Elvis Presley und seine Kollegen geben sich die Ehre

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Rasant: „Der Himmel kann wart
Rasant: „Der Himmel kann warten” mit (v. l.): Rainer Kraus, Markus Weickert, Philipp Manuel Rothkopf und Benedikt Foto: Carl Brunn

Aachen. Glitzernd-schummrige Bar-Atmosphäre und dumpfe Töne: Wie hingemäht liegen regungslose Körper auf dem Boden - langsam kommen die Nachtgeschöpfe wieder zu sich und richten sich auf. Die Bühne wird lebendig.

Über der roten Treppe leuchtet die blaue Himmelspforte, die sich nicht öffnen will. „Aufmachen, ich will hier rein!” Doch diesem Wunsch wird nicht entsprochen, die Live-Musik mit Malcolm Kemp und seinen Mannen setzt ein und Bob Dylans „Knockin on heavens door” findet Anklang beim gespannten Theaterpublikum.

Wie neu klingt der berühmte Dylan-Song, von Felix Strüven so empathisch wie eigenwillig vorgetragen. Schnell wird offenbar, dass sich hier nicht Schauspieler als Gesangsinterpreten ausgeben. Nein, das Ensemble ist hoch musikalisch, viele haben selbst Band-Erfahrungen mit Instrumenten, Rock, Pop oder Chansons.

So präsentiert sich Philipp Manuel Rothkopf mit einem Hit von Hot Chocolate wie ein entfesselter Rockstar: Bei „Heaven is in the backseat of my Cadillac” (Der Himmel ist auf dem Rücksitz meines Cadillacs) klatscht das begeisterte Publikum bereits ekstatisch mit. Und wenn der „goldig” angezogene Rothkopf mit „Devil in Disguise” (Teufel in Verkleidung) Elvis Presley aufleben lässt, wird die Theaterbühne zum Rock-Konzert.

Großartig auch Karsten Meyer, der ganz locker als Punk über die Bühne sprintet und zum Beispiel mit „Sympathy for the devil” von den Rolling Stones das Publikum zu Beifallstürmen hinreißt. Auch ohne große Stimme überzeugt Elke Borkenstein mit sensiblen Interpretationen von Grönemeyers „Halt mich” oder Blumfelds gefährlich defensivem Lied „Die Welt ist schön!”

Im Laufe der kurzweiligen 90-Minuten-Revue wird deutlich, dass hier nichts bunt zusammengewürfelt wurde, sondern durch das Macher-Trio Daniela Neubauer, Ludger Engels (Chefregisseur von Theater Aachen) und Ralph Blase ein fantastischer Abend entstanden ist, der das „himmlische” Thema mit dem richtigen Feeling und viel Humor immer wieder musikalisch variiert.

Nicht wegzudenken sind natürlich Malcolm Kemp und „seine” Musiker Uwe Böttcher (Bass), Samuel Reissen am Schlagzeug und Daniel Pongratz am Keyboard.

Alle wechseln auch blitzschnell zu anderen Instrumenten. Wagemutig die Mimen: So überrascht Benedikt Voellmy am Flügel und mit einer tollen Präsentation des höllischen „Jedermann” von Georg Ringsgwanl. Und wenn Elisabeth Ebeling mit Voellmy „Cheek to cheek”, also Wange an Wange nach Irving Berlins Evergreen tanzt, kommt eine ganz samtene Stimmung auf.

Mit dunklem Timbre und in rosarotem Abendkleid imponiert Bettina Scheuritzel mit „Sweet dreams” von den Eurythmics. Die plötzliche Kleidverkürzung hätte gar nicht sein müssen.

Glänzend, nämlich glamourös: Detlevs Beaujeans Bühnenkonzeption mit einem Hauch von Hollywood, ebenso wie die Kostümattraktionen zwischen Rüschenhemd und Zebramantel.

Bezaubernd Julia Brettschneider im Späthippie-Look oder im kleinen Schwarzen mit Piafs „Sous le ciel de Paris” - keine plumpe Nachahmung der kleinen Großen aus Paris, sondern eine wunderbare Hommage an Edith. Der Superauftritt von Markus Weickert als Major Tom im silbrigem Raumanzug mit David Bowies „Space oddity” bringt dem Neuzugang Riesenapplaus.

Wunderbar komisch Rainer Krause mit dem eingedeutschten Lou Reed-Song „Liebessatellit”. Ein „wilder” Abend mit vielen Überraschungen, immer schön zwischen Himmel und Hölle swingend, rockend und rasend. Das Publikum verlangt nach Zugaben.

Weitere Aufführungen auch im Juni und Juli

Weitere Aufführungen von „Der Himmel kann warten - eine musikalische Revue mit dem Schauspielensemble” gibt es im Theater Aachen, Großes Haus, noch am 26. Juni, sowie am 9. und 21. Juli, Beginn ist, jeweils 19.30 Uhr: Vorgesehen sind Vorstellungen in der neuen Spielzeit.

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