Feurige Rösser tänzeln zur Opernmusik

Von: Sabine Rother
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Einzigartige Harmonie: „Pferd und Sinfonie”, die Auftaktveranstaltung zum CHIO, dem Weltfest des Pferdesports, bestach am Samstag durch ein vielseitiges, buchstäblich abendfüllendes Programm mit dem Sinfonieorchester Aachen unter der Leitung von Marcus R. Bosch. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Feurige Pferde, Feuerzauber und ein Publikum, das mit glühender Bewunderung künstlerisch musikalische und sportliche Juwelen gleichermaßen zu würdigen versteht: Die Veranstaltung „Pferd & Sinfonie” im ausverkauften Deutsche Bank Stadion auf dem Gelände des ALRV beim Weltfest des Pferdesportes CHIO Aachen, hat sich längst zum festlichen Auftakt dieses vielschichtigen Großereignisses entwickelt.

Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch und sein Sinfonieorchester Aachen haben es auch in diesem Jahr wieder in Zusammenarbeit mit der Pferdesportexpertin Renate Dahmen geschafft, ein Programm zu gestalten, das musikalisch wie sportlich faszinierte.

Waren es im letzten Jahr bereits immer wieder Schaubilder und gestalterische Gedanken, die begeisterten, so spürte man diesmal eine noch stärkere und schönere Annäherung von „Pferd & Sinfonie”, wobei man den Rhythmus von ruhiger Schönheit, fröhlicher Action und atemberaubender Kunst durchaus steigerte.

Der Pulsschlag steigt

Der Pulsschlag der sportlichen und musikalischen „Lebensformen” wurde deutlich rascher, und man spürte kaum, wie die Zeit verging, obwohl ein Veranstaltungsschluss nach 23 Uhr durchaus problematisch sein kann. Hier aber nicht.

Als kompetente, fröhliche und gut aufeinander eingespielte Moderatoren versorgen Musikdramaturg Kai Weßler (Theater Aachen) und der Pferdekenner Volker Raulf (ALRV) das Publikum stets dezent und charmant mit wichtigen Informationen zu den Aktionen im großen Rechteck, die nach Renate Dahmens Choreographie die Zuschauer auf eine wunderschöne Reise durch zwei Welten - Pferdesport und Musik - mitnehmen.

Gleich zu Anfang zeigen die jungen Mädchen der Ballettschule von Nathalie Jungschläger, wie selbstbewusst sie gemeinsam mit den jungen Leuten vom Reitstall Dahmen die „Stars in der Manege” verkörpern. Marcus R. Bosch, der hierzu das Marsch-Finale aus Schostakowitschs Jazz-Suite Nr. 2 ausgesucht hatte, lenkt sein spielfreudiges und extrem variables Orchester über alle „Hindernisse” des Abends, stets mit aufmerksamem Blick auf die reitenden und singenden Künstler.

Ein Gefühl für Pferde und Dreivierteltakt vermitteln die straffen Reiter in ihren rotblauweißen Uniformen vom Landgestüt Dillenburg, die auf ihren Warmblütern passgenau neben den jungen hübschen Amazonen vom Gestüt Glimbach auf ihren schwarzen Friesen reiten.

Hier wehen die feingekämmten schwarzen Mähnen im Takt, gelingt eine Quadrille der besonderen Art, die beweist, dass Kaltblüter durchaus graziös sein können und sogar zirzensische Gesten beherrschen - zum Entzücken des Publikums, das jede Besonderheit zu schätzen weiß.

Ein wenig Ruhe kehrt mit Eva Bernard ein, die eine Arie aus Bellinis Oper „I Carpuleti ed i MontecchiÓ singt. Aber so richtig schließt das Publikum die Sopranistin ein wenig später ins Herz, wenn sie das Kunststück schafft, „Sex Bomb” im richtigen Moment zu interpretieren.

Zunächst stehlen erst einmal zwei herzige Fohlen den großen Mamas die Show: Das CHIO-Partnerland Flandern präsentiert sich in einer akrobatischen Nummer mit schönen Kaltblütern und wagemutigen jungen Leuten. Zwei kleine Pferde traben mit und sorgen mit ihren Kapriolen für (nicht choreographierten) Spaß - auch das gehört dazu.

Springquadrille begeistert

Janice Harrington, die empfindsame Gospelsängerin, lenkt mit „SummertimeÓ alle in die Weiten der Musik, denn nach ihr wird „gerührt, nicht geschüttelt” - klar: James Bond ist an der Reihe, und der Reitstall Dahmen setzt zusammen mit der Ballettschule Jungschläger grandiose Filmmusik in Szene, fulminant interpretiert vom Sinfonieorchester.

Noch vor der Pause das Highlight: Die Springquadrille mit der Olympiagoldmannschaft Eventing von 2008 zu Rossinis Ouvertüre „Wilhelm TellÓ: vier Pferde, vier Reiter, vier variable Hindernishalter - eine perfekte Show in (scheinbar) müheloser und schwereloser Perfektion.

Den treffsicheren Abschluss nach der Pause schaffen 27 Hufschmiedinnen und Hufschmiede, die mit Hammer und Ambos als veritable Uraufführung Albrecht Parlows „Amboss Polka” bestreiten, bevor Bosch mit dem Medley aus dem Film „Fluch der Karibik” Kai Vorberg und Jana Kun als Voltigierexperten das magische Rechteck überlässt.

Hier staunt man über artistische Kraft und Freude an sportlicher Bewegung - und immer wieder über das harmonische Miteinander von Musik, Körper und Dressur. Schön die Fahrkunst bei der Zweispänner-Quadrille, atemberaubend Ingrid Klimke mit ihrem grandiosen neunjährigen Hengst Damon Hill im Frank-Sinatra-Medley, das offensichtlich nur auf die beiden gewartet hat.

Eine solche Harmonie zwischen „New York, New York” und „The Lady is a Tramp” erscheint geradezu unheimlich. Hier zeigt die Reiterin, was „Dressur” bedeutet.

Das Publikum genießt das Ereignis in vollen Zügen und stellt sich schließlich bereitwillig einer Herausforderung: Wenn Louis Kim mit seinem strahlenden Tenor das Stadion zu Puccinis „Nessun Dorma” füllt, dürfen alle mitmachen und sorgen für einen sanften, schönen Volkston.

Feurig zeigt schließlich bei Wagners „Walkürenritt” zur einbrechenden Dunkelheit noch Britta Rasche mit ihren Reitern, dass Pferde keine Angst vor Flammen kennen, wenn sie Vertrauen haben. Edward Elgars „Pomp & Circumstances Nr. 1”, der schon klassische Abschluss von „Pferd & Sinfonie” ruft nochmals die große Zahl der Beteiligten ins Rechteckt. Euphorischer Applaus von allen Rängen.

Unicef gewinnt: Traditionell spendieren ALRV und Theater Aachen bei „Pferd & Sinfonie” drei Euro pro Karte für das Kinderhilfswerk Unicef.

Manfred Kutsch, Redakteur unserer Zeitung, traf zur Übergabe des Schecks in Höhe von 11250 Euro Unicef-Botschafterin und Weltklasse-Reiterin Ann Kathrin Linsenhoff, GMD Marcus R. Bosch und Konsul Klaus Pavel (ALRV).

Die Spenden werden in Kambodscha eingesetzt, wo Ann Kathrin Linsenhoff, Vize-Vorsitzende von Unicef-Deutschland, kürzlich Unicef-Projekte vor Ort besucht hat und tief beeindruckt von den HIV-positiven, mangelernährten Kindern war.

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