Das Publikum feiert Lars Vogt mit Standing Ovations

Von: Pedro Obiera
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Pianist und Dirigent in Personalunion: Lars Vogt leitete das Aachener Sinfonieorchester vom Klavier aus. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Nach Wagners Festwiesen-Getümmel im vorigen Konzert schloss das Aachener Sinfonieorchester seine Saison mit Klassik in kristalliner Reinheit ab. Haydn, Mozart und Beethoven: Klassischer geht es nicht. Und mit Lars Vogt stand ein Publikumsliebling zur Verfügung, der gleich in Personalunion als Pianist und Dirigent in Erscheinung trat und das Publikum zu Standing Ovations hinriss.

Zwei große Konzerte von Mozart und Beethoven, die der gebürtige Dürener vom Klavier aus dirigierte, wurden durch zwei kleine Orchesterstücke eingeleitet. Klein, aber fein und knifflig. Haydns geniales Vortasten aus dem Chaos zum Licht in der Einleitung zur „Schöpfung“ entfaltete Vogt mit ausgeprägten dynamischen Kon-trasten, klaren Akzenten und einer erfreulichen Binnenspannung. Allerdings beließ er es bei einem sehr dichten Klangbild, in dem sich die feinen Holzbläserfiguren nur wattiert entfalten konnten.

Transparenz und Ausgewogenheit der Instrumentalgruppen wurden auch in den anderen Werken zum Problem, wobei Vogt musikalisch natürlich genau weiß, worum es geht. So phrasierte er durchweg sorgfältig und konnte sich und das Orchester zu einem inspirierten Spiel motivieren.

Mozarts Konzert in c-Moll KV 491 und Beethovens 3. Klavierkonzert bildeten den Kern des Programms. Werke, die Vogt mit seiner Erfahrung und seinem Können klar, natürlich und ohne besondere Finessen interpretierte. Mozarts Final-Rondo könnte man sich federnder, elastischer vorstellen, die langsamen Sätze ein wenig flüssiger. Das schmälerte nicht den positiven Eindruck der rundum geschlossenen Interpretationen, unter denen der Beethoven-Beitrag stärkere persönliche Impulse ausstrahlte als der etwas glatte Mozart-Vortrag.

Was die Balance zwischen Orchester und Klavier angeht, fehlte letztlich doch die Distanz eines separaten Dirigenten. Die Orchesterbesetzungen in den heutigen Konzerthäusern sind, anders als zu Mozarts oder Beethovens Zeiten, einfach zu groß, um sie vom Klavier aus ideal austarieren zu können. Da ergeht es Vogt nicht besser als manchem seiner Kollegen.

Zu erwähnen ist noch eine kraftvoll angegangene „Fidelio“-Ouvertüre mit extremen Tempo-Kontrasten. Den begeisterten Beifall beantwortete Vogt mit einem schlichten Walzer von Johannes Brahms, dem Komponisten, mit dem er seit Jahren Maßstäbe setzt.

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