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Eine Stimme wie wabernder Nebel überm See

Von: Susanne Schramm
Letzte Aktualisierung:
Chic? George Michael im Anzug
Chic? George Michael im Anzug in der Lanxess-Arena. Die Sonnenbrille nahm er während des Abends nicht einmal ab. Foto: Thomas Brill

Köln. Dass das kein normales Rock-Pop-Konzert wird, war von vornherein klar. Der Tour-Titel („Symphonica”), die komplett bestuhlte Halle und eine Bühne mit theatersamtrotem Vorhang und mehreren Lagen gerüschter Draperien, all das sind deutliche Signale.

11.000 Fans erleben in der Kölner Lanxess-Arena ein gediegenes Spektakel. Vor Geigen, Celli, Oboen, Blechbläsern und einer Harfe, edel Ton in Ton mit dunkler Krawatte, dunklem Hemd und dunklem Anzug, präsentiert sich George Michael seinem Publikum.

Es wird weder rasante Tanzeinlagen geben noch eine direkte Kontaktaufnahme mit dem Publikum. Zwar plaudert der inzwischen 48-Jährige launig zwischen den einzelnen Stücken, aber die dunkle Sonnenbrille nimmt er während des gesamten Konzerts nicht ab. Das kann man cool finden oder als eitel verdammen, aber es schafft, in jedem Fall, Distanz.

Geradezu widersprüchlich dazu verhält sich die Wirkung der Stimme, die sich beim Intro „Through” so leicht wie Nebel auf einen See legt, geheime Sehnsüchte wachruft und die angenehme Illusion, am ganzen Leib in kuschelweichen Samt gehüllt zu sein. Intimer geht es kaum noch. Aus einer Arabeske, auch die in der Farbe von Wein und Blut, erwachsen pflanzliche Ranken, die sich immer mehr ausdehnen und den Protagonisten wie mit einem Purpurmantel aus pulsierenden Organismen umgeben. Das Bild ist bombastisch. Selbst die hoch oben auf den Rängen bekommen, ob der Größe, davon etwas mit.

Ansonsten sind ihre Karten schlechte Karten. Denn bis auf gelegentliche Projektionen des Sängers in Gigantengröße am rechten Bühnenrand, gibt es keine verlässlich Nahaufnahmen zeigenden Großbildleinwände. Auch das ist ein Unterschied zu den normalen Rock-Pop-Konzerten.

Gesichtsloser Rahmen

Das Orchester bleibt ebenso gesichts- wie namenlos, es bildet lediglich den Rahmen für eine Show, die im ersten Teil sehr stark in Spuren anderer Künstler verläuft, indem sie Stücke von Nina Simone („My Baby Just Cares For Me”), Rufus Wainwright („Going To A Town”) oder Terence Trent DArby („Let Her Down Easy”) covert.

So gerne man sich von der samtigen Zärtlichkeit, die Michaels goldener Bariton verströmt, umfangen lässt, mitunter gerät das dann doch zu einer allzu wohl-temperierten Gefühlsdusche. Das mag zwar bei eigenen Stücken wie „Cowboys & Angels” noch angehen, aber ganz extrem fällt das bei „Roxanne” auf, wo alle schmerzhaften Risse und Brüche des Originals im konzertanten Weichspüler aufgelöst werden. Nach der Pause - noch ein Indiz für die Andersartigkeit dieses Abends - nimmt die Coverfrequenz deutlich ab. Nun ist die Zeit für Hits wie „Praying For Time” gekommen.

Am Ende des gut zweistündigen Soft-Abends dreht der Ex-Boygrouper dann doch noch ziemlich rasant auf.
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