Dürener Klaus Dauven „zeichnet“ Bilder mit dem Staubsauger

Von: Eckhard Hoog
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Kohlezeichnungen von Architekturen, die mit dem Staubsauger entstanden: Diese Werke des Dürener Künstlers und Lehrers Klaus Dauven präsentiert der Raum für Kunst ab Freitagabend bis zum 21. März in der Aachener Elisen-Galerie. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Er fabriziert die größten Zeichnungen der Welt – auf Staumauern, Brücken, Fassaden und Monumenten, bisweilen ab 8000 Quadratmeter aufwärts: der Dürener Künstler und Gesamtschullehrer Klaus Dauven.

Seit 2007 ziert sein „Wildwechsel“ den Betonkoloss der Oleftalsperre, seit 2008 ein Blütenzauber den Matsudagawa-Staudamm in Japan, seit 2012 ein Tiger den Chung-Ju-Staudamm in Korea. Sein „Zeichenstift“: der Hochdruckreiniger, mit dem er Bilder in die schmutzige Patina der Mauern fräst. Dauven erfand die Technik 1997, der Begriff „Reverse Graffiti“ (umgekehrte Graffiti) hat sich als Begriff für diese Art Kunst international durchgesetzt. „Wegnehmen statt auftragen“, lautet dabei die Devise.

Im vergleichsweise kleinen Format von zwei bis drei Quadratmetern präsentiert er in dem jetzt von Helga Scholl geführten Raum für Kunst in der Elisen-Galerie in Aachen eine produktive Kehrtwendung: Nicht mehr die Architektur wird Träger seiner bildlichen Visionen – diesmal ist es quasi umgekehrt: Dauven schafft Visionen von Architektur auf Papier und bleibt dabei seiner Technik dennoch treu. „Wegnehmen statt auftragen“ bedeutet hier, eine vollständig mit Kohle schwarz gefärbte Fläche abzusaugen – mit dem Staubsauger –, bis sich das Bild vollständig abzeichnet.

Was bleibt, sind bedrohlich wirkende Silhouetten von Architekturen, die an Industriezusammenhänge erinnern: Fördertürme, Zechengebäude, aber auch Kraftwerke und Wachtürme. Dauven dekliniert sein Thema variantenreich durch – mal bildet die abgesaugte Fläche den unbestimmbaren Hintergrund, mal die monströsen, grauen Bauten selbst.

Der Künstler bastelt sich die Staubsaugerdüsen zurecht, bis sie den gewünschten Effekt erzeugen. Rautenformen bewirken zum Beispiel einen dreidimensionalen Eindruck von Würfelblöcken, aus denen Gebäude zusammengesetzt sind.

Das Material Kohle passt bestens zu den Motiven – der raue Rohstoff bildet Umschreibungen von heimatlichen Eindrücken ab, die sich im Gedächtnis eingebrannt haben: das Kraftwerk Weisweiler, die Grube Anna in Alsdorf und Ähnliches.

285 Meter hohe Staumauer

Im August seilt sich Klaus Dauven dann wieder an einer Staumauer ab – und übertrifft sich diesmal selbst: Die Grande Dixence im Kanton Wallis in der Schweiz ist mit 285 Metern die höchste Gewichtsstaumauer der Welt. Mit 15 Millionen Tonnen ist sie schwerer als die Cheops-Pyramide. 700 Meter misst sie von einem bis zum anderen Ufer. Dauven wird ihr ein Kunstwerk auf Zeit in ihre Patina einspritzen: den Kopf eines Steinbocks.

Fünf Wochen sollen die akrobatischen Arbeiten am Seil in Anspruch nehmen. Technisch bewerkstelligt mit Lasern, die Orientierungspunkte auf der Mauer markieren, die mit einer Art Knetgummi fixiert werden. Und dann heißt es für den Kletterer Dauven: Wasser marsch!

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