Würselen - Für Bela B ist guter Rock´n´Roll Chefsache

Für Bela B ist guter Rock´n´Roll Chefsache

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
belabild
Wild, roh, rotzig - und immer selbstironisch: Bela B liebt die großen Posen, auch beim Festival auf Merzbrück. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Die ersten Reihen auf Merzbrück machen mächtig Alarm. Teenie-Mädels mit pinkfarbenem Irokesenschnitt kreischen, reißen bemalte Arme nach oben. Schon seit Stunden stehen sie am Absperrgitter und warten. Nicht etwa auf eine süße Boyband, sondern auf einen reifen Herren, unter dessen dick aufgetragener Pomade das ein oder andere graue Haar ins Auge sticht.

Doch der Mann, der da auf die Bühne kommt, geht allein dank seines Einsatzes bei der Band Die Ärzte als dauerjugendlicher Spaßvogel durch. Auf Bela B können sich die Generationen einigen. Auch Mama und Papa weiter hinten.

Für die Jugend den Punk, für die Älteren einen Schuss Rockabilly, Country und mitunter eine Surfgitarre: Was Bela B auf bereits zwei Soloalben angerührt hat, hat den Geist des Rock´n´Roll ganz tief verinnerlicht. Das Wilde, Rohe, Rotzige. Allerdings präsentiert in betont schniekem Outfit, denn Herr B legt heuer großen Wert auf gepflegte Garderobe. Weißer Anzug, schwarze Weste und rotes Hemd zum weißen Schlips - so rauscht er auf die Bühne beim Auftritt im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion. Beim ersten Konzert auf dem Flugplatz Merzbrück überhaupt. Da darf nicht gekleckert werden. Da wird geklotzt.

Auf der Gürtelschnalle prangen bekannte Initialen: „bb”. Überhaupt scheut der Berliner die großen Gesten nicht und lässt dabei die Grenze zur Selbstironie weit offen. „Ich bin hier der Boss, der Humanboss”, verkündet er mit emporgereckter Faust und zeigt anschließend satte zwei Stunden lang eindrucksvoll, warum er hier der Chef ist. Klar, dass dabei auch seine fünfköpfige Band „Los Helmstedt” spurt und einen Sound abliefert, der richtig druckvoll über das Gelände fegt.

So gut wie jedes Stück der Alben „Bingo” und „Code B” wird serviert und nach bester Ärzte-Tradition hier und da gern mal textlich abgewandelt, was das Publikum keineswegs vom Mitsingen abhält. Von seiner Hauptband hat Bela B auch die Tradition der gelegentlich ausufernden Bühnenblödelei übernommen. „Ich hab´ hier schließlich ´nen Bildungsauftrag. Mein Freund Farin hätte das jetzt auch so gemacht.” So gibt es viele Kurzgeschichten, Kalauer und einige Mätzchen, wie das Verspeisen eines Apfels während des Singens beim Stück „Traumfrau”.

Ärzte-Songs spielt Bela B allerdings nicht, auch wenn etliche im Publikum deren Fan-Shirts tragen. Muss er auch nicht, sein eigenes Material ist ebenso gut und facettenreich. Ob Uptempo-Knaller wie „Gitarre runter”, Bedächtigeres wie „Irgendetwas bleibt” oder lustig Daherswingendes wie „1.2.3.” - da ist schon eine beachtliche Zahl Hits zusammengekommen.

Dass auf Merzbrück „nur” 7000 Fans vor ihm stehen, genießt Bela B. Da kennt er ganz andere Dimensionen. Hier nutzt er die Nähe zum Publikum und schüttelt einige Hände in der vordersten Reihe. So meistert er den Spagat zwischen etabliertem Rockstar und Kumpeltyp. Und so liebt ihn das Publikum, das sich gern von zwei langen Zugaben verwöhnen lässt. Und ganz zum Schluss, zum einzigen Mal an diesem Abend, spielt er einen Song, den er nicht selbst geschrieben hat. Die Cheap-Trick-Hymne „I Want You To Want Me”. Dabei dreht die Band noch einmal richtig auf, steigert sich in ein dreckig-furioses Finale. So muss Rock klingen. Ist bei Bela ja schließlich Chefsache.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert