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Der Virtuose zerschmettert mit seiner „Prank” alle Besonderheiten

Von: Alfred Beaujean
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Ob Frédéric Chopin am 22. Februar oder am 1. März geboren ist, darüber mögen die Gelehrten ewig streiten. Sicher ist, dass in wenigen Wochen sein 200. Geburtstag anstehen wird.

Die Meisterkonzertreihe im Aachener Eurogress zollte dem Jubiläum Beachtung: Alexei Volodin, der 33-jährige Starpianist aus St. Petersburg, gab einen ausschließlich Chopin gewidmeten Klavierabend. Er gehört nicht zu den modischen Klavier-Zelebranten.

Davor bewahrt ihn offenbar seine solide Moskauer Ausbildung. Er stellte sein Programm auch nicht auf Altbekanntes und Todsicheres ab. Im Gegenteil, man hörte weniger Bekanntes, so die gegenüber der b-Moll-Sonate mit dem schon abgehalfterten Trauermarsch die seltener zu hörende Sonate h-Moll op. 58 als abschließendes Hauptwerk.

An der pianistischen Könnerschaft Volodins ist kein Zweifel erlaubt. Nur hatte man an diesem Abend manchmal den Eindruck, dass diese Könnerschaft in Routine abgleitet. Das war vor allem der Fall bei den eingangs gespielten vier Impromptus op. 29, 36, 51 und 66.

Hier vermisste man das Eingehen des Pianisten auf die jeweilige Profilierung , auf die Besonderheiten, die für Chopin so bedeutsamen harmonischen Prozesse der einzelnen Stücke. Das klang allzu sehr einheitlich über den Daumen gepeilt.

Fast immer, wenn der Virtuose Volodin seine „Pranke” demonstrierte - was im Gegensatz zu Liszt bei Chopin ohnehin gefährlich ist - war es aus mit der Durchhörbarkeit. Das galt auch für die Ecksätze der Sonate.

Andererseits gab es wunderschön ausgespielte lyrische Passagen, wo das Melodische aufblühte, wo der Pianist seine reichfacettierte Anschlagskultur ins Spiel brachte. So im Largo der Sonate, deren melodische Bögen er eindrucksvoll nachzog.

Im Ganzen also ein eher zwiespältiger Abend, der dem großen Meister nur partiell gerecht wurde. Wenn schon den ganzen Abend Chopin, dann muss jedes der dargestellten Werke in seinem unverwechselbaren Profil, seiner besonderen Charakteristik hörbar hingestellt werden. Das war leider hier nur sehr bedingt der Fall. Dennoch: viel Beifall, Zugaben.
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