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Frischer Wirbelwind im Hoesch-Museum

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Bis zur Neueröffnung des Dürener Leopold-Hosch-Museums gibt es noch viel zu tun: Renate Goldmann, Nachfolgerin von Dorothea Eimert, empfindet die Rückführung der Kunst aus sieben verschiedenen Depots in das noch leere Haus als besondere Herausforderung. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Noch sind die Hallen und Kabinette im Dürener Leopold-Hoesch-Museum pure Architektur, überall herrscht gähnende Leere. Irgendwo im Haus wird gebohrt und gehämmert. Aber es sieht schon recht adrett und fast gar nicht mehr wie auf einer Baustelle aus in dem sanierten und erweiterten historischen Bau.

Allerdings fegt hier seit fünf Wochen ein Wirbelwind durchs Gemäuer - in Gestalt einer zierlichen Blondine, die man als „Museumsdirektorin” eigentlich nicht bezeichnen möchte: Renate Goldmann, von Hause aus Kunsthistorikerin.

Museumsdirektor(in)? War das nicht mal jener vertrocknete Typ von Wissenschaftler, blass vom Herumstöbern in staubigen Sammlungs-Verliesen, der allenfalls erschreckte, wenn sich einmal ein Besucher in sein Musenheiligtum verirrt hatte? - Schnee von gestern.

Allein die Biografie der 42-jährigen Kölnerin spricht Bände: Wer sich in Wirtschaft, Wissenschaft und Kunstbetrieb derart intensiv und gleichzeitig tummelt, muss allein vom Typ her ein Ausbund an Aufgeschlossenheit sein.

Selbstverständnis: „Allrounder”

Lebhaft erklärt sie ihr Selbstverständnis: „Allrounder”, das sei der treffende Begriff. Ob Administration, Finanzverwaltung, inhaltliche Programmatik, wissenschaftliche Arbeit, Organisation von Wechselausstellungen, Öffentlichkeitsarbeit, Umgang mit Politikern, Sponsoren, Kontakt zu Stadt und Kreis und und und - all das verlangt ein modernes Kulturmanagement, das dem Bild des alten Museumsdirektors schon lange nicht mehr entspricht.

Zumal in einem mittleren Haus wie dem Hoesch-Museum, das eben nicht über Abteilungen für verschiedene Bereiche verfügt. „Persönlich muss man da eher ein Machertyp sein”, sagt sie. „Offenheit” nach allen Seiten ist hier angesagt. „Aber das fällt bei Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts eigentlich ohnehin leicht. Das Thema ist immer spannend und provokativ, politisch und stets brisant. Das ist doch etwas anderes, als die Engel von Rubens zu erforschen, oder Themen aus der Antike.”

In der Kölner Kunstszene war Renate Goldmann verwurzelt, lange bevor Berlin der Metropole am Rhein den Rang abgelaufen hat. Das kann heute nur nützlich sein - zum Beispiel beste Verbindungen zu einem Museumsmann wie Kasper König oder einer einflussreichen Größe wie dem Aachener Sammler und Ausstellungsmacher Wilhelm Schürmann zu pflegen. Neudeutsch heißt das, „vernetzt” zu sein.

Regelmäßig macht sie noch Ausstellungen in der Kunststation St. Peter in Köln. Und was ist so faszinierend an zeitgenössischer Kunst? Renate Goldmann: „Das kritische Potenzial, die autonome Anarchie, der Mut und die Willensstärke eines Künstlers, etwas für sich zu entdecken.”

Gerade fünf Wochen im Amt, freut sich die Museums-Chefin über die Neugierde, mit der die Dürener dem Haus begegnen. „Ich habe viele Anrufe bekommen, man wartet hier ganz gespannt darauf, was hier passieren wird.” Ihr Ziel: „Wir wollen das Haus nach vorne bringen auf internationalem Niveau. Und ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens der Stadt werden.”

Dabei gehört es zum Konzept, in der „Schulstadt” Düren, in der alle Schulformen vorhanden sind, mit einem gezielten museumspädagogischen Programm die Schüler ins Museum zu bringen. Und das Haus generell in die Stadt hinein zu öffnen mit Auftritten bei Märkten und Festen. Der Museumspädagogik im Hoesch-Museum einen festen Platz zu geben, dafür ist die dynamische Neu-Dürenerin bereit zu kämpfen, wie sie energisch sagt.

Die Position des Hauses sieht sie vergleichbar mit denen in Mönchengladbach, Krefeld und Leverkusen und als große Chance einer Unverwechselbarkeit im Dreieck Belgien, Niederlande, Deutschland. Die Klassische Moderne, die Expressionisten, die Konkrete Kunst, vor allem auch die Peill-Stiftung, die mit ihren Stipendiaten immer wieder frischen Wind ins Museum bringt, all das sieht Renate Goldmann als attraktive Basis für eine spannungsreiches Angebot an. Und das war für sie, neben der schönen neuen Architektur von Peter Kulka, der Reiz, die Aufgabe in Düren zu übernehmen.

Mit Wechselausstellungen soll der Blick auf andere Sammler gerichtet und Bezüge zur Kunst aus der Region geknüpft werden.

Die offizielle Eröffnung, der Neustart, ist jetzt für Juni geplant, bis dahin gilt es noch, die größte Herausforderung zu meistern: die Rückführung der Kunst aus sieben verschiedenen Depots. Damit verbunden: die umfangreiche Arbeit der Sammlungs-Inventarisierung und digitale Erfassung aller Daten.

Der größte Wunsch: die wichtigste Kulturadresse für die Eifel zu werden. „Schließlich sind wir das einzige Kunstmuseum in der Eifel.” Es gibt noch etwas zu erobern.
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