Deutsch hat Dionne Warwick von Marlene Dietrich gelernt

Von: Michael Loesl
Letzte Aktualisierung:
Die Kurpark Classix in Aachen
Die Kurpark Classix in Aachen präsentieren: die legendäre amerikanische Sängerin Dionne Warwick. Sie wird am 4. September bei „Classix And Friends” auftreten. Foto: imago stock & people

Aachen. Laut einer Statistik des amerikanischen „Billboard”-Magazins gehört Dionne Warwick zu den 20 wichtigsten Hit-Garanten der Populärmusik der letzten 60 Jahre. Nur Aretha Franklin konnte mehr Single-Hits als Warwick in den Top 100 der amerikanischen Charts seit Aufzeichnungsbeginn 1955 verzeichnen.

Umso beachtlicher ist es, dass die Sängerin für die Kurpark Classix (3. bis 5. September) in Aachen gewonnen werden konnte, wo sie am Samstag, 4. September, um 20 Uhr am Abend von „Classix And Friends” auftreten wird.

Die 69-Jährige betrachtet ihre Popularität rückblickend pragmatisch. „Meine Stimme ist ein Geschenk Gottes, mit der ich Leute berühren und glücklich machen sollte. Jedenfalls betrachtete mein Großvater mein Talent als Gottesgeschenk. Er wusste vermutlich wovon er sprach, er war nämlich Pastor.” Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, weil sie ihren Ruhm, ganz unchristlich, durch eine Dreiecksbeziehung erlangte. Eine rein platonische, weil ausschließlich kreative, versteht sich.

Ihr Superhit: „Walk On By”

Burt Bacharach, neben Gershwin und Cole Porter unbestritten einer der Melodiengeber und Komponisten der Popmusik schlechthin, suchte gemeinsam mit seinem Songtexter-Kollegen Hal David Anfang der sechziger Jahre eine Interpretin für die ersten selbst verfassten Songs. Damals war Bacharach gerade aus Europa, wo er als musikalischer Leiter von Marlene Dietrich arbeitet, nach Amerika heimgekehrt und fand in Dionne Warwick eine stimmliche Verlängerung seines musikalischen Sendungsbewusstseins, die sowohl ihn selbst, als auch seinen Texter und vor allem seine Sängerin unsterblich gemacht hat.

„I Say A Little Prayer”, „Do You Know The Way To San José” und „Walk On By” - Klassiker, denen wegen ihrer gleichzeitigen leichten Verständlichkeit das Etikett „Easy Listening” angehangen wurde. „Ich habe nach wie vor kein Problem mit dieser Bezeichnung. Musik muss nicht schwierig daherkommen, um gehaltvoll sein zu können. Die Kunst des Songschreibens besteht ja vor allem darin, etwas einfach klingen zu lassen, was eigentlich komplex ist”, sagt Warwick und erinnert sich an den einzigen deutschsprachigen Song, den sie jemals aufnahm. „Geh vorbei”, die deutsche Version von „Walk On By” war eine echte Herausforderung für Warwick, wie sie sich erinnert.

„Ich habe die deutsche Version nie live gesungen, weil ich mit den deutschen Lauten, die uns Amerikanern sehr fremd sind, nie zurechtkam. Die Studioaufnahmen waren allerdings eine Freude, weil meine Deutschlehrerin Marlene Dietrich höchstpersönlich war. Burt Bacharach hatte uns miteinander bekannt gemacht und sie paukte solange das deutschsprachige Lied mit mir, bis ich es singen konnte. Trotzdem war ich mit meiner Darbietung unzufrieden, weil man meinen Akzent viel zu deutlich heraushören konnte. Aber Marlene war eine ganz tolle, weil geduldige Mentorin.”

Welche Relevanz „Walk On By” noch heute, mehr als vier Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung, hat, wurde Warwick, der Cousine von Whitney Houston, vor ein paar Jahren bewusst, als Barack Obama in ihrer früheren Highschool auftauchte und die Sängerin im Publikum ausspähte. „Ich war gerührt, als er den Song anstimmte und ihn mir zu Ehren sang. Obama ist als Sänger gar nicht mal schlecht, aber vor allem als Politiker ist er das Beste, was uns nach Bush passieren konnte. Ich unterstützte ihn selbstverständlich, weil er sich für den Kampf gegen Aids und Hunger engagiert, Punkte, für die ich mich selbst seit Jahren stark mache.”

Als Botschafterin der Vereinten Nationen für Lebensmittel und Landwirtschaft tritt Warwick seit mehr als einem Jahrzehnt für die gerechte Verteilung von Grundnahrungsmitteln und Hilfe zur Selbsthilfe für so genannte Drittwelt-Länder ein und ist seit ihren Besuchen in Ländern, die von Hungersnot betroffen sind auch im Kampf gegen Aids aktiv.

„Ich kann meine Stimme einsetzen um andere Menschen mit meinem Gesang fühlen zu lassen. Aber manchmal helfen auch die beseeltesten Töne nicht, wenn die Hoffnung auf Linderung von Hunger und Krankheit zusehends schwindet. Deshalb beschloss ich irgendwann meine Popularität dafür zu nutzen, auf die Nöte in der Welt aufmerksam zu machen in dem ich in Gebiete reise, in denen die Nöte am größten sind.” Der Song „That’s What Friends Are For”, den Warwick zusammen mit Stevie Wonder und Elton John einspielte, war zwar ihr letzter wirklich großer Hit, aber ihre Langlebigkeit und Zeitlosigkeit wird auch heute noch jeden Tag deutlich, wenn ihre Gemeinschaftshits mir Bacharach rund um den Globus im Radio gespielt werden.

Von Gospel geprägt

„Mein Gesang ist von der Gospel-Tradition geprägt worden und ich glaube, dass Spiritualität nie aus der Mode kommt. Ich mache keine Gedanken mehr um Hits und Charts. Mir geht es nur noch darum die Seelen meiner Zuhörer in Konzerten zu berühren. Ich hoffe, dass ich bei meinem Konzert in Aachen das Leben meiner Zuhörer für einen Abend bereichern kann.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert