Aachen - „Dinner für Spinner” am Grenzlandtheater

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„Dinner für Spinner” am Grenzlandtheater

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
Boulevard vom Feinsten: Karl-H
Boulevard vom Feinsten: Karl-Heinz Dickmann (oben) und Axel Gottschick in „Dinner für Spinner”. Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. Die Bühne präsentiert eine elegante Wohnung mit großflächiger moderner Kunst samt einem Pferd im Flur (Bühne/Kostüme: Manfred Schneider). Gebannt schaut man auf die Hippo-Plastik, als sich hinter der Couch ein stöhnender Mensch aufzurichten versucht. Den Verleger Brochant quält ein Hexenschuss.

„Sag den Abend ab”, rät ihm Ehefrau Christine, die schnell merkt, dass der Gatte auf das „Dinner für Spinner” nicht verzichten will. Dieses eher perfide Spiel bringt allwöchentlich einige wohlhabende Freunde zusammen, die einen möglichst schrulligen und begriffsstutzigen Gast einladen, um ihn regelrecht vorzuführen. Wer den „größten Idioten” einlädt, gewinnt in diesem makabren Wettbewerb.

Treffsichere Dialoge, glänzend ausgespielte Situationskomik und französischer Charme machen Francis Vebers spritzige Komödie im Aachener Grenzlandtheater zum ungetrübten Vergnügen. Denn Brochant, fein hinterhältig von Axel Gottschick verkörpert, kommt gar nicht zum Absagen.

Er wird vom plötzlichen Besuch „seines” Gastes Pignon überrascht, eines etwas trotteligen, herzensguten Finanzbeamten, der nicht nur mit seinem Hobby (Streichholz-Modellbauten) alle nervt. Karl-Heinz Dickmann, am Grenzlandtheater in guter Erinnerung, verkörpert den einsamen Spinner, der mit seiner Hilfsbereitschaft immer mehr Unheil anrichtet, herrlich lebensecht und köstlich, ohne jede Übertreibung und mit einer feinen Prise Melancholie.

Erfrischend unverkrampft

Das Duo Brochant/Pignon könnte fast allein den turbulenten Abend bestreiten, doch natürlich kommen noch einige Figuren hinzu. In einer Doppelrolle ist die vielseitige Marie-Louise Gutteck zu sehen: als Brochants Ehefrau Christine und als „durchgeknallte” Marlene, die für weitere Turbulenzen sorgt. Peter Anders imponiert als rühriger Finanzbeamter und Kollege von Pignon ebenso wie als gehörnter Ehemann. Thomas Krause als Arzt und André Ebert als Freund und Nebenbuhler des Verlegers komplettieren das perfekte Ensemble.

Frank Voß hält in seiner erfrischend unverkrampften Inszenierung alle Fäden zusammen - Boulevard-Theater vom Feinsten. Elegant kreist das Stück auch um Themen wie Frauen, Ehen und Liebschaften. Selbst das Telefon spielt eine wichtige Rolle: Hier kann sich der spinnerte Pignon glänzend entfalten, seinem Gastgeber helfen und sogar schweizerisch parlieren. Um dann doch durch kleine Versprecher große Katastrophen herbeizuführen. Doch am glücklichen Ende ist nicht der einsame Pignon der größte Trottel.

Begeisterter Applaus für alle Beteiligten und den höchst gelungenen Saisonabschluss im Grenzlandtheater.

„Dinner für Spinner”ist noch bis zum 10. Juli im Aachener Grenzlandtheater in der Elisen-Galerie und in Spielstätten der Region zu sehen. Kartentelefon: 0241/4746111
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