Monschau - Die Monschauer Kunst-Legende lebt wieder auf

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Die Monschauer Kunst-Legende lebt wieder auf

Von: Eckhard Hoog
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Pioniere der Freiluftkunst: Ka
Pioniere der Freiluftkunst: Kaspar Vallot (links) und Klaus Honnef, damals Redakteure der „Aachener Nachrichten” veranstalteten 1970 in Monschau die Schau „Umwelt-Aktzente”. Eine Ausstellung mit Tafeln an Originalschauplätzen und Fotografien von Angelika Platen erinnert ab heute an das Ereignis. Foto: Peter Stollenwerk

Monschau. Die Veteranen amüsieren sich königlich. 41 Jahre, nachdem Kaspar Vallot und Klaus Honnef, damals kunstsinnige Redakteure der „Aachener Nachrichten”, in Monschau die weltweit erste Open-Air-Ausstellung internationaler Außenkunst veranstalteten, schreiten beide die historische Meile in den Gassen der Altstadt noch einmal ab.

„Hier stand Hingstmartins Fußgängerfalle”, erinnert sich Vallot: ein Käfig mit zwei Türen. Wer einmal hineinging, kam nicht mehr hinaus - jemand von draußen musste helfen, um eine der Türen zu öffnen. Vallot lacht: „Hier traf ich am Morgen den Kreisbrandmeister, der brüllte mir auf Platt entgegen: Was Kunst ist, weiß ich nicht, aber dass das keine Kunst ist, das weiß ich!”

Heute polarisiert die legendäre Monschauer Schau „Umwelt-Akzente. Die Expansion der Kunst” nicht mehr - im Gegenteil. Ab Samstag erinnert eine Retrospektive in dem Eifelstädtchen an jene kurze Zeit, als Monschau Kunstgeschichte schrieb.

Ein Glücksfall will es, dass im Juni 1970 nicht nur die Herald Tribune einen Korrespondeten in die Eifel schickt: Die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit” beauftragt die junge Fotografin Angelika Platen, die später zu der deutschen Künstlerporträtistin schlechthin avancieren soll, mit einer Fotoreportage von den „Umwelt-Akzenten”.

Und so sind die einmaligen Momente nun in Schwarzweiß noch einmal in ihren Fotos nachzuerleben: Wie zum Beispiel die Münsteraner Künstlerin Rune Mields eine Gasse weiß angestrichen hat - nach einem Entwurf von Günther Uecker. Selbst war der gar nicht in Monschau, ist bei der Gelegenheit jetzt herausgekommen. Aus Marrakesch schrieb er damals einen Brief an Vallot mit einer zu seinem Beitrag. „Wir haben ein Schild aufgestellt Frisch gestrichen”, erzählt Honnef, der ab 1974 25 Jahre lang die Ausstellungen im rheinischen Landesmuseum Bonn leitete. „Aber die Monschauer sind munter durchmarschiert - die wollten sich ärgern!”

Vieles wurde zerstört

Viele der kanpp 40 Exponate sind damals von Jugendlichen mehrfach zerstört worden. Der Ur-Monschauer Vallot: „Heute weiß ich, dass die von honorigen Bürgern mit Bierkästen als Lohn dazu ermuntert wurden.” Das Konzept der Veranstalter wie der beteiligten Künstler war damit erfolgreicher aufgegangen als geahnt: In der „Verstörung” des Gewohnten lag das erklärte Ziel der „Umwelt-Akzente” - mit Objekten im öffentlichen Raum, die eben nicht an nationale, historische Triumphe oder allgemeines großes Scheitern erinnern sollten wie bis dato in der Denkmalstradition üblich. Allerdings: Die „Verstörten” gingen zum Gegenangriff über und zerschnitten zum Beispiel zweimal das Tau, das der Düsseldorfer Erich Reusch von der Kirchturmspitze bis zum Boden gespannt hatte, zum Glück war der Hausmeister der Realschule des Spleißens kundig und reparierte den Schaden.

An 33 Plätzen in den Monschauer Gassen erinnern jetzt während der Ausstellungszeit große Tafeln mit Reproduktionen aus dem Originalkatalog an die damaligen Exponate. Von denen hat lediglich eine dauerhaft haltbare, monumentale Stahlskulptur von Alf Lechner die Zeit überlebt, sie steht jetzt vor dem Aukloster und ist bei den Touristen bereits ein beliebtes Fotomotiv geworden.

Als „Original” darf auch ein Objekt des Hannoveraners Georg Mika gelten: Der schickte, nachdem sich die geplante Monschauer Aktion in der deutschen Künstlerszene in Windeseile herumgesprochen hatte, Klaus Honnef, quasi als „Bewerbungsschreiben” - einen weiß bemalten Gullydeckel. einen ebensolchen arbietete er dann in Monschau mittels Farbe zu einem Kunstwerk um.

Die Fotografien von Angelika Platen dokumentieren anschaulich, wie die Künstler in den Monschauer Gassen und auf den Plätzen gearbeitet haben. In den Vitrinen findet sich mancherlei Korrespondenz zwischen den Beteiligten. Rührend: „40 bis 80 DM” würde sein Beitrag kosten, vor allem für Schlämmkreide, schreibt Gerhard Trommer.

Verblüfft und hocherfreut über den Enthusiasmus, mit dem Monschauer Bürger die Retrospektive jetzt mithelfen vorzubereiten, ist Klaus Honnef. Ken Wunder: Selbst Margareta Ritter putzt die Vitrinen und hilft mit, die Bilder aufzuhängen. Seit 2009 ist sie die Monschauer Bürgermeisterin (CDU). Sie hat Kaspar Vallots Initiative zu dieser Retrospektive gerne aufgenommen und unterstützt sie nach Kräften. „Uns hat damals der Weitblick gefehlt”, sagt sie stellvertretend für ihre Vorgänger, die die Open-Air-Kunst in Monschau selbst nach Christos spektakulärer Verpackungs-Aktion an der Rur 1971 schnell wieder sterben ließen. Ritter: „Das war eine große Chance.”

Die Eröffnung findet am Samstag um 15 Uhr statt

Ausstellung „Retrospektive. Umwelt-Akzente 1970-2011 Monschau”, Aukloster Monschau und Außenraum in der Altstadt.

Fotografien von Angelika Platen zeigen die damaligen Künstler bei der Arbeit, Tafeln die Exponate am ursprünglichen Standort.

Eröffnung: Samstag 15 Uhr, im Aukloster, Austraße 7. Viele Künstler von damals wie Rune Mields und HA Schult haben zugesagt zu kommen.

Dauer: bis 30. September (Di.-Fr. 14-18, Sa./So. 11-18 Uhr).

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