Radarfallen Blitzen Freisteller

Feuerwerk der Emotionen abgebrannt

Von: Sabine Rother
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Das Wetter hat zum Glück mitgespielt: Das Publikum erlebte beim dreitägigen Open-Air-Festival Kurpark Classix an der Aachener Monheimsallee am Wochenende eine einmalige Atmosphäre bei wunderbarer Musik des Sinfonieorchesters Aachen und genialen weiteren Akteuren. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Drei Tage, vier Veranstaltungen, strahlende Sonne, blauer Himmel, kalte, aber klare Nächte: Müsste man die Kurpark Classix 2010 in knappe Worte fassen, könnte man sagen: große Gefühle.

Ob nun Operngala, das Crossover-Konzert mit Weltstar und Soullegende Dionne Warwick, das vergnügliche Familienkonzert, bei dem Malte Arkona einen Job im Sinfonieorchester suchte, oder die Brillanz der Last Night mit Violin-Virtuosin Rebekka Hartmann - immer wieder neu stellten Solisten, Musiker, Techniker und das gesamte Team vor und hinter der Bühne im Aachener Kurpark ihr Können und ihren Enthusiasmus unter Beweis.

Doch der erste Applaus wird beim Start himmelwärts Richtung Petrus geschickt, den Veranstalter Christian Mourad in sehr persönlichen Begrüßungsworten „unseren obersten Fan” nennt. Endlich leuchtet die Bühne dank ausgeklügelter Lichttechnik, die das Spiel mit Farben und Formen fantasievoll zu steigern weiß. Elegant lenkt Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch das Sinfonieorchester auf die Spur der französischen Oper, die diesmal die Operngala prägt. Rotglühender Faden: Georges Bizets Oper „Carmen”, deren Vorspiel zum ersten Akt den Abend eröffnet. Frisch und dynamisch präsentiert sich das Sinfonieorchester, das Bosch mit Hingabe und eindrucksvoller Körpersprache dirigiert.

Nicht nur das. Er moderiert den gesamten Abend, liefert mit Witz die Kurzinhalte zu bekannten oder weniger bekannten Werken, erklärt und kommentiert. So sind bei ihm auch die Gesangssolisten gut aufgehoben. Für die erkrankte Leila Pfister kommt die in Aachen wohlbekannte Mlanie Forgeron auf die Bühne und begeis´tert mit ihrer „CarmenÓ-Arie. Yikun Chung (Tenor), Randall Jakobsh (Bass), Teodora Gheorghiu (Sopran) und Michaela Maria Mayer (Sopran) entfachen ein Feuerwerk der Stimmungen und Emotionen. Hier blitzen Leidenschaft und Hass, werden die ganz große Liebe beschworen und der tiefe Schmerz beweint. Ob akrobatische Koloraturen, Heldentenor, mystische Zwischentöne oder tänzerische Leichtigkeit, das Publikum lässt sich gern verwöhnen und zeigt seine Begeisterung. Orchesterklang und Gesang verbinden sich immer wieder neu und sorgen für französische Facetten.

Es gelingt mit diesem Programm funkelnde „Bilder in den Köpfen” zu wecken. Schön auch der Einsatz der Chöre. Frank Flade hatte Opernchor, Sinfonischen Chor und Kinderchor bestens vorbereitet. Stücke wie der „Orangenchor” oder die Ballade von Klein-Zack aus Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen” oder das prachtvolle Vorspiel zum 4. Akt „Carmen” setzen Akzente.

Mit großen Gefühlen geht es am Samstagabend weiter. Soullegende Dionne Warwick ist eine Künstlerin, die trotz ihrer 70 Jahre alterslos erscheint. Im wallenden Gewand begrüßt sie strahlend und souverän ihr Publikum. Stimmlich ein Phänomen, sicher in den starken Passagen, genial in den Feinheiten bis hin zum leisen Hauchen und Flüstern, setzt sie legendäre Hits wie „Walk on By” in frischen Arrangements ganz neu um. Man staunt, was man einerseits alles von ihr kennt und gleichzeitig aber neu kennenlernen darf. Nach 90 Minuten ist es vorbei, eine letzte symbolische Umarmung, dann ist sie fort, und man sieht einen hellen Wagen vom Festivalgelände rollen.

Nach einer kühlen Nacht ist der sonnige nächste Tag ein Bilderbuchsonntag. „Malte will mitspielen” heißt ein neues Stück von Musikdramaturg Kai Weßler, das an diesem Morgen uraufgeführt wird. Spielerisch werden die kleinen und großen Zuschauern Orchesterinstrumente und die Berufe der Musiker nahegebracht. Ein faszinierender Spaß, zu dem Malte Arkona geschickt improvisiert und die Orchestermitglieder allesamt nett mitmachen, an ihrer Spitze Daniel Jakobi im roten T-Shirt. Die Musikstücke von Mozart, Tschaikowski, Glinka, Bizet bis hin zu Piazolla sind anspruchsvoll, fügen sich jedoch so gut ins Konzept, dass sie für zusätzliche Spannung sorgen. Donnernder Applaus, stampfende Füße, Jubel.

Und mit guter Stimmung enden auch die vierten Kurpark Classix, wobei man per Feuerwerk zum krönenden Abschluss ein weiteres Dankeschön in den Himmel sendet. Zuvor verzaubert Violinistin Rebekka Hartmann mit dem Konzert für Violine und Orchester d-Moll op. 47 von Jean Sibelius ihr Publikum, eine junge Virtuosin, die Einfühlungsvermögen und technische Sicherheit zu einem tiefen Klangerlebnis verbindet, eine Interpretation, die überzeugt.

Das Überraschungsgeschenk

Überraschungsgeschenk jenseits des Programms von Generalmusikdirektor Bosch, der die „Last Night” dirigiert, und seinem Orchester ist Felix Mendelssohn-Bartholdys „Hochzeitsmarsch” für Daniel Jakobi und Christian Mourad, die beide in diesem Jahr geheiratet haben. Nach der Pause bildet dann Robert Schumanns Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97, die „Rheinische”, als große musikalische Geste den festlichen Abschluss eines klingenden Wochenendes der großen Gefühle.
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