David Garrett: Die zwei Karrieren des Wunderkinds

Von: Carla S. Reissman, dpa
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David Garrett
Vor David Garrett war noch niemand auf die Idee gekommen, Mozart mit Michael Jackson zu vergleichen. Der attraktive deutsch-amerikanische Star-Geiger brilliert mit Crossover zwischen Rock und Klassik. Am 4. September wird das ehemalige Wunderkind 30. Foto: dpa

Aachen/New York. Kaum vorstellbar, dass David Garrett in den ersten 17 Jahren seines Lebens quasi in einer Blase lebte: Die Rhythmen von Pop- und Rockmusik drangen dort nicht an sein Ohr. Stattdessen verbrachte der 1980 in Aachen geborene Sohn einer amerikanischen Primaballerina und eines deutschen Juristen seine Zeit mit den Noten von Bach, Beethoven und Schostakowitsch.

Deshalb war es eine gewagte musikalische Expedition für ihn, als er die Hitparaden entdeckte. Das erste nicht-klassische Album, das er sich in seinem Leben kaufte, war Queens „A Night at the Opera”, verriet er einmal.

Für seine zweite Karriere als Rock-Star der Klassik musste sich der „schnellste Geiger der Welt” erst einmal freikämpfen. Denn bei allen Erfolgen fühlte er sich durch seine Eltern gegängelt. „Es hieß immer nur: Du musst! Das war eine hundertprozentige Fremdsteuerung”. Eigene Entscheidungen durfte er nie treffen, und immer habe es geheißen: Pass auf Deine Hände auf, sagte er in einem Interview.

Während die anderen Fußball spielten, stand David Garrett vor dem Notenpult und übte. Und übte. Und übte. Bereits als Achtjähriger geigte er mit weltbekannten Sinfonieorchestern, als 13-Jähriger trat er an der Seite von Yehudi Menuhin auf, nahm Privatstunden bei der israelischen Violin-Legende Itzhak Perlman.

Dann entdeckte er AC/DC, Metallica und Queen für sich. Volljährig geworden, flüchtete er so weit weg wie möglich - nach New York an die legendäre Musikschule Juilliard School. Und erfand sich neu. Mit dem Album-Titel „Free” und langen blonden Haaren meldete er sich 2006 nach einer Pause zurück. Zum Erfolg wurde die Crossover- Platte „Virtuoso” (2007).

Der Vergleich eines Michael Jacksons-Hits mit dem Violinkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart liegt für Garrett auf der Hand. „Die grundlegenden harmonischen Muster von Smooth Criminal ähneln dem berühmten türkischen Marsch im letzten Satz des Mozart-Konzerts”, erklärt er seine Inspiration. Nur dass Mozart natürlich keine E-Gitarren und Schlagzeug vorgesehen hatte. Aber Garrett trägt damit einen bombastischen Sound in die Konzertsäle, der vielleicht auch dem Wunderkind der Klassik gefallen hätte.

Nebenbei hat er auch den Kleidungsstil revolutioniert und junge Leute für Bach begeistert. Zerlöcherte Jeans versus Designer-Anzug - für ihn zählt die Musik und nicht der andere Firlefanz. Es habe ihn schockiert, als er als Teenager entdeckte, dass er mit Abstand der Jüngste im Konzertsaal war. „Ich dachte mir, was machst du eigentlich? Du machst einen Beruf für Leute, die 60 sind. Das fand ich so uninteressant.”

Morgen (Samstag, 4. September) wird er 30; sein Publikum ist heute zwischen 17 und 35 Jahre alt, trinkt Bier aus Plastikbechern statt Sekt aus dem Glas, trägt Turnschuhe statt Smoking. Und hört wieder Klassik - à la Garrett.
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