Der ewige Bond im Dienste von Unicef

Von: Alexander Barth
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Im Dienste des Kinderhilfswerks: Roger Moore ist der Rekordhalter unter den James-Bond-Darstellern. Am Dienstag nahm er als Unicef-Botschafter in Aachen einen Scheck über 180.000 Euro entgegen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Den Ehrentitel „Sir“ führt er mit Stolz, aber ohne Verbissenheit. „Nennen Sie mich Roger“, lässt er seine Gesprächspartner schnell wissen. „Meinetwegen auch Fred oder Willy.“ Humor statt Allüren – Roger Moore versprüht auch mit 85 Jahren noch einiges vom Bond-Charme, der ihn als Schauspieler unsterblich machte.

Heute nutzt er den Ruhm seiner Paraderolle, die er zwischen 1972 und 1985 in insgesamt sieben Filmen spielte, vor allem im Dienste der Hilfsorganisation Unicef.

Am Dienstag weilte Roger Moore, der so oft wie kein anderer Darsteller den smarten Geheimagenten Ihrer Majestät gab, in wohltätiger Mission in Aachen. Beim Weltfest des Pferdesports CHIO nahm der 85-Jährige einen Scheck über 180.000 Euro entgegen – Spenden unserer Leser für Kinder in Bangladesch.

Vor seinem Auftritt beim Reitturnier verriet der ewige „007“, dass er mit der Nähe zu Pferden alles andere als ein Problem hat: „Ich bin früher selbst gern geritten. Heute sagt mir die Fahrt in einer Kutsche allerdings deutlich mehr zu.“ In seiner Schauspielkarriere war Moore immer wieder für die Rolle des britischen Charmeurs mit Hang zum Draufgängertum besetzt worden. Bis heute ist der 85-Jährige stets bestens gekleidet als perfekter Gentleman unterwegs. „Ich habe mir eigentlich nie viel Gedanken um mein Auftreten gemacht. Gute Manieren hatte ich von zu Hause aus. Heute hilft mir das Image der James-Bond-Jahre sicher bei meinen Aufgaben.“

Die Aufgaben, das sind laut Roger Moore das „gesittete Betteln, Spendensammeln und Diskutieren“. Seit 1991 ist der Schauspieler, der in den 60er und frühen 70er Jahren als Seriendarsteller in „Simon Templar“ und mit Tony Curtis in „Die 2“ Welterfolge feierte, im Kreis der Unicef-Botschafter vertreten. Audrey Hepburn war es, die Moore für die Arbeit als offiziellen Vertreter regelrecht anwarb. „Wenn Audrey Hepburn etwas von Dir will, dann fragst Du nicht lange“, beschreibt Roger Moore den Schritt zum Botschafter des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. „Ich hatte erst mal überhaupt keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde. Audreys Begeisterung für die Sache hat mich einfach angesteckt.“ Die Bezahlung sei es ganz gewiss nicht gewesen, erzählt er mit einem Augenzwinkern. „Ein symbolischer Dollar pro Jahr, ich bitte Sie. Wenn das meine Frau erfährt...“.

Seine erste Reise als Unicef-Botschafter führte ihn seinerzeit nach Mittel- und Südamerika. Der Vollblutcharmeur wird ernst, wenn er von seinen Erfahrungen in Elendsgegenden der Erde berichtet. „Ich habe dort gelernt, wie wichtig die Arbeit der Hilfsorganisationen wirklich ist. Überall fehlte es am Nötigsten. Wasser, Nahrung, medizinische Versorgung. Mir war klar, dass dies das Richtige für mich ist.“

Es klinge womöglich pathetisch, sagt Roger Moore, „aber der direkte Kontakt mit Menschen, die beim Anblick von sauberem Wasser vor Glück strahlen, treibt dich an. Oder die Gesichter der Kinder, die zum ersten Mal eine Schule besuchen können. Dann sind da die Gerüche, die sich fest in meine Erinnerung eingebrannt haben. Oder der Anblick eines Babys mit einem Katheter im Arm, dicker als das Ärmchen selbst“, zählt Sir Roger mit ernster Miene auf. „Und wenn Du dann hörst, dass dieses Kind den Tag wohl nicht überleben wirst, musst Du einfach weitermachen, etwas tun.“

Im Dienste der Mission Unicef, die für den gebürtigen Londoner zur Lebensaufgabe nach der Schauspielerei geworden ist, schlüpfte Roger Moore im Alter von 84 Jahren sogar noch einmal in die Rolle des smarten Geheimagenten. In einem Kampagne-Video für sauberes Wasser als Grundrecht bestellte er an einer Bar mit dem legendären Bond-Satz „Geschüttelt, nicht gerührt“. In seiner eigenen Bond-Ära waren ihm diese Worte nie selbst über die Lippen gekommen.

Das Image des Ladykillers, der die schönen Frauen auf dem Weg zur Rettung der Welt schwach werden lässt, hat dem heute 85-Jährigen laut eigener Aussage nie richtig behagt. Mit seiner Frau pendelt er saisonal zwischen Monte Carlo und dem Schweizer Ferienort Crans-Montana. „Kristina ist für mich das einzig wahre Bond-Girl“, sagt Gentleman Moore.

Als Schauspieler hat der einstige Soldat der britischen Rheinarmee in Deutschland das Rampenlicht bereits vor mehr als zehn Jahren verlassen. Vor die Kamera oder auf die Theaterbühne tritt er nur noch sporadisch. Roger Moore ist heute Unicef-Botschafter durch und durch. Die Sache mit dem Humor ist durchaus seine Sache geblieben. Kostprobe gefällig? Zurück zur Frage der Anrede: „Nur wenn mich jemand Gertrud oder Mary nennen würde, fände ich das seltsam.“

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