Aachen - „Dream A Little Dream”: Helen Schneider begeistert in St. Paul

„Dream A Little Dream”: Helen Schneider begeistert in St. Paul

Von: Mischa Wyboris
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Sehnsuchtsvoll und stimmgewaltig: Helen Schneider mit Band in der Aachener Kirche St. Paul. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Irgendwann”, sagt Helen Schneider über den Blues, „habe ich eine ganz andere Musik entdeckt. So pur, so einfach, so ehrlich, so traurig - sie hat mein Leben verändert.” Nicht bei allen Interpreten klingt dieser Satz gehaltvoll, dem Klischee mit Eleganz entkommen.

Helen Schneider nimmt man ihn fraglos ab. Zu groß ihr Erfahrungsschatz als Sängerin, Schauspielerin, Musicaldarstellerin, zu groß die Bandbreite ihrer musikalischen Genres. Und so nimmt sie ihr Publikum an die Hand und entführt es auf eine Reise in ihre ganz persönliche Vergangenheit, die so viel mehr zeigt als den Blues.

„Across the borders” heißt das Aachener Kulturfestival, bei dem Helen Schneider die Grenzen des Machbaren überschreitet und die akustisch anspruchsvolle Kirche St. Paul mit ihrem Programm „Dream A Little Dream” verzaubert. Watteweich und schwerelos nimmt der Traum Gestalt an, entführt in längst vergangene, nie vergessene Zeitwelten. Der „Cabaret”-Star, die „Rock´n´Roll Gypsy”, das „Sunset Boulevard”-Genie - die 56-Jährige weiß viel über ihre „Obsession mit Liedern und das, was Lied sein kann”, zu teilen.

„Some Cats Know” wild und grotesk, „Only You” ganz jazz-balladesk, „My Heart Belongs To Daddy” burlesk - sie säuselt und schluchzt, sie flüstert und flucht, sie lamentiert und bekennt, sie beschwört und betört.

„Ich habe mein Leben lang probiert, Lieder zu finden, die autobiografische Qualität haben”, verrät die gebürtige New Yorkerin, während sie und ihr Trio „M´Jobi” um Bassist Mini Schulz, Gitarrist Jo Ambros und Drummer Obi Jenne The Platters, Peggy Lee, Bob Dylan und all´ die anderen Großen des „American Songbook” in schlafwandlerische Sphären hebt.

„In My Solitude” im vollbesetzten Gotteshaus - man glaubt ihr jede Sekunde ihrer Einsamkeit, mit zaghafter Stimmgewalt wogen ihre wehmütigen Worte durch die Weiten des Gewölbes. „In den letzten Jahren habe ich etwas gemacht, von dem ich immer versprochen habe, es nie zu tun: Ich bin nachdenklich geworden”, gesteht Schneider und lässt alle teilhaben an der unstillbaren Sehnsucht nach jenen Kindertagen.

Bei Udo Lindenbergs „I Want To Be A Child Again” möchte man nie wieder aus dem Schlaf gerissen werden, doch „it´s like waking up in the morning”, haucht Schneider traurig - am Ende wacht man immer wieder auf. Aber nicht an jenem Abend. Traumhaft. Heute geht es weiter mit „Across the borders”. Um 20.30 Uhr ist Weltklasse-Percussionist Trilok Gurtu mit seinem Ensemble zu Gast in der Kirche St. Paul an der Jakobstraße.
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