Aachen - Ein Wochenende der klingenden Gefühle

Ein Wochenende der klingenden Gefühle

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
Glanzvoll: „A Night At The Op
Glanzvoll: „A Night At The Opera” bei den Kurpark Classix in Aachen mit den Sängerinnen (von links) Astrid Pyttlik, Sanja Radisic und Jelena Rakic sowie Opernchor und Sinfonischem Chor. Generalmusikdirektor Kazem Abdullah leitete das Sinfonieorchester Aachen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. War es nun eine „Feuertaufe” oder der Sprung ins kalte Wasser? Es war beides. Diese sechste Ausgabe der Kurpark Classix wird Aachens neuer Generalmusikdirektor Kazem Abdullah so schnell nicht vergessen.

Zum ersten Mal stand er in dieser offiziellen Funktion am Open-Air-Pult auf der strahlend erleuchteten Bühne - ein Debüt im strömenden Regen und vor einem komplett in Plastikfolie verpackten Publikum, das sich die Freude vom Wetter nicht nehmen ließ und dem strahlenden Dirigenten einen warmen und herzlichen Empfang bereitete.

Veranstalter Christian Mourad erwies sich als eloquenter Gastgeber, der Künstler, Sponsoren sowie Vertreter aus Wirtschaft und Politik gleichermaßen freundlich begrüßte. Niemand dachte im Laufe des Konzerts daran, seinen Platz zu verlassen, und selbst nach der Pause lichteten sich die Reihen nicht. Applaus! Diesmal vom Orchester für die Zuschauer. „A Night At The Opera” bot alles, was sich der Opernfreund wünschte: einen dynamischen Dirigenten, der sehr um das Wohl der Sängerinnen und Sänger bemüht war, ein feinsinnig musizierendes Sinfonieorchester und herrliche Stimmen. Das von Musikdramaturg Michael Dühn moderierte Programm stand in unmittelbarem Zusammenhang mit der anlaufenden Spielzeit - und so manches Appetithäppchen wird seine Wirkung nicht verfehlen, allem voran Georges Bizets Oper „Carmen”, die diesjährige Eröffnungspremiere im Musiktheater. Hier verkörperte Mezzosopranistin Sanja Radisic mit verhaltener Glut in der Stimme die Persönlichkeit dieser Operngestalt.

So eindrucksvoll und stimmschön sich die Herren auch präsentierten - Patricio Arroyo mit „Granada”, Sam Handley mit einer Arie aus Verdis „Macbeth”, Rüdiger Nikodem Lasa und Pawel Lawreszuk zusammen mit Arroyo im witzigen Terzett aus Rossinis „LItaliana in Algeri” - es war ein Abend der charmesprühenden, grandiosen Sängerinnen in ihren edlen Abendroben, denn auch die Sopranistinnen Jelena Rakic, Irina Popova und Katharina Hagopian sowie eine frech und frisch agierende Astrid Pyttlik (Mezzosopran), die den „Old Ladys Tango” aus Leonard Bernsteins „Candide” auf den paar Metern Bühne temperamentvoll tanzte, wurden zum Ereignis. Andreas Klippert hatte Opernchor und Sinfonischen Chor gut vorbereitet. Sie rundeten das opulente Opernkonzert gekonnt ab. Eine fantasievolle Lichtregie verwandelte sogar den beharrlich strömenden Regen in ein dekoratives Element. Begeisterter Applaus für alle.

Und der Crossover-Abend mit Sängerin Annett Louisan, dirigiert vom Ersten Kapellmeister Peter Halasz? Es blieb tatsächlich trocken, der Mond ging hinter den hohen Kurparkbäumen geheimnisvoll auf, und die Fangemeinde feierte ihren Star enthusiastisch. Annett Lousian ist eine Künstlerin, die ihr Publikum von Anfang an umarmt, die in ihren zum Teil ganz schön bissigen Texten ausspricht, was andere nur denken, die Witz und viel zärtliches Gefühl beweist. Ihre kindlich helle Stimme, die durchaus erotisch hauchen kann, ist stark und variationsreich. Rhythmisch bot sie eine große Mischung zwischen Walzer, Rumba, Gipsy und Reggae. Gemeinsam mit ihrer Band und einem Sinfonieorchester, das routiniert musikalische Big-Band-Teppiche ausrollte, formte sie eine vitale Einheit. Selbstbewusst stöckelte Annett Louisan auch schon mal auf schwarzen Highheels treppauf und treppab durch den Zuschauerraum, nahm Rosen und schließlich einen riesigen Blumenstrauß in Empfang, der fast so groß war wie sie selbst. Die Menschen gingen mit, sangen, klatschten, kannten die Refrains und wurden nicht enttäuscht, zumal die Sängerin viele Titel aus ihrer neuen CD „In meiner Mitte” ins Programm aufgenommen hatte. Wie gut sie ist, bewies Annett Louisan spätestens bei ihrer Cover-Version von Charles Aznavours „Zwei Zigeuner in der Nacht” und einem sehr schönen „Moonriver” - es war bereits die vierte Zugabe.

Künstlerische Kraft und ein enormes Improvisationstalent zeigte Malte Arkona beim Sonntagmorgenkonzert „Kurpark Classix for Kids” im zurückgekehrten heftigen Regen. Die Zuschauerreihen füllten sich dennoch, und unter dem Motto „Malte macht Urlaub” gab es Melodien (Sinfonieorchester unter Peter Halasz) und Plaudereien, Spielchen mit kleinen und großen Leuten sowie Musik aus aller Welt.

Die Kinder hatten zwar ihren Spaß und Malte war unermüdlich, aber die Musikstücke waren oft zu lang, zumal niemand kindgerecht erklärte, was denn da nun wie ertönte. Schade.

Sinfonisches bei „Last night”

Dennoch ein gelungener Vormittag, dem ein glanzvoller Abschlussabend mit funkelndem Feuerwerk folgen sollte. Im Mittelpunkt standen Werke von Dvorak, Tschaikowsky und Brahms sowie der Violinsolist Nemanja Radulovic. Erneut agierte am Dirigentenpult Kazem Abdullah, der nun endgültig zeigte, wie sehr ihm sein Publikum jetzt schon am Herzen liegt. Großer Applaus.
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