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Der schwarzen Schwan Israels

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Nina Hoger im Alten Kurhaus. Hier ließ sie zusammen mit dem Ensemble Noisten Werke von Else Lasker-Schüler Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Das Lied meines Lebens/ Sieh in mein verwandertes Gesicht/Tiefer beugen sich die Sterne/ Sieh in mein verwandertes Gesicht/ Alle meine Blumenwege/ führen auf dunkle Gewässer”. Alt war die Dichterin bereits, als sie im Exil diese düsteren Zeilen schrieb. Und das Wort „verwandert” enthält keinen Druckfehler.

Die deutsche Jüdin Else Lasker-Schüler, 1869 in Elberfeld (heute Wuppertal) geboren, floh 1933 vor den Nazis in die Schweiz und lebte ab 1937 in Israel. 1945 ist sie völlig verarmt in Jerusalem gestorben. Im Rahmen der Jüdischen Kulturtage wurde ihre Kunst im Alten Kurhaus wieder lebendig.

„Man wünschte sich, sie hätte diesen Abend miterleben können”, resümierte eine Besucherin der Veranstaltung den tiefen Eindruck, den Nina Hoger und das Ensemble Noisten mit ihrem Programm „Tiefer beugen sich die Sterne” hinterließen. Denn die bekannte Schauspielerin (51) zog das Publikum ganz in den Bann der versponnenen Dichterin. Mit den vier virtuosen Musikern des Ensembles Noisten, das die Lebensfreude ebenso wie die tiefe Melancholie der Klezmer-Klänge zum Leuchten brachten, und der Interpretin Nina Hoger wurde der Abend zum Erlebnis. Die überschäumenden Emotionen und Fantasien der Dichterin spiegeln sich in ekstatischen, raunend-visionären oder verspielten Poemen wider, später in träumerisch-elegischen Erlösungshoffnungen.

1943, zwei Jahre vor ihrem Tod, erschien ihr letzter Lyrikband „Mein blaues Klavier” mit Gedichten aus dem Exil. „Ich habe zu Hause ein blaues Klavier/ und kenne doch keine Note./ Es steht im Dunkel der Kellertür/ Seitdem die Welt verrohte.” Betörend die Musik, die arabische, spanische und tamilische Einflüsse aufgreift, und sich mit den rauschhaften Texten des „schwarzen Schwans Israels”, wie man sie nannte, verbindet. Großer Applaus für Nina Hoger und Reinald Noisten (Klarinette), Andreas Kneip (Kontrabass), Claus Schmidt (Gitarre) und Shan-Dewaguruparan (herrlich übermütig an den Schlaginstrumenten).
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