Der Weg durch die Region ist das Ziel

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
8643420.jpg
Im Alsdorfer Energeticon werden auch die Bergbauvergangenheit und die alten Kohlezüge in der Stadt ein Thema für die Künstler sein: Heribert Leuchter (musikalischer Leiter), Katrin Hensz (Moderation), Jo Dautzenberg (Produzent) und „La Sirella“ (Fotografin, v.l.) machen sich etappenweise auf den „Weg nach Aachen“. Foto: Stefan Schaum

Aachen/Alsdorf. Den „Weg nach Heerlen“ hat Jo Dautzenberg schon hinter sich. Von Waubach aus hatte der Filmemacher sich 2011 aufgemacht. Waubach, ein niederländisches 3000-Seelen-Dorf an der Grenze, gleich neben dem noch kleineren Scherpenseel auf deutscher Seite.

„Ein richtiges Kaff“, sagt der Niederländer. Er sagt es nicht verächtlich. Eher liebevoll. Denn das Kaff ist auch Heimat. Seine Verbundenheit mit der Region hatte Dautzenberg in mehreren künstlerischen Etappen ausgelotet, die ihn bis nach Heerlen führten. Nun geht es weiter, bald beginnt der „Weg nach Aachen“. Mit großer Unterstützung.

Als musikalischer Leiter gehört Saxophonist Heribert Leuchter zu dem multimedialen Projekt. An fünf Orten in der Region werden Tänzer und Musiker auf der Bühne stehen. In Schulen, in alten Bergmannsgebäuden. An jeder Stelle wird es zudem Filmeinspielungen, Texte und Fotos geben. Alles mit Bezug zum jeweiligen Ort, zur jeweiligen Stadt. Auf diese Reihe passt der alte Spruch mal sehr gut: Der Weg ist das Ziel. Dass der Weg durch die Region führt, ist bloß das Äußerliche, das Sichtbare.

„Es geht hier auch um den Weg zu sich selbst“, sagt Dautzenberg, der im Vorgängerprojekt einiges über sich selbst erfahren habe. Das war überhaupt der Impuls, der das Ganze ins Rollen brachte. Schauen, wo man herkommt, und was das mit einem macht. „Ich lebe vielleicht am A . . . der Welt“, sagt er, „aber ich habe gemerkt, wie tief meine Wurzeln dort sind. Und dass ich sie mag, dass mich das Leben dort prägt und ausmacht.“

Ebenso wie beim „Weg nach Heerlen“ sind in den vergangenen Monaten Fotos und viele dokumentarische Filmszenen in der Aachener Region entstanden. Straßen sind zu sehen, Häuser und Felder und vor allem Menschen, die über das Leben dort sprechen. Natürlich steckt der europäische Gedanke im Projekt, doch den Begriff „euregional“ vermeiden die Macher. „Da ist immer noch ein Stück weit der Grenzgedanke drin“, sagt Heribert Leuchter. Und Grenzen wollen sie überwinden.

Die Seele einer Region freizulegen – das ist das Ziel des Projektes. Geschehen soll das an fünf Orten von Eschweiler bis Aachen auf der Bühne. Kunst in Serie – Leuchter und Dautzenberg sind zuversichtlich, dass viele Zuschauer nicht bloß einen Schritt mitgehen werden, sondern gleich alle fünf Aufführungen besuchen. „Dieser Fortsetzungsgedanke sorgt für eine besondere Theatralik“, sagt Leuchter.

An jedem Ort dabei ist Katrin Hensz, die vielleicht Schauspielerin ist, sich selbst aber lieber einen Paradiesvogel nennt. Die gebürtige Hannoveranerin hatte Jo Dautzenberg bei der Vorbereitung des Projektes für Heerlen kennengelernt. Dort inszeniert Hensz nächtliche Kulturhappenings. Beim „Weg nach Aachen“ wird sie auf der Bühne ein verbindendes Element zwischen Tanz, Musik und Film sein. „Wir wollen möglichst vielschichtig da rangehen“, sagt die gelernte Übersetzerin. „Das Ganze soll etwas für alle Sinne werden.“ Crossover sagte man früher zu solch formübergreifenden Ausdrucksmitteln der Kunst.

Zuschauer werden eingebunden

Beim „Weg“ ist wichtig, dass der Zuschauer besonders tief mit eingebunden wird. Heribert Leuchter: „Der ist nicht bloß Rezipient, der ist auch Lieferant.“ Gut möglich, dass mancher an den Auftrittsorten sitzt und sich auf der Leinwand als Protagonist in einer Filmeinspielungen sieht. Vieles wird improvisiert sein im Projekt, anderes abstrakt. Abgehoben aber nicht, sagt Leuchter. „Wir wollen eine Kunst präsentieren, in der sich das Publikum sehr direkt wiederfindet, das wird ganz leicht zugänglich sein.“

Nicht bloß als Produzent des Ganzen wird Jo Dautzenberg in Erscheinung treten. Auch als Gitarrist steht er auf der Bühne. Als Musiker sei er vor allem unverwechselbar, sagt Heribert Leuchter über ihn. „Er spielt Sachen, die nur er so spielen kann, die andere nicht wiederholen können.“ Nicht virtuos, sondern eigen. Eigenständig. Wie die Region, um die es geht. Die wollen sie zeigen und freuen sich über Begleiter. Jo Dautzenberg: „Ein schönes, glückliches, schicksalhaftes Gefühl – das kann der Weg sein.“ Der soll übrigens weitergehen. Auch nach Maastricht und Lüttich wollen die Macher in den kommenden Jahren etappenweise gelangen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert