Gefangen in einem Netz aus Macht und Angst

Von: Sabine Rother
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Aachen. Zitternde Anspannung prägt dieses Stück und hält alle Akteure in einem unsichtbaren Netz gefangen. Es gibt nur Verlierer - besonders bei denen, die sich mit Gewalt behaupten: „Maria Stuart”, Friedrich Schillers Trauerspiel, vermittelt seit seiner Uraufführung 1800 die unüberbrückbare Kluft zwischen Macht und Moral, aber auch das Phänomen von innerer und äußerer Freiheit.

Frank Voß hat das Werk für das Grenzlandtheater Aachen erfrischend pur und gegenwärtig inszeniert. Im faszinierend wandelbaren Bühnenraum (Ausstattung Manfred Schneider) aus hohen verschiebbaren Kastenelementen werden die Akteure zu Gefangenen ihrer Intrigen und Leidenschaften. Ein Labyrinth auf engstem Raum, das ab und zu glatte Fassaden zu bieten scheint, aber immer wieder neu auseinander driftet.

Geschickte Lichtregie vermittelt Emotionen und sorgt für ästhetische Überraschungen. Starke Klangräume (Musik Cornelius Borgolte) schaffen Atmosphäre. Im Zentrum gibt es eine Art Guckkasten, der wie ein Schaufenster in die Tiefe lenkt und im Hintergrund ein Auge zeigt - Symbol für lauernde Angst und allgegenwärtige Überwachung. Zwei Frauengestalten, zwei große Rollen: Marie-Louise Gutteck ist eine sprühende, bewegliche und leidenschaftliche Maria Stuart. Königlich stolz, blutvoll in ihrer Verächtlichkeit, aber auch in ihrem pulsierenden Begehren, durchläuft sie die Entwicklung hin zum geläuterten Charakter und damit zur inneren Freiheit. Die blonde Elisabeth fühlt sich gerade durch die funkelnde Lebendigkeit der dunkellockigen Schwester bedrängt und verhöhnt. Nicht nur die Angst vor der Thronrivalin treibt sie zur Verzweiflung. Alexandra Sydow gelingt es brillant, das Gefühlschaos einer Frau zu vermitteln, deren Sehnsüchte von der Staatsraison geschluckt wurden.

Wie Krähen in schwarz-grauen Anzügen umschwirrt ein Schwarm von Männern Regentin und Gefangene. Spitzenkragen und Manschetten sitzen wie Zitate höfischer Historie. Außer dem getreuen Paulet (warm und aufrecht von Peter Anders verkörpert), der Marias Haft bewacht, sind sie allesamt gierige Intriganten. Virtuos und konsequent lenkt Frank Voß seine Darsteller in diesem Reigen der subtilen, nur mühsam zu zügelnder Brutalität. Udo Thies (Leicester), Axel Gottschick (Shrewsburry)), Steffen Laube (Burleigh), Oliver Matthiae (Mortimer) und Wolf-Guido Grasenick (Davison) sorgen für schillernde Facetten offener und verborgener Machtgier.

Zum Schluss bleibt eine zitternde Elisabeth trostlos und einsam zurück. Regie und Ensemble gelingt es, Schillers Klassiker mit seinen zeitlosen Gedanken beunruhigend gegenwärtiges Leben einzuhauchen. Kräftiger Applaus nach einem langen Abend, der erstaunlich schnell vergeht.

Termine und Infos

„Maria Stuart” ist bis zum 9. April im Grenzlandtheater Aachen in der Elisen-Galerie zu sehen. Danach bis zum 20. April in der Region. Karten unter 0241/4746111.
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