Aachen - Ein Wal, viele Worte

Staukarte

Ein Wal, viele Worte

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
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Stäbe, die die Welt bedeuten: Roman Kohnle (l.) als Walfänger Kapitän Ahab im Bambus-Clinch mit Robert Seiler. Foto: Carl Brunn

Aachen. Dass es möglich ist, eine Handvoll Sardinen in eine Blechbüchse zu quetschen, ist ein alter Hut. Einer Herausforderung mit schwierigeren Größenverhältnissen nahm das Theater Aachen sich im Mörgens an.

Auf 200 Quadratmetern sollte ein Wal Platz finden. Natürlich nicht irgendeiner, sondern „der ungeheuerlichste Pottfisch, der je ein Boot zerschlug”: Moby Dick. Die Aufgabe von Daniela Neubauer (Inszenierung) und Katharina Rahn (Dramaturgie) war keine geringere, als Hermann Melvilles 1000-Seiten-Ungetüm auf 80 Minuten Spielzeit herunterzubrechen. Kann das funktionieren? Es kann.

In der Geschichte um die Jagd auf den Killer mit dem putzigen Namen treibt den jungen Matrosen Ismael (Oleg Zhukov) die Abenteuerlust aufs Meer, seinen Kapitän Ahab (Roman Kohnle) nur der blanke Hass. Denn Moby Dick biss dem hartgesottenen Waljäger einst ein Bein ab.

Dass der Getriebene nicht nur bereit ist, für seine Rache die Golddublone zu löhnen, die er zu Beginn der Reise als Belohnung aussetzt, sondern auch das Leben seiner Mannschaft (Robert Seiler), wird Ismael erst auf hoher See klar.

Der Verdienst der Inszenierung besteht darin, dass sie sich selbst trotz ihres bescheidenen Arrangements nicht durch Verfremdungen zum Kentern bringt. Stattdessen dürfen die Darsteller, die abwechselnd auch Erzähler sind, die Vorlage ernst nehmen und sich ganz deren Wortgewalt hingeben.

Nicht zuletzt funktioniert der zeitlose Plot dank des Raums von Ric Schachtebeck. Das Spiel mit dem konstanten Bühnenbild - in dieser Saison aus jeder Menge Bambusstäben - gerät so geschickt, dass sich die Vermutung aufdrängt, es sei in erster Linie auf dieses Stück zugeschnitten worden.

Mit den Bambusstäben lässt sich das geschäftige Gewusel auf Deck ebenso simulieren wie die verheerenden Unwetter, die darauf herniedergehen. Und dem gebrochenen Kapitän Ahab sind sie mal Reling, mal Krücke. Als „das große Leichentuch der Meere” ihn schließlich unter sich bedeckt hat, lässt der minutenlange Applaus nur eine Frage offen: Wie bekommt man den Wal nun wieder aus dem Mörgens heraus?

Weitere Termine: 12., 17. und 20. November, 20 Uhr.
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