David Garrett: Kreative Feinheiten im Bombast der Show

Von: Armin Kaumanns
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Pompöse Show mit Akrobatinnen, Tänzerinnen, Rockband und Feuerwerk: David Garrett (links) blieb dabei ganz locker. Foto: Andreas Baum

Mönchengladbach. David Garrett ist inzwischen eine so große Nummer, dass er Barack Obama bei seiner Berlin-Visite die Nationalhymnen geigen darf. Mit seiner amerikanischen Mutter verkörpert er ja auch so etwas wie Fleisch gewordene transatlantische Freundschaft. Vom Brandenburger Tor aus jedenfalls jettete der Wahl-New-Yorker schnurstracks im Privatflieger an den Niederrhein, von Düsseldorf aus ging’s per Eskorte nach Mönchengladbach.

Locker im Schlabber-T-Shirt

Es geht familiär zu im Hockeypark: Vor der Arena ist eine Art Beköstigungs-Zeltstadt aufgebaut, die Parkplätze mit Nummernschildern aus einem 100-Kilometer-Radius sind gleich vor der Tür. Garrett hatte das dunkle Outfit des Mittags gegen Schlabber-T-Shirt und verwaschene Jeans ausgetauscht und schmeißt sich ohne Soundcheck ins Programm seiner „Music!“-Tour. Und man muss sagen, das ist ganz großes Kino.

8500 Besucher jeden Alters erleben eine Freiluftshow, die an Aufwand schwer zu toppen sein dürfte. Die riesige Bühne beherbergt nicht nur den Star-Geiger samt Band und ausgewachsenem Sinfonieorchester, hier hüpfen Tänzer in folkloristischen Kostümen herum, dort baumeln Artistinnen an weißen Bändern vom Deckengestänge. Mit faszinierender Perfektion schleudern Riesen-Leinwände hinter und neben der Bühne Live-Bilder oder vorgefertigte Video-Clips in die einsetzende Dämmerung.

Bei einem solch immensen Aufwand fürs schmückende Beiwerk muss man sich dann doch wundern, wie perfekt, ja geradezu versessen David Garrett den musikalischen Teil des Programms absolviert. Da kratzt keine Saite (wenn sie nicht muss), da geht kein noch so fitzeliges Tönchen daneben – hinter all der zum Event geblähten Show bleibt Garrett ein Geiger der Spitzenklasse.

Und selbst beim 20. Aufguss des Programms binnen fünf Wochen sucht er immer noch die musikalische Inspiration bei seinen Mitspielern, vor allem bei seinem Gitarristen. So ausgeklügelt bis zum letzten Pieps die Musik auch sein mag, so eingezwängt in die Maschinerie aus Bild, Licht und Feuerwerk – immer noch gelingen Garrett kleine Momente von Freiheit und Kreativität.

Dabei verharrt „Music!“ im vertrauten, vielleicht liebgewonne- nen Schema Garrettschen Crossovers. Gefällig wechseln die Stile zwischen hartem Rock (Metallica), Pop, Folk und weichgespülter Klassik. „Music was my first love“ ist eine wunderbare Schnulze, man darf dahinschmelzen.

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