Dortmund - Diese satirische Henze-Oper hat noch immer Biss

Diese satirische Henze-Oper hat noch immer Biss

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
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Der Punk-Affe als Lord: Hannes Brock (Sir Edgar), Simon Neal (Sein Sekretär), Jeff Martin (Lord Barrat) und Chor. Foto: Schmidt

Dortmund. Das Jahr 2010 wirft seine Schatten voraus. Die universale Retrospektive des Hauptwerks von Hans Werner Henze im Rahmen der Feiern zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010 eröffnete die Dortmunder Oper mit einer überaus vitalen und geistreichen Produktion von Henzes böser Spießer-Satire „Der junge Lord”.

In ihr dreht sich alles um eine marode deutsche Kleinstadt, die sich vom Geldsegen eines englischen Lords Rettung verspricht. Dieser entpuppt sich letztlich aber leider als kostümierter Affe.

Intendantin Christine Mielitz passt sich dem federleichten, messerscharf pointierten Tonfall der locker wie aus dem Handgelenk geschüttelten Musik Henzes an und inszeniert das temporeiche Vexierbild eines imaginären Krähwinkels mit all seiner Bigotterie und seinem latenten Chauvinismus.

Die Produktion überzeugt nicht zuletzt durch ihre handwerkliche Professionalität, mit der Christine Mielitz die Solisten und den Chor führt.

Behutsame Bezüge zum blinden Starkult unserer Zeit etwa durch die Ähnlichkeit des blaublütigen Affen mit Tokio-Hotel-Zugpferd Bill werden geschickt geknüpft.

Das scheinbare Kleinstadt-Idyll, das nicht erst durch offen ausbrechende Aggressionen gegen einen Schwarzen deutliche Risse erhält, wird optisch verstärkt durch die pittoresk illustrierten Bühnenbilder von Kaspar Glarner und Lasereffekte, mit denen fahrende Autos und knallende Sektkorken auf die Zwischenvorhänge projiziert werden. Und zwar mit der Absicht, die Risse in der heilen Welt umso schärfer herauszufiltern.

Nach Strawinskys „The Rake´s Progress” erweist sich GMD Jac van Stehen mit Henzes Satyricon erneut als kompetenter Anwalt für die komplexe, aber nicht abschreckende Tonsprache gemäßigt modernen Musiktheaters.

Der Dirigent setzt auf rasante Tempi und ein glasklares Klangbild. Auch wenn die Dortmunder Philharmoniker in Sachen Präzision bisweilen noch an ihre Grenzen stoßen, gelingt insgesamt eine hochwertige musikalische Interpretation aus einem Guss.

Dazu tragen auch die exzellenten Solisten der Dortmunder Oper bei, die dieser Ensemble-Oper par excellence mit ihren 23 Partien nichts schuldig bleiben.

Einhelliger Beifall für einen kurzweiligen und pfiffigen Theaterabend, der die Henze-Feiern zum Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr würdig einleitete. Die nächsten Aufführungen im Dortmunder Theater am 31. Mai sowie am 19. Juni.
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