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Faszinierende Linien und Flächen

Von: Myriam Wierschowski
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Typische Glasfenster der Aachener Glasmalerin Maria Katzgrau: in einer Kapelle in Mainz. Das Glasmalereimuseum Linnich dokumentiert bis zum 1. März ihr umfangreiches Lebenswerk. Foto: Katalog

Linnich. Anlässlich des 10. Todestages der Glasmalerin Maria Katzgrau (1912-1998) präsentiert das Deutsche Glasmalerei-Museum in Linnich noch bis zum 1. März das Werk dieser vielseitigen Aachener Künstlerin in einer Überblicksausstellung.

Gezeigt werden Glasmalereien, Entwurfskartons, Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen. Maria Katzgrau studierte von 1930 bis 1933 an der Kunstgewerbeschule in Aachen, die in dieser Zeit vom Architekten Rudolf Schwarz geleitet wurde.

Sie war eine der ersten Frauen, die bereits in den 30er Jahren selbstständig im Beruf des Glasmalers Fuß fassen und im Laufe ihres Lebens bedeutende Aufträge realisieren konnte. Aus den Auftragsbüchern drei rheinischer Glasmalereiwerkstätten konnten bereits über 160 öffentliche Aufträge nachgewiesen werden.

Zu ihren ersten Aufträgen gehörten die figürlichen und ornamentalen Kirchenfenster für die Kirche St. Barbara in Hückelhoven (1933-37). Die ornamentalen Fenster in St. Barbara und in den beiden Kirchen St. Josef in Mönchengladbach-Schelsen (1939) und St. Matthias in Mönchengladbach-Gündorf (1949) orientierten sich in dieser frühen künstlerischen Phase noch an ihrem Lehrer Anton Wendling.

Dies betrifft sowohl den Aufbau der Komposition durch ein streng geometrisches, engmaschiges Bleirutennetz als auch die Konzentration auf die Farben Rot-Blau und die Nichtfarben Weiss-Grau-Schwarz.

Eigene bildnerische Sprache

Ab Mitte der 50er Jahre fand Maria Katzgrau zu einer eigenen bildnerischen Sprache: durch eine Abkehr vom geometrisch aufgebauten Ornament und dem traditionellen Figurentypus hin zu einer von der zeitgenössischen französischen Malerei eines Chagall, Picasso und Cocteau inspirierten, figurativ assoziativen Darstellungsweise. Linien und Farbflächen wurden gleichrangig nebeneinander gesetzt.

Zeichnerische Elemente im Freihandstil flossen in Form von dicken Umrissen oder fein gesetzten Linien und Schraffuren in die figürlichen und ornamentalen Kompositionen ihrer Glasmalereien ein. Beste Beispiele finden sich dafür in St. Joachim, Düren (1957), und im Franziskushospital in Köln-Ehrenfeld (1959).

Neben der figürlichen Darstellung nahm in den 60er Jahren die abstrakte Komposition immer mehr Raum in ihrem Werk ein. Vermutlich hatten sich die Glasmalereien Georg Meistermanns anregend auf die Künstlerin ausgewirkt. In ihren Arbeiten überspannten jetzt unregelmäßig große Felder netzartig die Glasflächen.

Spannungsreich kontrastieren kleinteilige Formen mit großen Flächen, breite Linien mit schmalen Linien, Farbflächen mit einer Tonskala von Weiß bis Schwarz. Katzgraus Arbeiten entstanden in intensiver Zwiesprache mit der Architektur.

So unterstreichen ihre von vertikalen Linien bestimmten amorphen Fensterkompositionen in St. Anna, Duisburg (1963) die architektonisch aufstrebende Bewegung der von Rudolf Schwarz übereinander angeordneten Rundbogensegmente.

Ab den 70er Jahren verstärkte sich die Tendenz, in einem formal klaren, streng geometrischen Formenkanon zu arbeiten, zum Beispiel bei St. Bonifatius in Aachen (1970-73) und bei der Ungarnkapelle des Aachener Doms (1993).

Gerade Linien unterteilen die Flächen in eine Vielzahl von unterschiedlich großen rechteckigen Formen. Häufig finden jetzt die Glasbrocken Verwendung, die als unregelmäßig behauene kleine Glasblöcke kontrastreich zu den rechtwinklig verlaufenden Bleirutenzeichnungen stehen und das Licht in vielfältiger Weise brechen und reflektieren.

Zahlreiche ihrer Kunstwerke und Glasmalereien versah die „Katz”, wie sie von Freunden und Bekannten liebevoll genannt wurde, mit einem äußerst passenden Symbol: Keck signierte die Katzenliebhaberin Maria Katzgrau - die lange Zeit mit einem rot getigerten Kater namens „Fuchs” zusammenlebte - viele ihrer Arbeiten mit einer aus der Rückenansicht dargestellten sitzenden Katze.

Nach dem Tod der Künstlerin gelangte 1999 der umfangreiche künstlerische Nachlass mit rund 1800 Entwurfszeichnungen und Kartons sowie Gemälden und Plastiken an das Deutsche Glasmalerei-Museum in Linnich.

„Maria Katzgrau - Verborgene Schätze”, GlasmalereimuseumÊLinnich, Rurstraße 11, 02462/99170. Dauer: bis 1. März.
Geöffnet: Di.-So./feiertags 11-17 Uhr.

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