Köln - Erzbengels Show mit dem Buch der Bücher

Erzbengels Show mit dem Buch der Bücher

Von: Susanne Schramm
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Man muss nicht unbedingt tiefreligiös sein, um die Bibel aufzuschlagen: Das meint zumindest der Schauspieler Ben Becker, der mit einer Multimedia-Show über die Bibel derzeit sehr erfolgreiche Auftritte absolviert. Foto: Thomas Brill

Köln. Ist die Bibel: a.) ein Geschichtsbuch? b.) ein literarisches Werk? c.) eine Botschaft? d.) eine Märchensammlung? e.) Ein Ratgeber? Wäre das hier ein Multiple-Choice-Test und kein Artikel, Ben Becker, der mit seinem Bibel-Programm am 1. Februar in der Kölner Lanxess-Arena auftritt, würde ich alle fünf Möglichkeiten ankreuzen: „Da steckt alles drin!”

Um, sechstens, aus ganz persönlicher Sicht anzufügen: „Und ein Fluch! Wenn ich vorher gewusst hätte, was ich damit lostrete, hätte ich das womöglich gelassen.” Hinterher ist man immer schlauer.

Mit Lobeshymnen überschüttet

Nutzt nur leider herzlich wenig. Seitdem der Schauspieler und Sänger am 12. Oktober 2007 erstmals seine Version des „Buchs der Bücher” auf die Bühne brachte - im ausverkauften Berliner Tempodrom vor 3000 Menschen - war in Sachen himmlischer Inszenierung die Hölle los. Inzwischen hat er sein „opus magnus” in fünf weiteren deutschen Städten aufgeführt.

Während sich die einen mit Lobeshymnen überschlugen („Jesus mag Gottes Sohn sein, aber Ben Becker ist seine Stimme”, Vanity Fair), mutmaßten die anderen, der heute 44-Jährige sei nun völlig durchgeknallt, leide an einer akuten Form von Hybris und setze sich jetzt, auch noch, mit dem Allmächtigen gleich. Dass Becker kurz vorher, nach einer Drogennacht, fast gestorben wäre, gab dem zusätzlich Würze. Die Schlagzeile „Wiederauferstehung” dominierte den Blätterwald.

Auch beim Katholikentag

Auch beim „Deutschen Katholikentag” 2008 war Ben Becker mit seiner „Gesprochenen Symphonie”, wie das Werk für 75 Akteure (darunter seine alten Gefährten von der „Zero Tolerance Band”, das Deutsche Filmorchester Babelsberg und ein Chor von Gospelsängern) im Untertitel heißt, präsent.

Und das Unterfangen, „den Katholiken ihr Lieblingsbuch vorzulesen”, gelang: „Sehr gut. Erstaunlich gut. Ich habe viel positive Resonanz bekommen.” Trotz bisweilen erschwerter Bedingungen („Als Open-Air für 10.000 Leute ist das nicht gemacht. Es ist eine Theaterproduktion, wenn da Düsenjäger drüber brettern und Krankenwagen mit Blaulicht vorbeifahren, wird´s kompliziert.”) Wieder war „Erzbengel Ben”, wie „Die Zeit” süffisant titelte, im Gespräch.

Die Bibel kann ein Fluch sein. In der Tat. Zumal, wenn sich einer wie Becker multimedial - Textpassagen aus dem Alten und Neuen Testament werden kombiniert mit Musik aus Rock, Pop, Country und Klassik, Neukompositionen und Videokunst - an ein Projekt heranwagt, das gespeist wird aus dem Wort Gottes.

Da muss er sich vor allem eine Frage immer wieder gefallen lassen: „Besitzen Sie die Lizenz zum Predigen?” „Ich predige da ja nicht. Ich mache keinen Gottesdienst. Ich gestalte einen Abend, eine Vorstellung, ein Kunstwerk. Da steckt viel Intuition drin. Und davon abgesehen: Jeder hat ein Recht, dieses Buch aufzuschlagen, und jeder darf daraus vorlesen.

Ganz egal, ob er tiefreligiös ist oder sich dem Christentum verwandt fühlt oder überhaupt nichts davon.” Mit „tiefreligiös” bringt man Becker kaum in Verbindung: „Ja, ich komme aus einem Kommunistenhaushalt. Aber bei uns ist früher immer, wie bei anderen Familien auch, an Heiligabend die Weihnachtsgeschichte vorgelesen worden. Und ich setze mich auch mal in eine Kirche, wenn ich den Wunsch nach Stille habe.”

Große Fragen, große Bilder

Die Idee zur biblischen Multimedia-Show kam vor drei, vier Jahren auf: „Ich hörte irgendwann den Song ,He´s alive„und hatte ein Bild vor Augen. Die Bibel ist ein Buch, das sich mit den großen Fragen beschäftigt, und beim Lesen entstehen Bilder, große Bilder, die wollte ich auf der Bühne umsetzen.”

Die Auswahl, die er zusammen mit einem befreundeten Theologen traf, fiel ihm nicht leicht: „Es sollten schon die Geschichten sein, die jeder irgendwie kennt. Aber auch solche, mit denen mich etwas verbindet” Etwa die von „Samson und Delilah”: „Eine wunderschöne Liebesgeschichte, da habe ich mal in einem gleichnamigen Film mitgespielt”. Oder „Joseph und seine Brüder”: „Von denen hat meine kleine Schwester Meret mal ein Bild gemalt, das ich nie vergessen habe.”

Angegangen ist Becker das „wie ein Dramaturg beim Theater - wo kann man streichen, was lass´ ich jetzt weg, was kommt wieder rein.” Die Umsetzung hat sich erst nach und nach entwickelt, „anfangs wollte ich im ersten Bild einen Elefanten und eine Giraffe über die Bühne laufen lassen, kleine Farbtupfer wie eine Maria Magdalena oder eine Nonne im Orchester kamen erst später dazu.”

Auch ohne Menagerie kommt das Bühnenwerk gewaltig daher: „Die Bibel ist ein sehr umfangreiches Werk, da habe ich schon von vorab an solche Dimensionen gedacht. Sicher, ich kann mich auch allein da hinstellen und vorlesen. Aber ein Tisch und ein Stuhl - das reicht mir nicht als Dekoration drum herum. Wenn ich ein Theater kriege, dann will ich auch den großen Schuhkarton.”

„Die Bibel: Eine gesprochene Symphonie”, Ben Becker, Zero Tolerance Band, Deutsches Filmorchester Babelsberg und Gospelchor. Termin: Sonntag, 1. Februar, 20 Uhr, Lanxess-Arena Köln, Karten (32, 50 bis 67 Euro).

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