Erstaunlich reif in der Gestaltung: Marika Bournaki

Von: Thomas Beaujean
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Klopfgeräusche eines Handwerkermarktes würden sicherlich gestandenere Pianisten als die 18-jährige Marika Bournaki aus dem rhythmischen Konzept bringen. Deshalb war das „Preisträgerkonzert” im Rahmen der Accordate-Kammerkonzerte vom Krönungssaal des Aachener Rathauses in die Kirche St. Michael verlegt worden.

Dass ein Klavierabend selbst in einem akustisch ansonsten günstigen Kirchenraum seine eigene klangliche Problematik haben würde, lag auf der Hand. So klang manches Fortissimo brachialer, mancher Diskantton klirrender, manche Kantilene härter, als dies in einem normalen Konzertraum geklungen hätte.

Zumal die gebürtige Kanadierin sich durch die ungewohnte Akustik nicht davon abhalten ließ, ihre dynamische Palette voll auszureizen. Dabei präsentierte sie sich mit einem Programm, das jedem arrivierten Klavierstar zur Ehre gereicht hätte. Bei aller Bewunderung für die spieltechnische Versiertheit der Pianistin erstaunte noch mehr die gestalterische Reife, die ihre Interpretationen auf eine Ebene von beachtlicher künstlerischer Gültigkeit hob.

Leuchtende Kantilene

Daran ließ schon die Wiedergabe von Bachs e-moll-Toccata keinen Zweifel, deren fantasieartige Teile sie frei im Tempo nahm, um dann die abschließende Fuge mit der rhythmischen Präzision eines Uhrwerks ablaufen zu lassen. In Schumanns Faschingsschwank überzeugten die scharfen Kontraste von leuchtend klingender Kantilene und rhythmisch scharf konturierten Teilen. Feinste Klangpoesie zeigte sie in der Romanze, die sie am Ende des Konzertes als Zugabe wiederholte. Chopins Anforderungen an die Virtuosität blieb sie bei der Wiedergabe der b-Moll-Sonate nichts schuldig.

Eine Darstellung, in der die höchst unterschiedlichen Ausdrucksebenen wie das Pathos des Trauermarsches und das rasend-huschende Finale gleich überzeugend realisiert wurden. Scharfe dynamische Kontraste prägten auch die Wiedergabe von Beethovens f-moll-Sonate „Appassionata”, die eine sehr persönliche Handschrift zeigte. Die Kombination von physischer Kraft und genauer klanglicher Abstufung fand vor allem im Falle der durchlaufenden Sechzehntel-Passagen im Finale ihre gelungenste Ausprägung.

Zum Schluss dann Liszts Rhapsodie Espagnole in einer Darstellung, die das Publikum buchstäblich von den Sitzen riss.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert