenn er abends nach Haus kommt, trinkt er Kaffee, liest oder hört Musik. Dann zieht er sich in sein Arbeitszimmer zurück und beginnt zu komponieren. „Dann fühle ich mich am kreativsten - keine störenden Emails, keine Anrufe, keine Termine.”

Knapp drei Monate hat er so an seinem neuen Kammermusikstück „Fnns Fantasy” für Bratsche und Ensemble gearbeitet. Am Sonntag feiert das Stück Uraufführung. Den Solopart wird Andrew Simpson übernehmen - das Stück ist ihm auf dem Leib geschrieben. Denn er und Simpson sind eng befreundet. Beide spielen im Sinfonieorchester Aachen - Simons ist zweiter Konzertmeister, Simpson spielt die Solo-Bratsche.

Ungewöhnlich ist „Fnns Fantasy” gleich in mehrerer Hinsicht. „Aufgrund der Größe des Ensemble muss das Stück dirigiert werden”, sagt Simons. Außerdem haben Instrumente wie Schlagzeug oder Synthesizer Platz in dem Kammermusikstück gefunden. Auch das ist für viele Liebhaber des Genres eher ungewöhnlich.

Nicht so für Simons. Ihm ist es wichtig, verschiedene Disziplinen zusammen zu bringen. Deshalb hat es ihn auch gereizt, ein Stück für Ballett zu komponieren: „Five”. „Musik und Tanz kommen zusammen, und auch hier stehen akustische und elektronische Musik miteinander in Verbindung”, sagt Simons. „Konzertmusik hat Spontaneität, sie verkörpert die Seele des Musizierens und des Musikers.” Das könne die elektronische Musik zwar nicht bieten, dafür eröffne sie aber neue Möglichkeiten. Die physikalischen Grenzen der Instrumente ließen sich auflösen.

Als Musiker und Komponist hat Simons die unterschiedlichen Seiten kennengelernt. Er weiß, wie es ist, als Musiker auf der Bühne zu stehen, welche Energie dabei frei werden kann, aber auch was von den Musikern verlangt wird. „Heute wird zuviel zwischen Musiker und Komponist unterschieden. Ich will beides möglichst nah zusammenbringen”, sagt der 27-Jährige. Das tut er auch mit seinem „Simons Ensemble”, mit dem er eigene Kompositionen und die anderer zeitgenössischer Komponisten spielt und das er je nach Erfordernis zusammenstellt.

Musiker des Aachener Sinfonieorchesters machen dort mit, bei den Konzerten wird oft auch die in Bukarest geborene Konzertpianistin Karina Sabac dabei sein, mit der er in Aachen zusammenlebt. Die hoch dekorierte Musikerin begleitet ihn bei vielen Auftritten. Überall in der Wohnung der beiden begegnet man Spuren ihrer Arbeit. Im Wohnzimmer nimmt ein Flügel den meisten Raum ein, schräg gegenüber steht ein Klavier, die Regale sind mit CDs gefüllt. Auch in Simons Arbeitszimmer sammeln sich die CDs in den Regalen. Auf dem Schreibtisch liegen die Partituren neben dem Computer ordentlich gestapelt und ein Synthesizer steht bereit.

Schon als Vierjähriger erhielt der in Geleen geborene Simons seinen ersten Violinunterricht. Im Alter von zehn Jahren gab er sein Debüt mit dem Violinkonzert von Mendelssohn. Es folgten zahlreiche Auftritte mit großen niederländischen Orchestern. Simons nahm Kompositionsunterricht und studierte Orchesterleitung. Seitdem hat der junge Niederländer eine Vielzahl von Werken komponiert. Der Kontakt zum Aachener Sinfonieorchester fand einen ersten Höhepunkt mit der Uraufführung seines Stückes „A Ti Te Toca” op. 23 im Dezember 2004 unter der Leitung von GMD Marcus R. Bosch zustande. Nach Simons Engagement als Konzertmeister im Januar 2008 festigten sich die Bande.

Und so hat Simons „Fnn´s Fantasy” nicht nur für seinen Freund Simpson, sondern auch speziell für die Aachener Kammermusikreihe komponiert. „Es ist rührend, wieviel Engagement die Kollegen aus Idealismus investieren, um gute Konzerte zu geben. Es ist toll, diese Musizierfreude zu hören”, sagt der junge Komponist.

Simons gefällt die Kombination und der Klang der Wörter des Titels „Fnn´s Fantasy”. Fnn ist der Hund von Andrew Simpson. „Fantasy passt gut, weil es ein Fantasiestück ist, ein kurzes Werk von zehn Minuten mit vielen Ideen, impulsiv komponiert. Skizzenartig wie ein Maler, der sofort den ersten Impuls zu Papier bringt.” Nachts, wenn die Kreativität am größten ist.

Debüts und Uraufführungen in Aachen, Maastricht und Amsterdam

Wer in Fnn´s Fantasiewelt eintauchen möchte, hat dazu am Sonntag, 7. März, um 11 Uhr Gelegenheit , wenn das Stück im Spiegelfoyer des Theaters Aachen uraufgeführt wird. Zu hören sind außerdem Schuberts „Forellenquintett” und Beethovens Große Fuge in B-Dur. Das Konzert wird am Montag, 8. März, um 20 Uhr wiederholt.

Für Marijn Simons wird das in nächster Zeit nicht die einzige Premiere sein. Am Samstag, 13. März, 21 Uhr, feiert „Simons Ensemble” das Debüt im Rahmenprogramm zur Kunstmesse „Tefaf” im Theater am Vrijthof in Maastricht. Auf dem Programm stehen drei Stücke von Simons selbst: „Bas Continues”, „The Legend of Kwahkaazu” und die Ballettmusik „Five”. Bei dieser Gelegenheit wird eine CD aufgenommen, die im Mai erscheinen soll.

Die nächste Uraufführung feiert Simons dann am 16. Mai im Amsterdamer Bethanienkloster. Sein Ensemble führt unter anderem seine Komposition „Six miniatures” auf. Mit dabei: Karina Sabac.
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