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Generalmusikdirektor setzt bei der dritten Chorbiennale neue Akzente

Von: Jenny Schmetz
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„Willkommen! Welcome!“: Die dritte Aachener Chorbiennale erklingt unter dem Motto „Kontraste“. Die Chorleiter Hans Leenders (v. l.), Fritz ter Wey und Harald Nickoll zeigen mit Generalmusikdirektor Kazem Abdullah ein Plakat mit der Sopranistin Carolina Ribbing. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Aachen singt – aus Tausenden Kehlen! Gut 85 Chöre werden die Stadt bei der dritten Internationalen Chorbiennale wieder in einen Klangrausch versetzen. Und erneut werden witzige Werbemotive auf Flyern und Plakaten Lust auf das Festival machen.

Aachener Chorsänger – alte und junge, weiße und schwarze, weibliche und männliche – zeigen da jeweils zwei Gesichter, zum einen „neutral“ mit geschlossenen Lippen und zum anderen auf einer Maske, ganz expressiv in Sängerpose mit gespitzten oder aufgerissenen Mündern. Alles passend zum sehr dehnbaren Motto „Kontraste“.

Willkommen und Abschied: Seine Chorbiennale-Premiere feiert Aachens Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, während Wolfgang Rombey sie als Kulturdezernent vor seinem Ruhestand zum letzten Mal erleben wird. Als „Großvater“ des Festivals beobachtet er mit Stolz, wie sein „Kind“ wächst und gedeiht. Er verspricht ein „Wahnsinnsprogramm mit vielen Neuerungen“: Vom 12. bis 23. Juni wird das Fest mit rund 3000 Sängern und 24 Veranstaltungen noch ein Nümmerchen größer als 2009 und 2011. Nach rund 28.000 Besuchern vor zwei Jahren peilt Rombey diesmal bis zu 35.000 an – denen er zudem einen Hormonschub ankündigt. Denn: „Singen macht glücklich!“ Das sei wissenschaftlich erwiesen. „Insofern machen wir die Aachener glücklich, denn sie können auch mitsingen.“ Sogar unter Anleitung Abdullahs, der sich im Einklang schon mal glückstrahlend mitfreut: „Großartig!“

Nah und fern: Die Vielfalt der hiesigen Szene trifft wieder auf internationale Spitzenensembles. So werden etwa die besten Chöre der Städteregion am 14. Juni ihr Können beweisen. Fremde Klänge bringen die vier Gastchöre mit: Mit südamerikanischer Wärme wollen die argentinische Grupo de Canto Coral aus Buenos Aires und der brasilianische Coro da Camerata Antiqua de Curitiba das hoffentlich sommerliche Aachen noch aufheizen. Weitere Kontraste bieten der Hamralith-Collegechor aus Reykjavik und das Frauen-Ensemble Sirenot aus Tel Aviv.

Bewährtes und Innovatives: Die vier Aachener Meisterchöre, die das Festival mit ins Leben gerufen haben, sind natürlich auch mit dabei. Gemeinsam treten Carmina Mundi, der Aachener Kammerchor, der Junge Chor Aachen und der Madrigalchor Aachen mit den vier Gastchören beim Konzert mit dem Sinfonieorchester und Abdullah am Pult am 16. Juni auf: Da reichen die Extreme vom friedlichen Damenchor in Debussys „Nocturnes“ bis zu den aggressiven Schlussakkorden des Männerchors in Schönbergs Ghetto-Melodram „Ein Überlebender aus Warschau“, mit dem Aachens Musikchef seine Liebe zur Zwölftontechnik ausleben kann. Dazu erklingt im Wagner-Jahr das Festwiesen-Finale der „Meistersinger von Nürnberg“. „Gesang und Gemeinschaft sind zwei große Themen in dieser Oper“, sagt Abdullah. „Das passt perfekt zu dem, was die Chorbiennale präsentiert.“ Noch mehr Gemeinschaft ermöglicht das neue Format „Sing along“. Auf dem Katschhof darf am 15. Juni jeder mitsingen, der möchte. Abdullah dirigiert das Publikum und das Aachener Studentenorchester, ertönen sollen bekannte Melodien wie der Triumphmarsch aus „Aida“ oder der Gefangenenchor aus „Nabucco“ – passend zum Verdi-Jahr.

Jung und Alt: Nicht nur erfahrene Amateure und Profis sind im Einsatz, sondern auch der Nachwuchs. „Erstmals werden mehr als 1000 Kinder von neun Aachener Grundschulen auf dem Katschhof auftreten“, sagt Harald Nickoll, Leiter des Chors Carmina Mundi (siehe Interview) und der Aachener Musikschule. Sie nehmen teil am Projekt „Jekiss – Jedem Kind seine Stimme“ und werden am 15. Juni Volkslieder in verschiedenen Sprachen singen.

Drinnen und draußen: Der Katschhof wird erstmals zur Biennale-Bühne, der Hof bleibt Open-Air-Spielstätte. In der ganzen City sind Konzertorte zu finden: vom Euro-gress bis zum Ludwig Forum, von Kirchen bis zum Krönungssaal. Und auch in die Monschauer Aukirche gibt es einen Abstecher.

Früh und spät: Ob öffentliche Probe oder Lunchkonzert, Late-Night-Aufführung oder mitternächtliches „Farewell“ mit allen Chören zum Abschluss – die zwölf Festivaltage klingen voll und ganz. Alte und Neue Musik: Jedes musikalische Programm birgt seine eigenen Kontraste. Zum Auftakt wird beispielsweise eine Auftragskomposition von Hans Leenders uraufgeführt. Der Leiter des Madrigalchors und Kantor der Maas-trichter Liebfrauenbasilika hat aber auch Motetten des Maastrichter Barock-Komponisten Marcus Teller ausgegraben, die erstmals in Deutschland zu hören sind.

Kunst und Kohle: Einen guten Klang hat die Chorbiennale mittlerweile in aller Welt. „Auf anderen Festivals werde ich immer wieder auf die Chorbiennale angesprochen“, sagt Fritz ter Wey, der den Jungen Chor Aachen leitet. „Viele Chöre wollen mitmachen.“

Wenn auch mehr Sponsoren mitmachen würden, wären die Macher noch zufriedener. „Wir haben die Finanzierung Gott sei Dank gesichert“, sagt der Kulturdezernent. Trotz des größeren Angebots verharre das Gesamtbudget aber bei nur rund 150.000 Euro, davon übernehme die Stadt 50.000 Euro, die Städteregion 25.000 Euro. Aber Rombey ist „zuversichtlich, dass es mit einer schwarzen Null ausgeht“. Die Glückshormone scheinen schon zu wirken.

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