Der Zug rollt, jetzt fehlen noch die Passagiere

Von: Hermann-Josef Delonge
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Maastricht. Man braucht noch einiges an Fantasie, um sich das vorzustellen: Kulturhauptstadt Europa Maastricht & Euregio Maas/Rhein 2018. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Und die Konkurrenz in den Niederlanden - das Land wird mit Malta die beiden Kulturhauptstädte stellen - ist mit Den Haag, Utrecht sowie Brabant mit Eindhoven als „Bannerträger” und Leeuwarden mit der Provinz Friesland groß und prominent.

Die Euregio war in der ersten Phase der Bewerbung nicht unbedingt vorneweg. Doch jetzt, sagen Huub Smeets, Vorstandsvorsitzender der die Bewerbung tragenden Stiftung VIA 2018, und deren künstlerischer Direktor Guido Wevers, „sind wir zumindest gleichauf”. Am Mittwoch wurde in Maastricht die erste Version der Bewerbungsschrift vorgelegt. Jürgen Linden, Alt-Oberbürgermeister der Stadt Aachen und Aufsichtsratsvorsitzender der Stiftung, packte es in dieses Bild: „Der Zug ist auf die Schiene gesetzt und in Bewegung. Die Zugführer sind schon länger da. Jetzt werden wir dafür sorgen, dass auch Passagiere zusteigen.”

Passagiere, das sind die rund 3,9 Millionen Menschen, die zwischen Lüttich, Aachen, Sittard und Hasselt mit Maastricht im Zen- trum - auch der Bewerbung - leben. Das sind letztlich aber auch die Mitglieder der Jury, die über die Vergabe des Titels entscheidet. Sie werden sich mit dem Slogan „Europa wiederentdecken” anfreunden müssen, denn so lautet das Leitmotiv der Euregio-Bewerbung. „Wir wollen 2018 - gut 25 Jahre nach Unterzeichnung des Maas- trichter Vertrages - einen neuen Kulturvertrag für Europa schließen”, sagte Wevers. „Und wir werden die kulturelle Vielfalt der Euregio nutzen, um eine europäische Identität zu formen.” Für Linden ist diese Vielfalt das Alleinstellungsmerkmal der Bewerbung - egal, wie schwierig die grenzüberschreitende Zusammenarbeit manchmal sei. Die Euregio Maas/Rhein als „Labor für Europa” - kein neuer Gedanke, aber in einer Zeit, in der die „Zweifel am Zukunftsprojekt Europa” (Linden) wachsen, naheliegend. Vier Programmlinien sind im Bidbook formuliert:

„Speaking in Tongues” meint die Vielfalt der Sprachen: nicht nur Französisch, Deutsch oder Niederländisch, sondern auch Körper-, Bild-, Musik- und andere Sprachen. Denn: „Wir sprechen viele Sprachen und doch verstehen wir einander.”

„Remembering the Future” will die Städte, Landschaften, Bräuche, Industrien und Rituale der Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft verbinden. „Wir erinnern uns daran, woher wir kommen und wohin wir gehen.”

„Mirroring Europe” steht für die Öffnung des Horizonts nach Europa mit den Mitteln der Künste und die Verbindung mit anderen Regionen über Kooperationen. „Hier machen wir Europa konkret.”

„Living Europe” reflektiert, wie die Zukunft aussehen könnte, wenn vielfältige kulturelle Identitäten Bestand haben. „Wir wollen die Vision ,Europa leben verwirklichen helfen.”

Der Kulturbegriff soll weit gefasst werden: Städtebau, Kommunikation, Transport, Bildung, Wissenschaft gehören genauso dazu wie die klassischen Künste. Die digitalen Medien werden bei alldem eine große Rolle spielen. Konkreter kann es erst später werden. Aber so viel ist klar: Es soll kein Festival geben, sondern ein mehrjähriges Projekt, das nachhaltig für den Wandel der Euregio wirken soll. Gesamtkosten von 80 Millionen Euro sind bis 2019 kalkuliert (je 20 Millionen von der Stadt Maas- tricht, der Provinz Niederländisch-Limburg und den Partnern der Euregio, je zehn Millionen von Sponsoren und der niederländischen Regierung). Jeder Euro soll mindestens sechs Euro wieder einbringen.

Die Stadträte der Partner werden nun die Bewerbungsschrift bis zum Juli genehmigen, Maastricht zieht im September nach. Ende Oktober muss das Bidbook bei der EU-Kommission eingereicht sein. Zwischen Ende 2012 und März 2013 wird die Bewerbung der 13-köpfigen Jury präsentiert. Dann entscheidet sich, ob die Euregio in die zweite Runde kommt. Ist dem so, kommt die Jury im September 2013 zu Besuch. Dann fällt das endgültige Votum.
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