Kleve - Ewald Mataré: Die unbekannte Seite des Aachener Künstlers

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Ewald Mataré: Die unbekannte Seite des Aachener Künstlers

Von: Eckhard Hoog
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Kaum bekannt ist, dass der Aachener Künstler Ewald Mataré (1887-1965) auch Aquarelle wie dieses malte: „Landschaft mit rotem Weg“ (1915-1919) – zu sehen ab Sonntag bis zum 28. Juni im Museum Kurhaus Kleve. Foto: Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung, Kleve

Kleve. Er war einer der größten Künstler, die das Rheinland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat: Ewald Mataré, 1887 geboren in Aachen, 1965 gestorben in Meerbusch-Büderich. Das Museum Kurhaus Kleve widmet ihm jetzt zu seinem 50. Todestag (29. März) eine große Ausstellung mit seinem Frühwerk.

Nach 1933 war Mataré als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie entlassen und von den Nazis als „entarteter Künstler“ gebrandmarkt worden. Bis zu seinem Tod 1965 war er hoch angesehen und vor allem als Bildhauer weithin anerkannt. Er realisierte im Deutschland der Nachkriegsjahre Aufträge im In- und Ausland, schuf zusammen mit seinem Schüler Joseph Beuys die Südportale des Kölner Doms, außerdem die Portale am Salzburger Dom und an der Weltfriedenskirche in Hiroshima ebenso wie das Westfenster am Aachener Dom. Das besagt bereits alles: Seine geistige Heimat war die Kirche

Basis ist der Nachlass

Aachen widmete ihm 1987 zum 100. Geburtstag im Suermondt-Ludwig-Museum eine Ausstellung, 2012 folgte eine Präsentation in der landeseigenen Sammlung Kunst aus Nordrhein-Westfalen in der Alten Reichsabtei Kornelimünster, die Maria Engels aus Anlass des 125. Geburtstages organisiert hatte.

Der Nachlass von Ewald Mataré bildet das Fundament für die moderne und zeitgenössische Sammlung des Museums Kurhaus Kleve, das auch in seinem Namen auf den bedeutenden Künstler hinweist: „Ewald-Mataré-Sammlung“. Harald Kunde, der ehemalige Leiter des Aachener Ludwig Forums und jetzige Direktor des Museums Kurhaus Kleve, erklärt die innige Beziehung zwischen der niederrheinischen Stadt und Ewald Mataré so: 1977 fand man dort bei Straßenbauarbeiten seinen „Toten Krieger“ wieder.

Er war Teil eines 1934 eingeweihten Mahnmals für die Opfer des Ersten Weltkrieges, das 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde. „Der sah ursprünglich aus wie ein gefällter Riese“, sagt Harald Kunde, und ein solch „Gefallener“ passte eben nicht in die heldische Ideologie der Nazis.

Die Stadt Kleve indessen ging sorgsam um mit dem Fund von 1977 und gab der Steinskulptur einen Ehrenplatz vor der Stiftskirche. Matarés Tochter Sonja bewog das, 1988 Kleve den Nachlass ihres Vaters zu übergeben. 1997 eröffnete die Stadt auf dieser Basis eben jenes Museum Kurhaus Kleve. Die Präsentation und wissenschaftliche Aufarbeitung des facettenreichen Werks Matarés gehören seitdem zu den Grundpfeilern der Arbeit des Museums.

Nun also richtet sich der Fokus umfassend auf das zum überwiegenden Teil bislang unbekannte Frühwerk, das Schaffen zwischen den Jahren 1907 und 1932. Und das ist vor allem malerisch. Erst später kam Mataré über den Holzschnitt zur Plastik. Zu sehen sind sensibel gezeichnete Frauenporträts, gemalte Einblicke in sein eigenes Atelier (um 1910), aquarellierte Landschaftsbilder aus der Eifel mit Ansichten von Maaren (1921) sowie Selbstporträts (1921), die einen grübelnden Künstler mit der Pfeife in der Hand zeigen. Fotografische Reproduktionen von vermutlich im Berliner Atelier während des Krieges verbrannten Gemälden ergänzen die Schau.

Mataré muss im übrigen ein im höchsten Maße toleranter Kunstlehrer gewesen sein. Bei der Herstellung der Südportale für den Kölner Dom erlaubte er seinem Schüler Joseph Beuys, dass der seinen Rasierspiegel in die heiligen Türen einbauen durfte. Als die Stadt Köln 1980 das 100-jährige Jubiläum der Vollendung des Doms mit einer Ausstellung feierte, sollte auch Beuys einen Beitrag dazu liefern. Der ging dann tatsächlich noch mal hin und stellte fest: Der Rasierspiegel war weg. Er schickte als eigenes Werk dann nur ein altes Foto von den Portalen, als der Rasierspiegel noch da war – auch so entsteht mitunter Kunst.

Am ursprünglichen Standort des „Toten Kriegers“, auf der Rasenfläche Am Ehrenmal, findet sich eine monumentale, begehbare Skulptur des 1967 in Aachen geborenen Bildhauers Max Knippert und der Mainzer Fotojournalistin und Bildchronistin Ursula Meissner aufgestellt: ein mit 16 Türen versehener Zylinder aus Edelstahl. Drinnen sind bedrückende Aufnahmen zu sehen: Fotografien aus Kriegsgebieten. Titel des Ganzen: „Black Box“.

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