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„Die kleine Hexe“ bringt die kleinen Zuschauer zum Toben

Von: Andrea Zuleger
Letzte Aktualisierung:
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Gefiederter Gefährte: Robert Seiler als der Rabe Abraxas ist die zweite Hauptfigur in der „Kleinen Hexe“. Foto: Marie-Luise Manthei
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Heute ist Walpurgisnacht: Die kleine Hexe (Nele Swanton, links) muss mit ihrer Hexenkunst vor dem Ältestenrat bestehen. Foto: Marie-Luise Manthei.

Aachen. „Des is a Gaudi“, würde wohl der bayerische Bürgermeister als Zuschauer in der „Kleinen Hexe“ sagen, wenn er nicht gerade auf der Bühne stehen würde und Schützenkönig werden wollte. In schnellem Tempo ging es am Freitag im Großen Haus des Theaters Aachen durch die Geschichte der kleinen Hexe nach dem Kinderbuchklassiker von Otfried Preußler.

Unmittelbarer bekommt wohl kein Schauspieler Rückmeldung auf sein Spiel als an dem alljährlichen Premierentag des Familienstücks. Da wurde gejohlt, gewarnt, gebrüllt, gesungen: Die Kinder gingen fast über die Bänke vor Aufregung und Mitgefühl mit der kleinen Hexe und ihrer Prüfungsangst.

Zeitweise war es für die freudig-gelassene Hauptdarstellerin Nele Swanton und ihren tierischen Freund, den Raben Abraxas (Robert Seiler), schwierig, sich stimmlich gegen das tobende Publikum zu behaupten. Zumindest für den Raben Abraxas könnte das jedoch unter Umständen sogar nützlich sein, so kann er in der nächsten Vorstellung noch authentischer vor sich hin krächzen.

Ein windschiefes Häuschen steht am Anfang auf der Bühne. In ihm wohnt die kleine Hexe mit Abraxas und bereitet sich seit einem Jahr sieben Stunden täglich auf die Hexenprüfung vor. Jetzt ist endlich der große Tag gekommen: In der Walpurgisnacht soll die kleine Hexe, die erst 127 Jahre alt und damit noch „grünes Gemüse“ ist, unter den strengen Augen der Oberhexe (Elke Borkenstein), der Hexe Rumpumpel (Mirko Roggenbock) und der anderen Hexen beweisen, dass sie eine gute Hexe geworden ist. Doch darüber, was eine gute Hexe ausmacht, gibt es ein grundsätzliches Missverständnis in der Welt der kleinen Hexe. Denn sie glaubt, sie müsse Gutes tun, um eine gute Hexe zu sein, während die echten Hexen das Gute verabscheuen...

So ist die Botschaft auf der Bühne und im Kinderbuchklassiker gleich: Sei du selbst und glaube an dich. In fünf Rückblicken wird diese Botschaft auf der Bühne immer wieder variiert. Da trifft die kleine Hexe auf fröstelnde Holzsammlerinnen, die vom Förster verjagt werden, auf zwei Kinder, die von Jugendlichen beim Schneemannbauen gestört werden, auf eine arme Blumenverkäuferin, der sie helfen kann. Und schließlich gerät sie auch noch in ein bayerisches Schützenfest und rettet dabei ein armes Rindvieh vor der Schlachtung – eine Szene, die mit der Parodie vor allem den Erwachsenen Spaß machen dürfte.

In abgewandelter Form ist es auch bei Otfried Preußler so, dass die kleine Hexe die wichtigsten Prüfungen nebenbei im Leben besteht, ohne es zu merken. Und dass die Hauptprüfung in der Walpurgisnacht vor dem Ältestenrat eigentlich eine Farce ist. Doch gegen die atemlose Inszenierung von Dora Schneider, in der sich die Hexe und Abraxas nach jeder guten Tat in Rapper-Manier abklatschen, ist Otfried Preußlers Geschichte aus den 50ern nahezu gemächlich-langweilig.

Die Fülle an Rückblicken, die vielen Bühnenbilder (Katharina Polheim) verleihen der Aufführung ein ungemeines Tempo, auf das sich die Zuschauer erst einmal einstellen müssen. Eine Menge Lichteffekte, Gags, Kostüme (Renate Schwietert), Zeitsprünge und Figuren, das alles treibt auf das große Finale der Walpurgisnacht zu. Sogar die erstaunlicherweise spärlicher als sonst eingesetzte Musik von Malcolm Kemp (auch vom Band immer wieder mitreißend) bricht manchmal unvermittelt ab. Die nächste Szene wartet schon, das Geschehen drängt weiter Richtung Hexentanz.

Kurz vor der Walpurgisnacht (nach der Pause) wird es dann deutlich entspannter. Die Kinder hören auf zu zappeln und lassen sich ganz auf das Stück ein. Die Hexenprüfung direkt nach der Pause gehört dann auch zu den besten Szenen – allein die Hexen, allen voran die Kräuterhexe (Markus Weickert), die ein bisschen wie ein bekiffter Campino aussieht, sind einen Besuch wert.

Zauberhafte Musik, ein wunderbares Tänzchen der alten Hexen, ein bisschen Abrakadabra der kleinen Hexe – dann ist der Spuk auch schon vorbei. 870 Kinder könnene_SSRqs kaum fassen. Zu Ende? Weil das Finale für sie so unerwartet schnell kommt, vergessen sie fast, laut genug zu klatschen, damit die Schauspieler noch ein Lied als Zugabe geben. Aber eine Gaudi ware_SSRqs schon.

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