Fotoschau „Carte Blanche VI“: Bilder, die unter die Haut gehen

Von: Eckhard Hoog
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Überwiegend Aachener, aber auch Bonner, Kölner und Düsseldorfer Künstler sind an der von Karl von Monschau kuratierten Ausstellung in St. Fronleichnam beteiligt: „Carte Blanche – Schutzraum“. Foto: o.H.

Aachen. Ein Kind spielt unter einer Brücke, eine Familie hat sich eine Behausung gebaut aus Holzresten und allerlei Weggeworfenem – auf einer Müllkippe. Irgendwo in dem ganzen Dreck liegt eine Puppe. Das sind Bilder, die unter die Haut gehen – Aufnahmen des Aachener Fotografen Klaus Herzog.

30 Jahre lang war er im sozialen Bereich der Fotografie für Missio unterwegs und hat dabei 60 Länder bereist. Diese Aufnahmen sind in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, entstanden. Sie sind Teil der sehenswerten Ausstellung zum Thema „Schutzraum“, die am morgigen Sonntag um 11.30 Uhr in einem architektonischen Juwel Aachens eröffnet wird: in St. Fronleichnam in der Düppelstraße. Zur Einführung spricht Wolfgang Becker, der ehemalige Direktor des Ludwig Forums.

28 Künstler, überwiegend aus Aachen, aber auch aus Bonn, Köln und Düsseldorf, hat Karl von Monschau bei seiner Ausstellung „Carte Blanche VI“ zusammengetrommelt. Während bei den vorhergehenden Präsentationen jeweils ein Künstler einen Kompagnon einladen durfte, hat der Kurator dieses Mal die Spielregeln geändert und alle Beteiligten selbst ausgesucht. Inspiriert wurde er zu dem Thema Schutzraum von einem entsprechenden Schild „Schutzraum“ aus der ehemaligen Grube Anna in Alsdorf, dem er bei einem Freund begegnete. Ungeahnte Aktualität hat die bereits vor einem halben Jahr geplante Ausstellung durch die zunehmend vielen Krisen auf der Welt bekommen.

Den wohl direktesten Bezug zum Thema liefern die beiden Aachener Fotografen Algirdas Milleris und Andreas Herrmann. Beide steuern Aufnahmen von Bunkern bei – der eine von der nordfranzösischen Küste, der andere ein Exemplar aus Aachen. Diffus verschwimmt der Schutzbau im Nebel und stillen Licht eines trüben Tages – undefinierbar präsentiert sich das Objekt im Bild von Milleris.

Andreas Herrmann geht die Sache ganz anders an – er hat das Auge, um überraschend ironische Noten im Alltagsbild zu entdecken. Auf der Bunkerwand ist ein Plakat der Zigarettenwerbung angebracht mit der Überschrift: „Mit Sorgfalt gemacht“. Angesichts der meterdicken Betonwände bekommt der Spruch hier eine ganz andere, wenngleich überaus treffende Bedeutung.

Persönliche Heiligtümer

„Schutzraum“ – das Wort kann eine vielfache Bedeutung annehmen. Renate Müller-Drehsen verbirgt gesammelte Heiligenbilder in einem schwarzen Kästchen wie in einem Reliquiar und meint die spirituellen Dinge und Phänomene, die es zu bewahren und zu schützen gilt.

Erik Offermann mahnt in diesem Zusammenhang mit einer gemalten Eifelansicht den Schutzwert der natürlichen Landschaft an.

Rote-Kreuz-Kästen ihrer Familie, die im Zweiten Weltkrieg mit Sanitätsmaterial zur Behandlung Verletzter gefüllt waren, hat Eugenie Bongs-Beer bis heute hin aufbewahrt, weil sie ihr wichtig und mit vielen Erinnerungen verbunden sind. In dieser Ausstellung werden sie zu Objekten, denen sie ihre ganz persönlichen Heiligtümer hinzugefügt hat: Fotos von ihrem im Krieg verschollenen Onkel, Sammelstücke wie besonders geformte Steine und Muscheln, Pinsel und Farbe, die sie der Installation in Form von Fotos beigegeben hat, sowie Aufnahmen vom Inneren der Rote-Kreuz-Kisten: Das Holz hat über all die Jahrzehnte seine Frische bewahrt und wirkt wie neu.

Zeichnungen zum Thema Tod und Einsamkeit sowie eine Bronzearbeit, die einen zerstörten Mund darstellt, ergänzen die subtile Annäherung an das Thema „Schutzraum“. Dies alles Beispiele aus einer höchst inspirierenden Kunstschau in einem Raum, der selbst als Beitrag dazu gelten kann.

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