Aachen - Der Körper wird zum Objekt

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Der Körper wird zum Objekt

Von: Sarah Sillius
Letzte Aktualisierung:
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Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen bildender und darstellender Kunst: Anne Tismer stellt ihr Werk im Neuen Aachener Kunstverein bis zum 9. Mai vor. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Sie entwirft ihren eigenen Kosmos und macht das Cross-over zwischen verschiedenen Kunstformen perfekt”, schwärmt Brigitte Steiner, kommissarische Leiterin des Neuen Aachener Kunstvereins (NAK) von Anne Tismer.

Sie sei eine Ausnahmekünstlerin, die mit ihrer Verknüpfung verschiedener Kunstgenres genau den Geschmack des Kunstvereins treffe. Dass Tismer die Welt und aktuelle Themen ganz eigenwillig wahrnimmt und interpretiert, lässt sich schnell feststellen. Wenn sie ihre künstlerische Arbeit in Worte zu fassen versucht, schweift sie immer wieder ab und schlägt neue gedankliche Brücken. Es steckt zu viel kreatives Potenzial in ihr, als dass sie es einfach verbal einfangen könnte.

Einen authentischen Einblick in ihr komplexes Oeuvre, das von Performances über Kunstaktionen, Videoarbeiten, Objekte und Zeichnungen reicht, bietet die Ausstellung „Körperzentralhaltestelle”. Um eine Ausstellung im klassischen Sinne handelt es sich hierbei nicht. Vielmehr sind Gebrauchsgegenstände aller Art wie Regal, Tisch, Stuhl, Toilette, Duschvorhang und Regenrinne collageartig in zwei Räumen des NAK angeordnet, die der Zuschauer wie eine Art Bühne betreten kann. Ob es sich um Pizza, Figuren oder menschliche Exkremente handelt: Vor allem Woll- und Häkelobjekte ziehen sich buchstäblich wie ein roter Faden durch Tismers Kunsträume, in denen ihre Performances stattfinden.

Daneben finden sich Zeichnungen und Entwürfe der Künstlerin wieder. „Sie stammen aus unterschiedlichen Lebensphasen, stehen aber alle in einer Verbindung zueinander”, sagt die ehemalige Schauspielerin, die seit sechs Jahren ihr eigenes performatives Werk schafft und sich seitdem nur noch selbst, ohne fremde Regieanweisung, inszeniert.

In Tismers Paralleluniversum wird der Körper selbst zum Objekt. Alle daneben existierenden Gegenstände führen ein Eigenleben, zu denen Tismer eine ähnliche kommunikative Beziehung wie zu ihren Mitmenschen pflegt.

Die Performance „Anne Ka´s Wunschkonzert” hat Tismer in Anlehnung an Franz Xaver Kroetz´ gleichnamiges Stück entwickelt. In ihrer Performance habe sie den Stoff aber aus seiner Depressivität befreit: „Das Alleinsein fasse ich nicht länger als etwas Negatives auf.” Eine Spur bedrückender ist Tismers Performance „Bongani”, die das Schicksal eines traumatisierten Kindes assoziativ darstellt.

Mit einer Gruppe des Aachener „TheaterausBruch” wird Tismer in einer dritten Aktion, aus Gesprächen heraus, eine ganz neue Performance entwickeln. Besucher können diesen kreativen Entstehungsprozess live miterleben. „Bei der Finissage wird es zudem ein Künstlergespräch geben”, kündigt Steiner an. Hierbei könne sich den Aachenern der Tismer-Kosmos noch ein Stück weiter öffnen.

Eröffnung, Dauer und Performance-Termine

Anne Tismers Ausstellung „Körperzentralhaltestelle” wird am Samstag, 13. März, um 20 Uhr mit der Performance „Anne Ka´s Wunschkonzert” eröffnet. Dauer der Schau: bis 9. Mai, Aachen, Passstr. 29.

Bei der Finissage am 9. Mai wird Tismer um 18 Uhr die Performance „Bongani” aufführen. Zudem wird sie mit einer Gruppe Aachener vom 12. bis 18. April eine Performance entwickeln, deren Entstehung in diesem Zeitraum in der Woche ab 17.30 Uhr und am Wochenende ab 14 Uhr live verfolgt werden kann. Das Endergebnis ist am Sonntag, 18. April, 20 Uhr, zu sehen.
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