Monschau - Dramatische Liebe: Monschau Klassik mit „La Bohème” eröffnet

Dramatische Liebe: Monschau Klassik mit „La Bohème” eröffnet

Von: Andreas Gabbert
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Oper mit Feuerspucker: Puccinis „La Bohme” eröffnete am Wochenende die Monschau Klassik 2010. Foto: Andreas Gabbert

Monschau. Inga Hilsberg möchte jetzt alleine sein, mit niemandem reden müssen. Jetzt muss sie sich konzentrieren. Gleich wird die 37-Jährige den Auftakt der Open Air Festspiele hoch oben auf der Monschauer Burg dirigieren, und heute steht ihr liebstes Stück auf dem Programm: Giacomo Puccinis „La Bohème”.

Während das Publikum draußen langsam die Plätze einnimmt, hat sich die zierliche Frau ins Innere der Burg zurückgezogen. Sie schminkt sich, bindet die roten Haare zu einem Zopf nach hinten, genehmigt sich noch einen Kaffee und tritt in die laue Sommernacht hinaus.

Ganz in Schwarz gekleidet wartet sie mit verschränkten Armen auf das Ende der Ansprache der Bürgermeisterin. Dann hebt der Oberspielleiter den Daumen, die Chef-Dirigentin der Kammeroper Köln erwidert das Signal, der direkt auf das Dirigentenpult gerichtete Scheinwerfer geht an, und es kann losgehen.

Den Taktstock in der einen Hand, den Rock in der anderen, erklimmt sie die Stufen, verneigt sich vor dem Publikum und wendet sich ihrem Orchester, den Kölner Symphonikern, zu. Inga Hilsberg ist nun ganz in ihrem Element. Der ganze Körper wiegt sich im Takt der Musik. Jede Faser ist angespannt, trotzdem wirkt alles leicht und locker. Die Hände bewegen sich, als würde ein Geiger mit dem Bogen über die Saiten streichen. Das Orchester und die Schauspieler folgen ihrer Gestik und Mimik ganz genau.

Die Kulisse auf der Monschauer Burg ist einmalig, aber auch eine Herausforderung für die Musikalische Leiterin und ihr Team. Die Veranstaltungen unter freiem Himmel stellen andere Ansprüche an die Akustik als in anderen Theatern. Hinzu kommt, dass die Dirigentin zwei Arbeitsfelder im Blick behalten muss.

In Monschau liegt der Orchestergraben nicht direkt vor der Bühne, sondern seitlich davon. Während auf der Bühne eine der dramatischsten Liebesgeschichten der Opernliteratur ihren Lauf nimmt, ist Inga Hilsberg im Kopf immer schon einen Schritt voraus, gilt es doch, im entscheidenden Moment die richtigen Akzente zu setzen.

Nachdem das Stück sein Ende gefunden hat und endlich der verdiente Applaus des Publikums aufbraust, fällt die Anspannung von der Dirigentin ab. Jetzt strahlt sie über das ganze Gesicht. Sichtlich stolz und erleichtert lässt sie sich mit den anderen auf der Bühne feiern - das ist die erste kleine Belohnung für vier Monate harte Arbeit und Vorbereitung.
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