„Geheime Offenbarung“ zur Eröffnung der 41. Aachener Bachtage

Von: Thomas Beaujean
Letzte Aktualisierung:
8836974.jpg
Perfekt musiziert: Eröffnungskonzert der 41. Aachener Bachtage mit (von links) Gottfried von der Goltz, Eva Hage, Joachim Streckfuß, Georg Hage und Claudia Ehmann. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es war eine Art „geheimer Offenbarung“, was da im ersten Konzert der 41. Aachener Bachtage von Annakantor Georg Hage konzipiert und umgesetzt wurde. Johann Sebastian Bachs Partita d-Moll für Violine solo mit der berühmten Chaconne am Ende wurde konfrontiert mit Bachschen Chorälen, die sämtlich dem Themenkreis Tod und Auferstehung zugeordnet werden können.

Dass dies keine willkürliche Zusammenstellung war, das wurde am Samstag erst am Schluss des Konzertes in der Annakirche offenbar: Bach hat diese Partita als künstlerische Verarbeitung des Todes seiner ersten Frau Maria Barbara geschrieben und in die Chaconne Choralzitate hineingearbeitet, die dem Ohr des Hörers normalerweise verborgen bleiben, die an diesem Abend jedoch mit Hilfe eines Soloquartettes entschlüsselt wurden. Ein hochinteressantes Experiment, dem gleichwohl ein Moment des Spekulativen innewohnt.

Erstklassige Mitstreiter

Hage hatte sich für dieses Konzert erstklassiger Mitstreiter versichert: Gottfried von der Goltz, einer der führenden Barockgeiger Deutschlands, ließ bei der Interpretation der Partita ebenso wenig Wünsche offen wie das hochkarätig mit Claudia Ehmann (Sopran), Eva Hage (Alt), Joachim Streckfuß (Tenor) und Georg Hage (Bass) besetzte Soloquartett bei der Wiedergabe der Choräle. Von der Goltz musizierte die Partita schon in den Tanzsätzen, erst recht in der Chaconne, mit einer Natürlichkeit, die jene verkrampft-zirzensisch klingende Bemühtheit vergessen ließ, die Interpretationen der Solowerke Bachs mit modernem Instrumentarium oft anhaftet.

Die latente Mehrstimmigkeit und Polyphonie dieser Musik, die dem Instrumentalisten mit ihren Doppel- und Tripelgriffen ein Höchstmaß an Intonationssicherheit abverlangt, geriet spieltechnisch wie klanglich völlig souverän, die Phrasierung wirkte durch kleine Tempoverzögerungen nachvollziehbar, das Tonliche, keineswegs komplett vibratolos, war von hoher Qualität. Bei all dem dürfte der barocke Spezialbogen gegenüber dem modernen Violinbogen sehr hilfreich sein. Das Vokalquartett sang die vielen Choräle mit großer Homogenität des Klangs und der Phrasierung und mit sprechender Artikulation und Textverständlichkeit.

Höhepunkt des Konzertes war die abschließende Wiedergabe der Chaconne mit dem Einbau der Choralzitate, so perfekt musiziert wie für den Hörer verblüffend. Das Motto des Konzertes „Morimur: Geheime Sprache – geheimer Gesang“ fand hier eine adäquate Realisierung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert