Aachen - Der Generalmusikdirektor begeistert als Klarinettist

Der Generalmusikdirektor begeistert als Klarinettist

Von: Thomas Beaujean
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Klarinette statt Taktstock: Kazem Abdullah (r.) und das Trio Wanderer beim Accordate-Konzert im Krönungssaal. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es war nun wahrlich keine leicht verdauliche Kost, die dem Publikum im ersten Abonnementskonzert der Aachener Kammermusikreihe Accordate verabreicht wurde: Die „Europareise Karls des Großen“ förderte auf der Station Frankreich zwei Werke des 20. Jahrhunderts zutage, die aus unterschiedlichen Gründen keinen leichten Zugang gewähren.

Die Rede ist von Gabriel Piernés Klaviertrio c-Moll und Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“. Das Trio Wanderer als Artists in Residence war mit der sperrigen Materie befasst. Als besonderen Akzent kann man die Mitwirkung von Aachens Generalmusikdirektor Kazem Abdullah als Klarinettist verbuchen, der die Hörer im wieder einmal nahezu voll besetzten Krönungssaal besonders neugierig machte.

Das c-Moll-Trio ist das bedeutendste Kammermusikwerk von Gabriel Pierné, Organist, Dirigent und Komponist, Freund und Zeitgenosse Claude Debussys. Seine kreisende, wenig profilierte Motivik und Thematik werden gespeist aus einer permanenten Variation der motivischen Bausteine. Trotz wirkungsvoller, auch harmonisch reizvoller Klangflächen ist das eine Musik, die wenig fasslich, auch formal schwierig nachvollziehbar ist, wenn man einmal von dem slawisch angehauchten, rhythmisch pointierten Scherzo absieht. Dass die drei Musiker des Trio Wanderer – Vincent Coq, Klavier, Jean-Marc Phillips-Varjabédian, Violine, und Raphael Pidoux, Violoncello – als am Pariser Conservatoire ausgebildete Künstler eine besondere Affinität zu dieser Musik haben, war der engagierten, klanglich höchst intensiven, technisch perfekten und tonlich äußerst differenzierten Wiedergabe deutlich anzumerken.

Olivier Messiaens kammermusikalisches Hauptwerk entstand 1940 in einem Kriegsgefangenenlager bei Görlitz und bezieht seine spirituelle Kraft aus der tiefen Religiosität des Komponisten, der thematisch auf die „Geheime Offenbarung des Johannes“ zurückgreift. So entstanden acht Einzelsätze, jeder mit religiösem Bezug, in unterschiedlichen Besetzungen, vom Solostück bis zum Quartett.

Zu den drei Musikern des Trio Wanderer tritt Kazem Abdullah als Klarinettist und erweist sich dabei nicht nur als glänzender, tonschöner und klanglich modulationsfähiger Instrumentalist, sondern auch als ein eminenter Kammermusiker. So entstand im nahezu perfekten Zusammenspiel mit dem Trio Wanderer eine unter die Haut gehende, tief beeindruckende Wiedergabe einer Musik, die schwankt zwischen wilden, rhythmisch äußerst komplizierten Ausbrüchen und einer beinahe süßlichen, transzendentalen Linienführung und Harmonik.

Ein Kompliment gilt dem Accordate-Publikum, das diesen schwierigen Abend mit begeistertem Applaus quittierte.

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