Aachen - Falsches Stück am falschen Ort

Falsches Stück am falschen Ort

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
„Die Traumnovelle” im Mörgens
„Die Traumnovelle” im Mörgens des Aachener Theaters: Julia Brettschneider übernimmt gleich eine ganze Handvoll Rollen. An ihrer Seite spielt Benedikt Voellmy. Foto: Wil van Iersel

Aachen. Mit der „Traumnovelle” nach Arthur Schnitzler ging am Donnerstagabend die erste Premiere im Mörgens des Aachener Theaters über die Bühne - zwischen Bambusstäben, einem schwarzen Verschlag und Campingstühlen (Bühnenbild: Ric Schachtebeck).

Der zurückhaltende Applaus ließ am Ende vermuten, dass die Inszenierung von Charlotte Zilm (Dramaturgie: Katrin Eickholt und Ann-Marie Arioli) vielen Zuschauern als weniger geglückter Abend in Erinnerung bleiben wird.

In dem Stück geht es um die gutgestellten Eheleute Albertine (Julia Brettschneider) und Fridolin (Neuzugang Benedikt Voellmy), die sich eines Abends gegenseitig ihre bis dahin gehüteten sexuellen Fantasien eröffnen. Verwirrt geistert Fridolin daraufhin durch Wien und erlebt die nächtliche Kehrseite des biederen Bürgertums kennen, während sich Albertines angestaute Begierde daheim in bizarren Alpträumen entlädt.

Gelungen ist die musikalische Begleitung von Malcolm Kemp, der mit dem Klavier jedes Kapitel in die richtige Stimmung rückt. Und Julia Brettschneider vollbringt es, Benedikt Voellmy nacheinander als Hofratstochter Marianne, als Hure Mizzi und als Kostümverleiherin Gibiser (Kostüme: Dominique Muszynski) Avancen zu machen. Insgesamt allerdings hat die Regie sich mit der minimalistischen Besetzung eher ungelenk als souverän arrangiert.

Und der Plot wird eher pflichtschuldig als inspiriert abgehandelt. Brettschneider und Voellmy zitieren als Erzähler abwechselnd aus der Vorlage: Statik statt Tempo. Und zweidimensionale Eis- und Bier-attrappen als Requisiten machen eine gewisse Ideenlosigkeit spürbar.

In Erinnerung rufen muss man zudem, dass das Mörgens sich als junger Spielort des Aachener Theaters versteht. Zuverlässig werden die Premieren von Schulklassen besucht. Dass es ein Selbstläufer ist, ausgerechnet diese Zielgruppe mit einem Stück für die Bühne zu entflammen, das den Sittenkodex von Österreich zur Zeit der Ersten Republik hinterfragt, darf bezweifelt werden. Im Film „Eyes wide shut” spülte Meisterregisseur Stanley Kubrick mit einem surrealen Bildgewitter den Staub von der nicht ganz zeitgemäßen Thematik.

Der Rausch gipfelte in einem Herrenhaus, wo die Hauptfigur Zeuge einer gespenstischen Orgie wird. Dass die Inszenierung selbiges Szenario im Mörgens in Dunkelheit hüllt, wirkt wie eine Flucht. Spätestens an diesem Punkt wird das größte Problem deutlich: Wer im Mörgens versteht, wovon die „Traumnovelle” handelt, der dürfte sich entweder Film oder Vorlage vor nicht sehr langer Zeit zu Gemüte geführt haben. Wer im Verlauf der 70 Minuten hingegen auf der Strecke bleibt, hat immerhin Grund genug, dies nachzuholen.

„Die Traumnovelle” im Theater Aachen, Spielstätte Mörgens, Mörgensstraße. Weitere Vorstellungen: 23., 30. September (beide schon ausverkauft), 6., 7., 15. und 30. Oktober, 20 Uhr.
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